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LeserreaktionenRespektlos, abschätzig, an Arroganz nicht zu übertreffen

Meinungen von Leserinnen und Lesern zu aktuellen Themen.

Eine Risikopatientin muss in der Pflege arbeiten – «mir stehen die Haare zu Berge», schreibt Leserin Barbara Weber.
Eine Risikopatientin muss in der Pflege arbeiten – «mir stehen die Haare zu Berge», schreibt Leserin Barbara Weber.
Getty Images

Zu «Vor dem Montag hat sie Todesangst»

Hausarzt wechseln

Beim Lesen sind mir die Haare zu Berge gestanden. Es kann doch nicht sein, dass eine Pflegefachfrau zur Arbeit unter Todesängsten gezwungen werden kann. Zudem hat die Pflegefachfrau als Risikopatientin allen Grund für diese Ängste. Ich habe selber als Pflegefachfrau gearbeitet und kenne die Belastung, der das Personal auch ohne Corona ausgesetzt ist. Natürlich will man das Team nicht im Stich lassen. Aber was nützt es einem Team, wenn die Pflegekraft ans Limit kommt und dann für längere Zeit wegen Krankheit ausfällt? Ich verstehe nicht, warum die Frau in dieser Situation vom Hausarzt nicht krankgeschrieben wird. Es zählt doch nicht nur der physische Zustand, und der ist ja schon vorbelastet, sondern ebenso der psychische, emotionale Zustand. Ich möchte der Frau dringend raten, zu Hause zu bleiben und den Hausarzt zu wechseln.

Barbara Weber, Bern

Zu «Wer ist eigentlich wirklich systemrelevant?»

Ich bin schockiert

«Wer findet, er bekomme zu wenig Lohn, kann aus seiner Branche weglaufen und etwas andres lernen.» Welch respektloses, abschätziges, menschenverachtendes, an Arroganz nicht zu übertreffendes Votum von Ökonom Beat Kappeler. Und welch ein Mangel an Wertschätzung dem Spitalpersonal gegenüber, das zu unserem Wohl Übermenschliches leistet und sich dabei auch noch grossen Risiken aussetzt. Ich bin schockiert! Sollte Herr Kappeler gegebenenfalls mal auf Pflege angewiesen sein, dann bin ich überzeugt, dass er sich daran erinnern wird, dass es dafür kein Fachwissen braucht. Diese Dienstleistung kann ja schliesslich – Zitat – «durch Kooperation von Bürgern, Nachbarn und Unternehmen aufgefangen werden».

Elsbeth Etter, Gurbrü

Zitat des Tages

Corona- und Cyberviren sind starke Impulse, unsere Sicherheitspolitik zu überdenken.

Roger E. Schärer, Oberst a D, Trin Mulin

Zu «Achtung, fertig, Corona!»

Die Sicherheitspolitik überdenken

Beeindruckend, der zweiseitige Dank und die Anerkennung für die Armee in der Corona-Krise. Es sind die Sanitäts-, Transport-, Logistik-, Rettungs-, Sicherheits- und Territorialtruppen, die die aktuellen und zukünftigen Bedrohungen stemmen. Konventionelle Abwehrmittel wie Kampfjets, Panzer, Artillerie, Munition und weitere Rüstungsinvestitionen können wir uns mit den dreistelligen Milliardenschulden nicht mehr leisten. Corona- und Cyberviren sind starke Impulse, unsere Sicherheitspolitik zu überdenken. Grosser Dank gilt den 3800 Angehörigen der Armee, die mit höchsten Gesundheitsrisiken ihren Dienst an uns allen versehen.

Roger E. Schärer, Oberst a D, Trin Mulin

Zu «Am Wochenende wollen alle raus – aber...»

Sich selber an der Nase nehmen

Der Radsportler aus der Region, der am Samstag zuvor Richtung Gadmen unterwegs war und feststellte, dass extrem viele Töfffahrer aggressiv unterwegs waren, sollte sich selber bei der Nase nehmen. Er selber war sicher auch nicht zum Einkaufen unterwegs und hielt sich so nicht an die Vorgaben des BAG. Zudem fahren die meisten Töfffahrer mit geschlossenem Visier und hintereinander, was das Coronavirus nicht weiterverbreitet, im Gegensatz zu den Velofahrern.

René Zenhäusern, Spiez

Zum Coronavirus

Gott freut sich über jeden Menschen

Als Dietrich Bonhoeffer 1945 in der Gefängniszelle sass, die seine Todeszelle wurde, schrieb er ein Gedicht, dessen letzte Strophe lautete: «Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen, und ganz gewiss an jedem neuen Tag.» Viele Menschen fühlen sich in diesen Wochen auch wie in einem Gefängnis. Wie wäre es, wenn wir uns auch aufmachen würden, um die Nähe der Geborgenheit bei Gott zu suchen? Gott freut sich über jeden Menschen, der sich aufmacht, um ihm zu begegnen. Er sagt selbst: «Denn ich weiss wohl, was für Gedanken ich über euch habe, Gedanken des Heils und nicht des Leids, euch Hoffnung und Zukunft zu gewähren.» Ich selber bin 83-jährig und lebe seit 62 Jahren in dieser Beziehung. Ich wünsche Jungen und Alten viel Mut und Kraft und die Bereitschaft, sich auch mit Vernunft zu verhalten.

Rolf Kuhn, Riggisberg

Selbstversorgung zu 100 Prozent

Das Elend von Corona brachte den kleinen Menschen zum Verstand. Die Flugzeuge sind am Boden, die Strassen sind leerer, der ÖV reduzierter, weniger Lärm, Abgase und Dreck, die Luft reiner – wir könnten, wenn wir wollten. Nun stehen die Regierungen vor der Entscheidung, wie das Leben weitergehen soll. Der kleine Schritt zur Energiewende ist getan. Die überrissenen Millionen-«Löhne» in der Wirtschaft und im Sport müssen ein Ende finden. Ich erinnere mich noch, nach dem letzten Krieg, da wurden Sportplätze und Luxusgärten umgepflügt und Getreide und Kartoffeln gepflanzt. Das hiess es: Selbstversorgung zu 100 Prozent. Es gab kein Sojafutter, kein Palmöl, es gab Sauerteigbrot mit Kartoffel, Eingemachtes, Gedörrtes. Was kochen heisst, kennen die Jungen leider nicht mehr. Die Karrerei von Süd nach Nord, Erdbeeren an Weihnachten, das kannte man nicht. Hoffen wir auf eine bessere Zeit mit mehr Vernunft.

Erwin Baur, Gunten