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Geldblog: PensionskasseRente oder Kapital – eine Frage der Persönlichkeit

Welche Variante sinnvoll ist, hängt davon ab, ob man für sich möglichst viel Sicherheit und Planbarkeit oder lieber mehr Freiheit wünscht. Und wie viel Risiko man tragen will.

Am besten setzt man sich bereits einige Jahre vor der Pensionierung mit der Frage des Pensionskassengeldes auseinander.
Am besten setzt man sich bereits einige Jahre vor der Pensionierung mit der Frage des Pensionskassengeldes auseinander.
Illustration: Christina Baeriswyl

Ich bin 61 und weiss, dass ich mich langsam mit der Pensionierung beschäftigen sollte. Unsicher bin ich bei der Frage, ob ich von der Pensionkasse die Rente beziehen soll oder doch das Kapital, da der Umwandlungssatz schon tief ist. Welches sind Ihrer Meinung nach die Vor- und Nachteile dieser Varianten? Leserfrage von D. Z.

Ein Rentenbezug gibt Ihnen Sicherheit: Sie erhalten jeden Monat eine fixe Rente, wie jetzt während dem Erwerbsleben den Lohn, und können Ihren Lebensunterhalt auf dieser Basis planen. Der grosse Pluspunkt der Rentenlösung ist die Tatsache, dass Sie die Rente in der festgelegten Höhe bis ans Lebensende bekommen. Im Todesfall kommt der Ehegatte in den Genuss einer Witwen- oder Witwerrente. Sie haben somit klare Verhältnisse und Planungssicherheit, zumal Sie zusätzlich die AHV-Rente bekommen, die ebenfalls bis ans Lebensende ausgerichtet wird.

Beim Kapitalbezug wird Ihnen mit der Pensionierung das angesparte Vorsorgegeld in einem Mal ausbezahlt. Sie bekommen mit dieser Lösung deutlich mehr finanziellen Handlungsspielraum, allerdings auch deutlich mehr Verantwortung. Denn dieses Geld muss bis zu Ihrem Lebensende reichen. Sie müssen es selbst einteilen und tragen das Langlebigkeitsrisiko. Sollten Sie sterben, geht das nicht aufgebrauchte Kapital an Ihre Erben.

Sinnvollerweise muss das aus dem Kapitalbezug ausbezahlte Geld investiert werden.

Sinnvollerweise muss das aus dem Kapitalbezug ausbezahlte Geld investiert werden. In diesem Fall tragen Sie auch das damit verbundene Anlagerisiko. Wenn Sie Verluste machen, haben Sie für Ihren Lebensunterhalt im Alter weniger Geld zur Verfügung. Falls Sie aber das Geld erfolgreich anlegen, haben Sie mehr Kapital für sich auf der hohen Kante.

Falls Sie nicht noch auf anderes Vermögen und weitere Einnahmequellen zurückgreifen können, müssen Sie mit dem Geld aus dem Kapitalbezug – zusammen mit der AHV-Rente – Ihren Lebensunterhalt bestreiten, indem Sie einen Vermögensverzehr vornehmen. Sie müssen somit selbst in der Lage sein, das Geld zu investieren oder aber die Vermögensverwaltung an Fachleute delegieren, was es allerdings nicht gratis gibt. Das Anlagerisiko tragen Sie trotzdem.

Ein Pluspunkt bei dieser Variante sind neben dem grösseren finanziellen Handlungsspielraum die Steuern. Den Kapitalbezug müssen Sie einmalig gleich bei der Pensionierung versteuern. So fliesst zunächst einmal ein beträchtlicher Betrag weg. Immerhin wird der Kapitalbezug separat vom übrigen Einkommen zu einem reduzierten Satz besteuert.

Nach dem Bezug zahlen Sie im Alter weniger Steuern.

Positiv ist aber, dass Sie danach den monatlichen Vermögensverzehr nicht mehr versteuern müssen, sondern nur noch das Kapital über die Vermögenssteuer, die aber weniger ausmacht als die Einkommenssteuer. Sie zahlen also im Alter weniger Steuern. Die Rente hingegen müssen Sie, so wie jetzt den Lohn, als Einkommen versteuern.

Sie müssen sich überlegen, was Ihnen im Alter besonders wichtig ist: Wünschen Sie möglichst viel Sicherheit und Planbarkeit oder mehr Freiheit und sind dafür bereit, mehr Risiken selbst zu tragen? Je nachdem, wie die Antwort auf diese Grundsatzfrage ausfällt, kommt für Sie eher die Rente oder der Kapitalbezug in Frage. Eine generelle Antwort, was besser oder schlechter ist, gibt es nicht, da bei der Entscheidungsfindung Ihre genauen finanziellen Verhältnisse und Lebensumstände im Detail miteinbezogen werden müssen.

Um alle Entscheidungsgrundlagen zu haben, lohnt sich meines Erachtens eine Pensionsanalyse und -planung, die Sie bei den meisten Banken und weiteren Finanzdienstleistern erstellen lassen können. Bei einer solchen Analyse kann sich allenfalls auch zeigen, dass für Sie eine Kombination von Renten und Kapital sinnvoll ist. Auch dies ist nämlich möglich: Dass Sie eine Teilrente beziehen und sich den Rest von der Pensionskasse als Kapital auszahlen lassen, womit Sie von den Pluspunkten beider Varianten profitieren.

15 Kommentare
    Emil Huber

    Wieder einmal mehr fehlen in dieser Antwort die Alleinstehenden ohne Erbberechtigte.

    Obwohl es immer mehr Singles und Kinderlose gibt geht der Beitrag immer noch vom traditionellen Familien Modell mit Kindern aus.

    Bei diesen ist es so, dass wenn sie früh versterben die PK das Geld einfach behält zu Gunsten der Langlebenden. Auch Personen mit geringem Einkommen welche nicht hunderttausende an PK - Kapital ansparen konnten fehlen hier.