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Auslandferien nach GrenzöffnungSommerferien abgesagt – wer muss was bezahlen?

Im Lockdown war der Fall klar. Doch welche Kosten übernehmen die Reiseanbieter bei einer Stornierung, obwohl die Grenzen geöffnet sind? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Mit zwei Meter Abstand und Masken: Manche verzichten so lieber auf die Strandferien.
Mit zwei Meter Abstand und Masken: Manche verzichten so lieber auf die Strandferien.
KEYSTONE

Die Corona-Pandemie verdirbt manchen die Lust auf Sommerferien im Ausland. So gibt es ältere Menschen, die Angst haben, sich im Car, im Zug oder an einem anderen Ort anzustecken, wenn sie während der Reise fremden Menschen nahe kommen. Andere können sich nicht vorstellen, unter strengen Hygienevorschriften einen unbeschwerten und erholsamen Urlaub zu verbringen. Die Selbstbedienung am reichhaltigen Buffet dürfte beispielsweise wegfallen. Ebenso die Disco und manche Abendveranstaltungen. Für gewisse Wellnessangebote wird es schwierig. Auch bei Angeboten für Kinder ist mit Einschränkungen zu rechnen. Abstandskontrollen am Badestrand sind denkbar. Mancherorts kursiert die Idee, dass der Strandplatz per App reserviert oder zugewiesen wird. Und schliesslich wird es im Hotel häufiger nach Desinfektionsmitteln riechen.

Annulliert ein Anbieter zum Beispiel aufgrund geschlossener Grenzen eine Reise, hat der Kunde in der Regel Anspruch auf eine volle Rückerstattung der Reisekosten. Nun planen mehrere Länder, ihre Grenzen für Touristen wieder zu öffnen. Damit ändern sich sich die Bedingungen für eine Stornierung. Storniert ein Kunde eine Reise, die durchführbar wäre, kann der Veranstalter Kosten abwälzen. Reiseombudsmann Franco Muff erhält momentan viele Anfragen von verunsicherten Leuten. Nachfolgend beantwortet er eine Auswahl.

Wir haben im November eine Safari in Namibia gebucht. Wir möchten nicht mehr gehen, weil wir verunsichert sind. Gemäss Reisebüros müssten wir bei einer Stornierung jetzt schon eine Gebühr von 30 Prozent der gesamten Reisekosten entrichten. Kann das sein?

Bei Safaris gibt es oft vergleichsweise harte Vertragsbedingungen. Die Gebühr für eine Annullierung kann rasch einmal 20 bis 30 Prozent betragen. Das Gesamtpaket beinhaltet öfters Flugtickets, die zu günstigsten Tarifen gekauft worden sind. Solche Tickets werden meist sofort ausgestellt und können in der Regel weder umgebucht noch annulliert werden. Mit anderen Worten: Der Kunde muss bei einer Stornierung die vollen Ticketkosten übernehmen. Einzig gewisse Flugtaxen können unter Umständen zurückerstattet werden.

Ich habe Flugscheine über einen Internetanbieter gekauft. Der Flug wurde storniert. Wie komme ich zu meinem Geld?

Der Kunde muss beim Internetanbieter einen Antrag auf Rückerstattung einreichen. Danach ist die Airline verpflichtet, das Geld dem Internetanbieter gutzuschreiben, und dieser überweist den vollen Betrag an den Kunden.

Wir haben auf eigene Faust für Juli ein Hotel in Süditalien gebucht. Wir möchten nicht gehen. Der Hotelier will uns aber nur 70 Prozent des bereits bezahlten Betrags zurückerstatten. Müssen wir das akzeptieren?

Das hängt von den Allgemeinen Vertrags- und Reisebestimmungen des Hotels ab. Es ist empfehlenswert, diese schon vor der Buchung zu prüfen. Kontrollieren Sie die Bestimmungen. Wenn der Hotelier die Bedingungen nicht einhält, müssen Sie reklamieren, damit Sie zu Ihrem Recht kommen. Hält er sich an den Vertrag, müssen Sie auf 30 Prozent verzichten.

Wir haben beim Reisebüro Flüge nach Wien annulliert. Zwei Tage später hat die Airline diese Flüge abgesagt. Können wir nun das Geld zurückverlangen?

Wer einen Flug zwei Tage vor dessen Stornierung annulliert, kann nachträglich weder mit einer Rückerstattung noch mit einer Umbuchung rechnen. Das Reisebüro kann in dieser Situation nichts ändern. Wer hingegen mit dem Entscheid bis zu einer allfälligen Stornierung durch das Reisebüro wartet, hat Anrecht auf eine Rückerstattung. Airlines bieten derzeit aber auch Umbuchungen oder Gutscheine an.

«Wer Lust auf Auslandferien im Herbst verspürt, sollte bei bereits gebuchten Reisen vorläufig nichts unternehmen.»

Franco Muff, Reiseombudsmann

Im Oktober haben wir zwei Wochen Ferien auf Kreta gebucht. Sollen wir annullieren oder abwarten?

Wer Lust auf Auslandferien im Herbst verspürt, sollte bei bereits gebuchten Reisen vorläufig nichts unternehmen. Es ist sinnvoller, die weiteren Entwicklungen der Corona-Krise abzuwarten und die Vertragsbedingungen im Auge zu behalten.

Wir sind gesundheitlich angeschlagen und zählen mit 70 und 82 Jahren zur Risikogruppe. Können wir deshalb die gebuchte Flussfahrt auf der Donau ohne Spesen annullieren?

Wenn die Flussfahrt annulliert wird, obwohl der Veranstalter diese noch anbietet, sind Spesen gemäss den Allgemeinen Vertrags- und Reisebedingungen zu bezahlen. Alter und Gesundheitszustand sind kein Grund für eine andere Behandlung. Wichtig ist auch, die Vertragsbestimmungen zu prüfen: Oft steigt der prozentuale Kostenanteil für Kunden, je länger sie warten.

Mein Mann ist an Covid-19 erkrankt und noch nicht vollständig erholt. Wir können die Reise nach Frankreich nicht antreten. Erhalten wir eine Kostengutsprache?

Wenn Sie eine Reiseversicherung abgeschlossen haben, können Sie wie bei jeder Krankheit mit einem Arztzeugnis eine Rückerstattung von Reisekosten beantragen. Versicherungen übernehmen aber keine Kosten, wenn jemand – zum Beispiel aus Angst vor einer Ansteckung – vorsorglich eine Reise absagt.

Wir haben in einem Hotel in Neapel für Juli einen Aufenthalt gebucht. Wir wollten nun stornieren, der Hotelier gibt uns nichts zurück, da wir einen fixen Tarif ohne Möglichkeit der Änderung oder Stornierung gewählt hatten. Müssen wir das akzeptieren?

Es gibt zwei Betrachtungsweisen. Im Prinzip müsste der Hotelier verstehen, dass Sie unter Umständen nicht anreisen können. Dann könnte er beispielsweise eine Verschiebung anbieten. Er kann aber auch hart bleiben und sich auf den Standpunkt stellen, Sie hätten einen nicht stornierbaren Tarif gewählt, was also den Verlust Ihrer Zahlung bedeutet. Im Zusammenhang mit der Corona-Krise gibt es einige Fällen, in denen Hoteliers bei Direktbuchungen Rückzahlungen verweigern.

Muss ich eine Umbuchung oder einen Reisegutschein akzeptieren, wenn ein Anbieter eine Pauschalreise annulliert?

Das Pauschalreisegesetz verlangt primär die Rückerstattung der Kosten für die Reise. Zwar ist es möglich, einen Gutschein oder eine Umbuchung anzubieten, Reisende können dies aber ablehnen und auf einer Barauszahlung beharren. Auf der Rechnung separat ausgewiesene Bearbeitungsgebühren können aber trotzdem belastet werden, da Reiseveranstalter und Reisebüros Mehrarbeit haben und nicht gratis arbeiten können. Die Gebühren sollten sich aber im Rahmen halten und nachvollziehbar sein.