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An der Ostschweizer Riviera

Vor dem Winter nochmals Wärme tanken? Dazu muss man nicht ans Mittelmeer fahren. Am Walensee, am Fuss der Churfisten, gedeihen Palmen, Feigen und Wein. Im malerischen Dörfchen Quinten kommt Ferienstimmung auf.

Auf dem schönsten und spektakulärsten Abschnitt kurz vor Quinten. Der Blick auf den Walensee ist ­bezaubernd, der Weg bestens gesichert.
Auf dem schönsten und spektakulärsten Abschnitt kurz vor Quinten. Der Blick auf den Walensee ist ­bezaubernd, der Weg bestens gesichert.
Daniel Fleuti
Von Quinten wieder heim gehts mit dem Schiff. Durch die felsige Wand ist man kurz zuvor gewandert.
Von Quinten wieder heim gehts mit dem Schiff. Durch die felsige Wand ist man kurz zuvor gewandert.
Daniel Fleuti
Auf dem Weg durch Betlis begegnen einem die typischen St. Galler Bauernhöfe. Im Hintergrund die Steilwand des Chapf.
Auf dem Weg durch Betlis begegnen einem die typischen St. Galler Bauernhöfe. Im Hintergrund die Steilwand des Chapf.
Daniel Fleuti
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Auto? Überflüssig. Fahrrad? Ebenso. Wer nach Quinten will, besteigt das Schiff oder schnürt die Wanderschuhe. Unter den autofreien Orten der Schweiz ist Quinten ein Exot. Das Dorf liegt nicht wie die anderen weit oben am Berg, sondern weit unten am See.

Gebirgig ist es zwar auch hier: Hinter den letzten Häusern von Quinten ragen die Felsenwände der Churfirsten fast senkrecht in die Höhe, auf der gegenüberliegenden Seite versperren die Glarner Alpen den Blick in die Ferne. Und zwischen den beiden Bergketten, da breitet sich der Walensee aus, die Lebensader der Quintener.

Er ist ihr Tor zur Aussenwelt. Wer zur Arbeit fährt, zur Schule, zum Einkauf oder zum Arzt, muss den See queren, ob es regnet, schneit oder ob die Sonne lacht. Fegt ein Sturm übers Wasser oder wabert der Nebel allzu dick, fällt das Kursschiff aus.

Fast wie am Meer

Warum die 35 Einwohner ihrem Dorf trotzdem treu bleiben? Wer einmal dort war, weiss es. Quinten ist nach Süden ausgerichtet und von der Sonne reich verwöhnt. Die steilen Churfirsten schirmen das Dorf am rechten Walenseeufer ab vor Wind und Wetter und spenden ihm ein mediterranes Mikroklima.

Die stattlichen Häuser, die Gärten, die Kapelle und die versteckten Weinkeller versprühen südländischen Charme.

In Quinten wachsen Feigen, Kiwis, Zitronen, Kastanien und Palmen, dazu wird Rebbau betrieben. Die Weine sollen zu den besten der Ostschweiz gehören. Gekauft und verköstigt werden sie von Ausflüglern, die an schönen Tagen das Dorf stürmen.

Entsprechend herausgeputzt hat man sich. Die stattlichen Häuser, die Gärten, die Kapelle und die versteckten Weinkeller versprühen südländischen Charme. Man wähnt sich an der Riviera – dabei liegt Quinten mitten im Kanton St. Gallen.

Im Spätherbst locken Quinten und das rechte Walenseeufer noch manch einen Wanderer. Die beiden Wege ins Dorf, je einer von Weesen und von Walenstadt, versprechen viel Sonne, einzigartige Blicke auf den See und die Churfirsten und eine spektakuläre Wegführung im Steilhang über dem Wasser.

Wir entscheiden und für die Seite Weesen, sie hält mit den Seerenbachfällen, der Rinquelle und der Fallenbachschlucht noch ein paar Überraschungen bereit. Los gehts in Amden. Zu sehen gibt es nicht viel im lang gezogenen Dorf; am schönsten ist es, im Abstieg zur Gere einen Blick zurückzuwerfen auf die Kirche, die verstreuten Holzhäuser und den Mattstock, der über allem wacht.

Nach der Gere ist Schluss mit Schlendern. Aus dem Strässchen wird ein stein- und wurzeldurchsetzter Pfad, der hineinführt in die Schlucht des Fallenbachs. Sie ist klein und imposant. An den dunklen Felswänden krallen sich Moose und Bäumchen, in der engen Klamm sucht das Wasser seinen Weg. Ein Wirrwarr aus Pflanzen, Steinen und Bach, in dem der Mensch verschwindet.

Am schönsten ist es, im Abstieg zur Gere einen Blick zurückzuwerfen auf die Kirche, die verstreuten Holzhäuser und den Mattstock, der über allem wacht.

Taucht er auf der anderen Seite der Schlucht trotzdem wieder auf, erwartet ihn erstmals der Blick auf den türkisblauen Walensee und die trutzige Glarner Bergwelt dahinter – ein Bild, das auf der weiteren Tour noch oft fasziniert. Genauso wie die Herbstwälder. Gelb, rot, orange und braun leuchtet das Blätterdach über unseren Köpfen.

Wasser, so viel Wasser

In Betlis ist der Sinkflug fürs Erste beendet. Der Weiler gibt einen Vorgeschmack auf Quinten, er klebt auf einer sonnenverwöhnten Terrasse zwischen Walensee und den steilen Felswänden des Chapf. Kneift man die Augen zusammen, kann man in der Ferne einen Wasserstrahl erkennen, der über die Felsen stürzt.

Eine halbe Wanderstunde später hat er sich zum veritablen Wasserfall gemausert, dessen Getöse wir von einer Aussichtsplattform aus bewundern. Die Seerenbachfälle gehören mit einer Höhe von 585 Metern zu den höchsten der Schweiz. Unterteilt sind sie in drei Kaskaden, wobei die mittlere mit 305 Metern Höhe die imposanteste ist.

Nicht minder spektakulär ist die Rinquelle, die wenige Meter neben dem Wasserfall aus dem Berg schiesst. Nach langen Regenperioden können es bis zu 30'000 Liter pro Sekunde sein. Das Wasser stammt aus den Karsthöhlen unter den Churfisten, einem der grössten unter­irdischen Flusssysteme Europas.

Brennholz für Zürich

Nach so vielen Superlativen steht uns der Sinn nach gemütlichem, bescheidenem Wandern. Unter den Buchen und Linden des Seerenwaldes ist dazu der richtige Ort. Noch vor hundert Jahren sah es hier anders aus. Der Seerenwald war kahl geschlagen, das Holz fütterte die Öfen bis nach Zürich. Erst als nach dem Zweiten Weltkrieg der Abbau nicht mehr rentierte, erholte sich die Baumgemeinschaft. Heute steht sie als Naturwaldreservat unter Schutz.

Nicht minder spektakulär ist die Rinquelle, die wenige Meter neben dem Wasserfall aus dem Berg schiesst.

Auf dem letzten Teilstück will sich auch der Wanderweg in die Superlative einreihen. Steil und mit einem Drahtseil gesichert hangelt er sich den Felsen entlang nach Quinten, die Bäume machen Platz für traumhafte Ausblicke auf den Walensee und die Glarner Alpen.

Wie die Rebberge die Bäume ablösen, gesellt sich auch das kleine Dorf ins Bild. Und mit ihm die vielen Tagesausflügler, die sich in den beiden Restaurants an Kaffee und Kuchen gütlich tun. Dazu sagen wir jetzt auch nicht Nein.

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