Zum Hauptinhalt springen

Zwischen Piste und Operationssaal

Ski-WMNominell tritt die Schweiz im heutigen Riesenslalom mit einer äusserst hochkarätigen Equipe an. Titelverteidiger Carlo Janka und Routinier Didier Cuche stehen in Garmisch-Partenkirchen jedoch handicapiert am Start.

Dionys Glenz ist bestrebt, sich klarer, einfacher Worte zu bedienen. Carlo Janka habe sich zu Hause ausgezeichnet erholt; er könne den WM-Riesenslalom vom Freitag trotz leichter Herzrhythmusstörungen gefahrenfrei und in guter Verfassung bestreiten, sagt der Teamarzt von Swiss-Ski. Auf die mittelfristige Behandlung des Weltcupsiegers angesprochen, erwidert der Mediziner, auf Geheiss der Kardiologen würden nach dem Weltcupfinal weitere elektrophysiologische Abklärungen vorgenommen. Der virale Infekt habe zu einer Vernarbung im Herzreizleitungssystem geführt, vermutlich werde es im Frühling zu einem kleinen operativen Eingriff kommen. Janka wählt stets einfache Worte, lässt sich aber auch so nicht in die Karten blicken. Er habe in den letzten Tagen alles auf diesen Riesenslalom ausgerichtet, lässt der 24-Jährige verlauten. Das Ziel sei nach wie vor ein Medaillengewinn, «deshalb bin ich nach Garmisch gekommen». Der Versuch, in seine Gefühlswelt einzudringen, führt zur Aussage, es gebe noch nicht auf alle Fragen eine Antwort, «aber gute Ansätze». Der Tonfall ist der gleiche wie vor Jahresfrist in Whistler. Damals sprach er jedoch über seine Emotionen nach dem Triumph im Riesenslalom. Cuche: Glück im Unglück Am vergangenen Donnerstag reiste der Bündner völlig entkräftet aus Garmisch-Partenkirchen ab, lediglich eine Woche später möchte er nach den Sternen greifen. Fragezeichen sind reichlich vorhanden, was seine Genesung betrifft; es ist jedoch davon auszugehen, dass die Problematik sein Leistungsvermögen in mentaler Hinsicht nicht tangieren wird. Es entspricht nicht seinem Naturell, sich Gedanken über Dinge zu machen, die er nicht beeinflussen kann. Was die potenziellen Auswirkungen der körperlichen Verfassung anbelangt, präsentieren sich die Perspektiven weniger rosig (vergleiche unten stehendes Interview). Didier Cuche wird sich bereits morgen um 15 Uhr in Zürich auf dem Operationstisch wiederfinden. «Sollte ich im Riesenslalom eine Medaille gewinnen, wird der Arzt keine Narkose brauchen», sagt der Neuenburger schmunzelnd. Die Aussage spiegelt seine Aussichten, sich neuerlich auf dem Podest einzufinden – «die sowieso schon kleine Chance ist noch kleiner geworden». Am Mittwoch zog er sich bei einem Trainingssturz einen Daumenbruch zu, das heutige Rennen wird er mit einer Schiene bestreiten. Er sei mit der Hand an einer Torstange hängen geblieben und unsanft auf dem Rücken gelandet, resümiert der 36-Jährige. «Wenn ich sehe, was dem Benni im Teamwettkampf passiert ist, bin ich glimpflich davongekommen. Das Ganze hätte auch bei mir viel schlimmere Folgen haben können.» Raich: Comeback angekündet Raich erlitt bei einem auf den ersten Blick harmlos erscheinenden Zwischenfall einen Kreuzbandriss. Der 32-jährige Tiroler liess nach der Operation verlauten, er werde nach seiner Genesung auf die Pisten zurückkehren. Cuche versuchte sich zu Testzwecken bereits gestern wieder zwischen den Toren. Der Silbermedaillengewinner in der Abfahrt weiss daher genau, was ihn im Riesenslalom erwartet: «Ich werde auf die Zähne beissen müssen.» In den letzten Weltcuprennen offenbarte sich der Riesenslalom als Disziplin mit der höchsten Leistungsdichte. In Adelboden hatte Janka auf die zeitgleichen Gewinner Cyprien Richard und Aksel Lund Svindal 58 Hundertstel verloren, damit aber lediglich Rang 13 belegt. In Hinterstoder resultierte für Giovanni Borsotti mit exakt einer Sekunde Differenz zu Sieger Philipp Schörghofer bloss Platz 15. Janka, Marc Berthod und Cuche beendeten die Hauptprobe auf den Rängen 3, 5 und 6. Der in einfachen Worten formulierten Prognose Carlo Jankas, für das Schweizer Team sei vieles möglich, ist nichts beizufügen.Micha JeggeGarmisch-Partenkirchen >

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch