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Zutaten der Wut

«Explodierende Innereien» untersucht die unterschiedlichen Facetten der Wut. Eine Theaterrecherche von Profis und Amateuren.

Der Kopf läuft rot an, der Blutdruck steigt. Eine schwarze Kugel, mit roter Lava gefüllt, explodiert. Man ist aggressiv, man rennt schneller, als man kann, man ist stärker als sonst. Oder man frisst den Kummer in sich hinein und wimmert in eine Ecke gekauert vor sich hin. Die Wut kennt viele Facetten. Wut ist das Thema der diesjährigen Biennale Bern. Im Rahmen dieses multidisziplinären Festivals zeigt eine Gruppe Berner, die aus jugendlichen Amateuren und älteren Profischauspielenden besteht, das Ergebnis einer Wutrecherche. Indem sie ihre Aufführung auf Interviews rund um das Wütend-Sein und auf Texten der Spoken-Word-Künstlerin Sandra Künzi aufbauten, näherten sich die Beteiligten in zwei Gruppen dem Thema an. Szenencollage über Wut In einem Workshop mit der Regisseurin Kathrin Yvonne Bigler versuchten die Jugendlichen das Thema körperlich darzustellen. Eine zweite Gruppe, bestehend aus Profis und Amateuren, improvisierte Szenen mit der Berner Theaterpädagogin und Regisseurin Katharina Vischer. Am Schluss wurden die Ergebnisse der beiden Gruppen zusammengeführt und zu einem Theaterabend verwoben. Resultat ist «Explodierende Innereien», eine Szenencollage aus energischen Gruppenchoreografien, beklemmenden Dialogen, witzigen Interviews aus dem Off und vereinzelten persönlichen Bekenntnissen. Auf der leeren Bühne des Schlachthaus-Theaters erzählt ein Fussballfan von der Ohnmacht, wenn sein Team verliert. Eine Gruppe Jugendlicher wirft sich Zähne fletschend auf den Boden und wird zum Rudel kläffender Hunde. Paare streiten, Wütende schmeissen Bomben, harmloses Geschubse wird zur Schlägerei. Kratzen an der Oberfläche Da ist einiges an theatralen Ausdrucksformen zusammengekommen. Leider kratzen die Szenen oft nur an der Oberfläche. Neben dramaturgisch originellen Szenenverwebungen mündet der Einsatz der Jugendlichen oft in allzu simple Kontaktimprovisationen. Berührend wird das Stück, wenn das zwölfköpfige Ensemble versucht, tiefer in die menschliche Psyche vorzudringen. Unbehaglichkeit entsteht, wenn Schauspieler Armin Kopp im Affekt der Schauspielerin Michaela Wendt schreiend an den Kopf wirft: «Kein Wunder, dass du seit 15 Jahren Single bist!» Wütend sein bedeutet eben auch, den anderen persönlich zu verletzen. Magdalena NadolskaVorstellungen: 13. und 15.September, 20.30 Uhr, www.schlachthaus.ch. >

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