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GeldblogRente oder Kapitalbezug?

Die Schuldenberge vieler Staaten belasten unser Finanzsystem – und verunsichern viele im Hinblick auf den Umgang mit PK-Geldern. Experte Martin Spieler hat Tipps.

Inflationsrisiko hin oder her: Man sollte sich der individuellen Vor- und Nachteile beider Pensionslösungen bewusst sein.
Inflationsrisiko hin oder her: Man sollte sich der individuellen Vor- und Nachteile beider Pensionslösungen bewusst sein.
Foto: Getty Images

Angesicht der gewaltigen Geldmengen und Schulden aller Industriestaaten wird ein normaler Schuldenabbau wohl nicht realistisch. Die deflationären Tendenzen können rasch in eine Inflation oder Hyperinflation umschlagen. Währungsreformen auch in der Schweiz sind dann das einzige probate Mittel, eine solche Krise zu lösen. Ich besitze ein kleines Barvermögen und werde in zwei Jahren pensioniert. Ich stelle mir die Frage, ob ich die Rente oder den Kapitalbezug wählen soll. Kapitalbezug hätte den Vorteil der Umschichtung des Vermögens in sichere Werte wie Sachwerte, Fremdwährungen, US-Dollars, Land, etc. – um somit einer Geldentwertung teilweise entgegentreten zu können. Wie sehen Sie das? Leserfrage von J.H.

Ich teile Ihre Meinung, dass die immer grösser werdenden Schuldenberge vieler Staaten auf der Welt zu einer immensen Herausforderung für unser Finanzsystem werden. Aufgrund der Coronakrise wachsen die Schulden noch weit mehr an. Schon vor der Krise waren die angehäuften Staatsschulen realistischerweise kaum mehr rückzahlbar. Mit den notwendigen Hilfsmassnahmen für Wirtschaft und Gesellschaft wegen der Covid-19-Pandemie haben die Schulden der Regierungen nochmals um viele Milliarden zugenommen. Dies dürfte dazu führen, dass viele Länder noch mehr Geld drucken und ihre Schulden mittel- bis langfristig über eine steigende Teuerung tilgen.

Momentan haben wir eine tiefe Inflation und es gibt in der Tat sogar deflationäre Tendenzen. Der Einbruch bei den Ölnotierungen und die Zurückhaltung der Konsumenten und der Unternehmen bei den Investitionen tragen stark dazu bei, dass die Teuerung vorderhand tief bleibt. Ich befürchte aber, dass später, wenn die Coronakrise überwunden ist und sich die globale Wirtschaft wieder stark erholt, die Inflation ansteigen könnte. Die bei uns schon fast vergessen geglaubte Inflation dürfte ein Comeback feiern. Die Frage ist dann, was mit der Altersvorsorge passiert. Diese ist auch unabhängig von der Coronakrise wegen der rekordtiefen Zinsen und der steigenden Lebenserwartung in einer schwierigen Situation und sollte schon lange reformiert werden. Wenn die Teuerung hierzulande anzieht, könnten allerdings auch die Renten steigen.

Die Variante Kapitalbezug hat den Nachteil, dass Sie ganz direkt den Unwägbarkeiten der Finanzmärkte ausgesetzt sein werden.

Wenn Sie hingegen einen Kapitalbezug vornehmen, müssen Sie sich selbst um die Anlage des Geldes kümmern und tragen das damit verbundene Anlagerisiko sowie das Langlebigkeitsrisiko. Beides ist nicht unerheblich. Immerhin könnten Sie das Geld teilweise in Anlageklassen investieren, die einen Inflationsschutz bieten – etwa in Edelmetalle wie Gold und Silber. Doch diese haben den Nachteil, dass sie keine Rendite abwerfen. Sie müssen sich somit fragen, ob Sie das Geld für Ihren Lebensstandard brauchen oder ob es Ihnen genügt, wenn Sie nur den Werterhalt sichern können.

Immobilien, die Sie auch ansprechen, bieten zwar auch einen guten Inflationsschutz. Die Rendite ist aber nicht zwingend gegeben. Kritisch wäre ich bei der Idee, zu viel Geld in US-Dollar zu investieren. Auch die USA haben ein grosses Interesse, ihre gewaltigen Schulden mittels Inflation abzubauen. Da würde ich lieber auf den Schweizerfranken setzen, der meines Erachtens wohl auch in Zukunft mehr Stabilität als die meisten Währungen der Welt bietet, zumal bei uns die Schulden im internationalen Vergleich nicht ganz so hoch sind. Bei uns ist die Gefahr einer Währungsreform aus meiner Sicht weit geringer als in vielen anderen Ländern.

Ich rate Ihnen unabhängig vom Inflationsrisiko, zuerst für sich die Vor- und Nachteile eines Renten- oder Kaptalbezugs genau zu prüfen. Die Frage, wie das Geld dann angelegt wird, ist eine andere. Wenn Sie die Sicherheit haben möchten, dass Sie bis ans Lebensende eine Rente bekommen und auf das Geld angewiesen sind sowie bei guter Gesundheit sind, fahren Sie mit der Rentenlösung wohl besser. Die Variante Kapitalbezug gibt Ihnen finanziell mehr Spielraum, hat aber den Nachteil, dass Sie ganz direkt den Unwägbarkeiten der Finanzmärkte ausgesetzt sein werden. Nur aus Angst vor einer Inflation würde ich mich sicher nicht für einen Kapitalbezug entscheiden. Möglich ist auch ein Kompromiss: Dass Sie für einen Teil des Geldes eine Rente beziehen und den Rest Ihrem Wunsch gemäss als Kapital. Wichtig ist dann aber, dass Sie das Geld wirklich investieren und eine Rendite erwirtschaften – ansonsten fehlt Ihnen diese für die Bestreitung Ihres Lebensunterhaltes.

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