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Betrug im SportRio 2016: Die korruptesten Spiele der Neuzeit

Mit Ex-Bürgermeister Eduardo Paes ist nun auch die dritte Schlüsselfigur der Spiele von 2016 angeklagt – ein olympischer Negativ-Rekord.

Papst Franziskus segnet die olympische Flagge, gebannt schauen Eduardo Paes (links hinter dem Papst mit verschränkten Händen), Sergio Cabral (rechts) und Carlos Nuzman (ganz rechts) zu.
Papst Franziskus segnet die olympische Flagge, gebannt schauen Eduardo Paes (links hinter dem Papst mit verschränkten Händen), Sergio Cabral (rechts) und Carlos Nuzman (ganz rechts) zu.
Foto: Reuters

Als Papst Franziskus im Juli 2013 die olympische Flagge segnet, schauen in seinem Rücken drei Herren selig lächelnd zu: Rios Bürgermeister Eduardo Paes, Rios Gouverneur Sergio Cabral und Carlos Nuzman, der OK-Chef der Sommerspiele von 2016. Das Trio holte den wichtigsten Sportanlass der Welt erstmals nach Lateinamerika. Es liess sich diese Pioniertat vom sportbegeisterten Argentinier Franziskus darum noch so gerne religiös aufladen.

Was Franziskus im Gegensatz zu den drei Olympialenkern damals nicht wusste: Sie hatten sich diese Spiele von Rio de Janeiro auch erkauft, weil sie Ja-Stimmen für ihre Kandidatur gegen harte Dollars eingetauscht hatten. Darum klingen die Worte von Thomas Bach, dem Präsidenten des IOK, mittlerweile wie Hohn. Just nach dem «Fest der Jugend» lobte der höchste Olympier: «Rio offenbarte der Welt das Beste der Einwohner von Rio und ganz Brasilien.»

Vier Jahre später ist dieses scheinbar glänzende Vermächtnis implodiert: Cabral sitzt für sagenhafte 198 Jahre hinter Gittern, weil er in diverse Korruptions- und Betrugsdelikte verwickelt war. Ein Nebenstrang handelt von den Rio-Spielen 2016: Die gefallene Politgrösse liess für zwei Millionen Dollar ein paar (entscheidende) Stimmen einkaufen.

Bloss eine Firma erfüllte exakt die Vorgabe

Darüber stürzte auch sein Komplize Nuzman, den die Polizei im Oktober 2017 verhaftete. Vorwurf: Geldwäsche, Zugehörigkeit zu einer kriminellen Vereinigung und Stimmenkauf für die Vergabe der Spiele. Mit ihm fiel seine rechte Hand Leonardo Gryner, der Generaldirektor der operativen Geschäfte von Rio 2016. Sowohl Nuzman wie Gryner sind längst entlassen. Nuzman hat seinen Prozess bis dato herausschieben können.

Die Justiz zeigt sich davon unbeeindruckt und hat mit dem früheren Bürgermeister Paes nun auch die dritte Schlüsselfigur (zusammen mit 23 anderen Personen) von Rio angeklagt. Diesmal geht es um passive Korruption und Betrug bei Vergabeverfahren.

Gemäss der Staatsanwaltschaft erfüllte bloss eine Firma exakt die Vorgabe, eines der Olympiagelände für 116 Millionen Euro zu bauen. Paes und Zugewandte hätten damit alle Mitbewerber mit dieser passgenauen Vorgabe aushebeln können und sich diesen Kniff mit Millionen vergolden lassen. Paes dementiert aufs Heftigste, wie er schon beim ersten Anklageversuch es ging um die Funktionärsbestechung jegliche Mitwisserschaft von sich wies. Bloss ist die Beweislage im zweiten Versuch der Juristen, des Starpolitikers habhaft zu werden, ungemein besser.

Wird Tokio 2021 noch schlimmer?

Dass gleich die komplette Spitzencrew eines Gastgeberlandes von Olympischen Spielen angeklagt oder verurteilt ist, dürfte selbst für die skandalerprobten Hüter der Ringe ein Rekord darstellen. Schliesslich wurden neben dem Trio auch zahlreiche Zudiener inhaftiert, darunter mit Alexander Pinto der einstige städtische Chef von Rios Infrastrukturen rund um die Olympiajahre. Er musste wegen Schmiergeld in Millionenhöhe für fast 23 Jahre ins Gefängnis.

Carlos Nuzman (rechts) schenkt dem Papst ein Olympiatrikot, Sergio Cabral (links) schaut zu.
Carlos Nuzman (rechts) schenkt dem Papst ein Olympiatrikot, Sergio Cabral (links) schaut zu.
Foto: Reuters

Bei jenem Treffen vom Juli 2013 mit Papst Franziskus drückte Carlos Nuzman dem obersten Hirten übrigens ein Olympiatrikot in die Hände. «Papa Francisco» steht gross neben dem Ringe-Emblem. Es steht als textiles Mahnmal für die betrügerische Scheinwelt dieser brasilianischen Saubermänner und könnte doch eine Wiederholung erfahren: Die Spiele von Tokio, mittlerweile auf den Sommer 2021 verschoben, sollen gemäss Recherchen der Agentur Reuters auch dank Zuwendungen an korrupte IOK-Mitglieder nach Japan gelangt sein.

4 Kommentare
    Guido Lima

    Es war Lula der die Spiele und die WM nach Brasilien holte. Seine drei Rio Mithelfer waren nur ein Teil dieser Mafia. Lula wird in Kürze auch noch wegen diesen beiden Grossanlässen angeklagt. Aber wer die Cariocas kennt, den erstaunt gar nichts mehr. Einer der reichsten Staaten in Brasilien und gleichzeitig der höchst verschuldete. So fehlen bis heute teilweise Löhne der Staädtischen Angestellten aus dem 2019. An der Fussball WM versickerten 1.6 Milliarden Reais ( 400 Millonen Dollar im 2012 ) für die Renovation des Maracana Stadion. Dilma hat dann nochmals 400 Millionen überwiesen. Dass heute praktisch alle Olympia Anlagen verrottet sind versteht sich von selbst. Cabra ist übrigens zu 267 Jahren verurteilt.