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Rad-Zeitfahr-SM in BelpReusser siegt trotz Panne

Marlen Reusser (28) hat in Belp den Schweizer Meistertitel im Zeitfahren verteidigt. Die Bernerin aus Hindelbank konnte auch eine abgesprungene Kette nicht stoppen.

Siegerin Marlen Reusser überholte Jolanda Neff.
Siegerin Marlen Reusser überholte Jolanda Neff.
Manuel Geisser 

Marlen Reusser, ist der dritte Zeitfahr-Meistertitel in vier Jahren speziell?

Ja sehr, noch nie habe ich vor einem Rennen derart viel Druck verspürt. Alle erwarteten den Sieg. Ich bin enorm erleichtert, konnte ich bestehen.

Hatten Sie selber Zweifel?

Ehrlich gesagt, war ich mir überhaupt nicht sicher. Technisch fahren andere besser. Um mich an die scharfen Kurven zu gewöhnen, war ich vergangene Woche jeden Tag hier und habe auf der Strecke trainiert.

Schon nach einer Runde hatten Sie Jolanda Neff eingeholt.

Ja, da wusste ich, dass ich schnell unterwegs war. Ich zählte sie wegen ihrer Technik zu den Mitfavoritinnen. Auf jeden Fall widme ich ihr ein Kränzchen. Es braucht Mut, nach ihrer schweren Verletzung hier an den Start zu gehen, zumal für sie als Mountainbikerin das Zeitfahren auch nicht ihre eigentliche Disziplin ist.

Vor zwei Jahren stürzten Sie in der letzten Kurve und vergaben den Titel, diesmal gab es kein Malheur?

Leider doch. Während der Abfahrt sprang die Kette raus. Ich musste von 60 Stundenkilometern auf Null bremsen, dann kam der Mechaniker aus dem Begleitfahrzeug gerannt und montierte die Kette wieder. Bei dieser Panne habe ich einige Sekunden verloren.

Wie geht es weiter?

Jetzt reise ich nach Spanien. Dort stehen drei Eintagesrennen auf dem Programm. Danach ist offen, ob ich ein Höhentrainingslager einschalte und auf Rennen verzichte.

Sie waren doch zuletzt schon in den Bergen?

Ja, das war mein erstes Höhentrainingslager überhaupt und hat auch sehr gut funktioniert. Mir gelang ein bemerkenswerter Leistungssprung. Deshalb denken wir nun auch über eine Wiederholung nach.

Wie haben Sie die Corona-Pause überstanden?

Für mich persönlich war es ein Glücksfall. Ich gewann Zeit, absolvierte wie erwähnt ein Höhentrainingslager, konnte ein Setup auf dem Zeitfahrvelo machen. Alles Dinge, die so im eigentlichen Kalender nicht vorgesehen waren. Aber es ist trotzdem schön, kommen jetzt wieder Wettkämpfe. Auf das Rennen hier in Belp habe ich mich jedenfalls gefreut wie ein kleines Kind auf Weihnachten.

Ihr Team Bigla-Katusha verlor in dieser Zeit aber beide Geldgeber.

Ja, ich hatte jedoch vollstes Vertrauen in unseren Teamchef, der ein tüchtiger Geschäftsmann ist. So ist es denn auch gekommen. Mit Paule Ka haben wir einen hervorragenden, neuen Sponsor und gleich einen Vierjahresvertrag. Dass ein Mode-Label in den Radsport einsteigt, ist eine Premiere. Dabei passt das für den Frauenradsport doch ideal. Für unser Team ist das toll.

Nun wird der Sieg mit einem gemeinsamen Essen gefeiert?

Vorher gibt es zur Feier des Tages und zur Abkühlung noch einen Schwumm in der Aare.