Zum Hauptinhalt springen

Wurst in der Hand – Hundschopf im Blick

Der Girmschbiel unterhalb der Wengernalp, sozusagen der Gegenhang zum Hundschopf, wird einmal im Jahr zur Naturtribüne für Tausende von Skifans. Am Tag der Lauberhorn-Abfahrt. Die Sonne lässt sich Zeit, die Hänge herunterzukriechen. Die Leute stehen im Schatten und drängen um die Verpflegungsstände. Dann warten sie, die Wurst in der Hand und den Hundschopf, den bekanntesten Schopf im Berner Oberland (Schopf = Fels), im Blick, der Dinge, die da kommen sollen. Der Spektakel beginnt in der Luft. Die Patrouille Suisse führt ihre Kunststücke vor. Mit 800 Stundenkilometern sind die Flieger unterwegs. Die Skicracks bringen es an der Hanegg auf etwas über 140 km/h. Aber sie sind – im Gegensatz zu den Piloten – weder mit Fünfpunktgurten gesichert, noch haben sie einen Schleudersitz. Kaum sind die Tiger auf dem Rückflug nach Emmen, lärmt die Guggemusig Knokker aus dem luzernischen Pfaffnau. Wer kalte Füsse hat, hüpft dazu. Und dann ist auch die Sonne da. Sonnenbrillen werden montiert, die VIPs in den Liegestühlen salben das Haupt. Und die WAB-Züge tun unermüdlich noch immer das, was sie schon seit dem frühen Morgen tun: Sie fahren Wagenladung um Wagenladung Zuschauerinnen und Zuschauer in die Höhe. Es geht los! Auf der Lauberhornschulter schiesst der 25-jährige Schweizer Patrick Küng aus dem Starthaus. Die 80.Lauberhorn-Abfahrt ist lanciert. Die letzten Bissen Wurst werden geschluckt. Die Hände werden jetzt zum Fahnenschwingen gebraucht. So richtig Leben in die Bude, das heisst Stimmung an den Hang, kommt, als Marco Büchel, den sie «Büxi» nennen, über den Hundschopf fliegt, und auf der Grossleinwand verfolgt werden kann, wie er Bestzeit fährt. Dann kommt der «Bouwdie» Miller. Er fährt eine beste Zwischenbestzeit nach der andern. Die Fans jubeln und der US-Boy geht im Ziel-S zu Boden. «Schyssdräck!» schreit ein Miller-Fan, rollt das Sternenbanner ein und hisst ein Schweizer Fähnchen. Altmeister Karl Schranz hat es schon am Freitagabend gewusst: «Der Bode Miller gewinnt die Abfahrt nicht, der hat zu wenig Kondition.» Dann der Carlo Janka. Das Volk am Hoger gerät fast aus dem Häuschen, als der junge, coole Bündner Bestzeit fährt. Der Jubel erschüttert die Felswände. Die Steinböcke am Schwarzmönch schütteln ungläubig die Grinde. Vorjahressieger Didier Défago startet. Aber der Walliser liegt schon nach 40 Fahrsekunden vor dem Hundschopf deutlich zurück. Der Jubel flaut ab. Steigt aber sofort wieder auf Rekordhöhe, als sich Didier Cuche zu Tal stürzt. In Innerwengen unten fehlen ihm 4 Hundertstelsekunden zum Podest. Rang 5. Défago ist Siebter. Der Carlo Janka aber, der Teufelskerl, steht zuoberst auf dem Podest, hat in seiner erst 14.Weltcup-Abfahrt den Klassiker am Lauberhorn gewonnen! Wir haben der Skiwelt gezeigt, dass wir die Besten sind. Das Skivolk zieht vom Girmschbiel ab. In ein paar Tagen wird hier aufgeräumt sein und Neuschnee alle Spuren verwischen. Das Skivolk lässt dann den Hang wieder links liegen. Bis er in einem Jahr wieder zur Tribüne wird. Ueli Flück Mehr zum Weltcup auf Seite 11, 12, 14+21 >

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch