Eine Oase der Ruhe

Die gebürtige Bernerin Caroline Groszer kaufte in Apulien 2005 ein verlassenes Gutshaus. Mittlerweile hat sie es in ein gemütliches Landhaus mit zehn Studios und Suiten umgebaut. In Apulien, sagt Groszer, habe sie ihr Glück gefunden.

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Rahel Guggisberg

Eine Zypressenallee führt zu dem Landhaus Masseria Alchimia. Sie ist umgeben von einer grossen Gartenanlage mit knorrigen Olivenbäumen. Spaziert man durch das Anwesen vom Kinderspielplatz zur Konzertbühne, entdeckt man viel Hausrat von früher. Die Masseria liegt etwa zehn Minuten ausserhalb des Städtchens Fasano, das sich genau in der Mitte zwischen Bari und Brindisi befindet.

Alle zehn Zimmer haben eigene Kochnischen. Die Gegenstände, Spiegel und Bilder in den Studios verleihen den Räumen eine edle Note. Caroline Groszer hat sie selber ausgesucht. Sie stöbert gerne in Geschäften, trifft sich mit Künstlern. Auf den Namen Alchimia sei sie nach langem Herumstudieren gekommen: «Für mich bedeutet das die Verschmelzung von Nord und Süd, von alt und neu.»

Persönliche Beratung

Die gebürtige Bernerin ist die Tochter des ehemaligen Zürcher Opernhausdirektors Christoph Groszer. Einen Restaurationsbetrieb findet man bei ihr nicht. Aber gleich nebenan, bei Bauer Franco Ricupero, gibt es frisches Brot, Gemüse und Eingemachtes. «Wer will, kann in der Nähe etwas essen gehen. Ich berate die Gäste gerne bei der Wahl eines Restaurants», sagt Groszer. Die 52-jäh­rige, blonde Frau ist modisch gekleidet. Sie steht an der Récep­tion der Masseria.

Es ist ein heller, gemütlich eingerichteter Raum. Einem älteren Ehepaar aus Deutschland sagt sie: «Ich freue mich auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr.» Daneben wartet eine etwa 30-jährige Schweizerin. Sie möchte gerne Kleider einkaufen gehen. Groszer erkundigt sich zuerst nach deren Stil, dann schreibt sie Adressen verschiedener Geschäfte auf einen Zettel und übergibt diesen der Modeinteressierten.

Sie coachte die Bauarbeiter

Ein Hotel in Süditalien zu führen, davon träumte Caroline Groszer schon lange. Als sie 2005 eine alte Masseria in der Nähe von Fasano entdeckte, entschied sie sich dazu, den Bauernhof in ein Appar­tementhaus umzugestalten. Mit Eigenmitteln und EU-Fördergeldern renovierte sie in zwei Jahren die schlichte Masseria. «Täglich war ich mehrmals auf der Baustelle und coachte die Bauarbeiter. Die Süditaliener sind es sich sonst nicht gewohnt, von Frauen dirigiert zu werden», sagt sie schmunzelnd. Wenn sie aber etwas wolle, sei sie sehr überzeugend. «Die Masseria war zu Baubeginn eine richtige Ruine. Unvorstellbar», betont sie. In diesem Gebäude lebten im 18. Jahrhundert Nonnen. Sie zeigten jungen Frauen, wie sie gute Ehe- und Hausfrauen werden.

Apulien, der Stiefelabsatz Italiens, ist ideal für Indivi­dualreisende, die  das Meer lieben, aber nicht den ganzen Tag am Strand ­liegen wollen.

Noch vor wenigen Jahren fristeten in der Gegend die meisten der ehemals stolzen Höfe ein tristes Dasein. In der Zwischenzeit sind viele dieser Masserien umgebaut worden. In Hotels umgewandelte Höfe und Wehrdörfer sind in Apulien zum Rückgrat des Tourismus geworden. Man findet sie heute in allen Preislagen: vom einfachen Bed & Breakfast bis zur Nobelherberge. Die Masseria Alchimia deckt die Mittelklasse ab.

Apulien, der Stiefelabsatz Italiens, ist ideal für Individualreisende. Für solche, die das Meer lieben, aber nicht den ganzen Tag am Strand liegen wollen. Es gibt viele Orte, die man von hier aus erkunden kann (siehe Kasten).

Zwischentitel

«In jungen Jahren habe ich mich nicht bewusst für das Auswandern entschieden. Als eine Stelle in Mailand frei wurde, packte ich aber die Chance, weil ich neu­gierig war», sagt die Ökonomin Caroline Groszer. Sie arbeitete damals nach ihrem Studium an der HSG St. Gallen in einem Marktforschungsinstitut in Luzern. Sie lernte Italienisch. Habe sie Heimweh nach der Schweiz, fahre sie für ein paar Tage in ihr Chalet in Andermatt. Dort tanke sie die heimatliche Atmosphäre auf.

«In Apulien ist der Strassenverkehr gewöhnungsbedürftig. Ebenso das Zuspätkommen der Leute», sagt sie lachend und schildert ein Beispiel: Lade sie Italiener um 19 Uhr ein, dann kämen sie frühestens um 21.30 Uhr. Doch mittlerweile habe sie sich an diese Lebensart gewöhnt. «Die Italiener essen später zu Abend und sind selten pünktlich. Aber sie sind in der Regel viel modischer gekleidet als Schweizer», sagt sie. Als mühsam empfindet sie die aus ihrer Sicht viel zu langen Schulsommerferien. Sie dauern fast dreieinhalb Monate. Danach gibt es keine Ferien mehr. «Im Sommer arbeite ich. Darum kann ich nicht mit meinem Sohn reisen.» Aber sie sei glücklich, in Italien zu leben. «Ich fühle mich fast als Italienerin», sagt sie.

Berner Zeitung

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