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Wolter sammelt alles über Kleist

schlossmuseum ThunDer Deutsche Burkhard Wolter ist ein leidenschaftlicher Kleist-Sammler. Etliche Stücke aus seiner Sammlung sind momentan in einer Sonderausstellung unter dem Titel «Ich will ein Bauer werden – Heinrich von Kleist und die Schweiz» im Schloss zu sehen.

Warum wurden Sie ausgerechnet Kleist-Sammler? Burkhard Wolter: Kleist schrieb einmal, es sei seine angeborene Unart, nie den Augenblick ergreifen zu können und immer an einem Orte zu leben, an welchem er nicht ist, in einer Zeit, die vorbei oder noch nicht da ist. Das kam mir bekannt vor. Kleist fasziniert mich einfach. Weil ich viele Fragen zu ihm hatte, als ich noch ganz jung war, und mir niemand dazu Antworten geben konnte, habe ich mich selber auf die Suche danach gemacht. Sind Sie Kleist-Sammler geworden, weil Sie sich mit ihm identifizieren können? Natürlich identifiziere ich mich mit Kleist. Ich war genau wie Kleist in der Armee und habe einen zweiten Bildungsweg absolviert. Vieles von dem, was Kleist erlebt hatte, konnte ich im Nachhinein nachvollziehen. Schüler, die mit Kleist zu tun haben, sind von ihm oftmals eher abgeschreckt. Ich hatte Glück, in der Schule ist der Kleist an mir vorbei gerauscht. Er ist nicht zerredet worden. Was sammeln Sie denn? Alles, was mit Kleist zu tun hat. Quartettkarten von Kleist, Champagnerflaschen mit einer Etikette mit dem Käthchen von Heilbronn, Buchstützen von Kleist, Schriftstücke, Medaillen, Münzen und Marken. Eben einfach alles. Gibt es überhaupt so viele Gegenstände, die man sammeln kann? Ja, die gibt es erstaunlicherweise. Das ist ja auch das Problem. Kleist wurde immer nur als Autor erforscht. Seine Wirkungsgeschichte im 19.Jahrhundert wurde aussen vor gelassen. Und genau das interessiert mich. Beispielsweise haben viele Firmen mit dem Käthchen von Heilbronn – zum Beispiel auf Lebensmittelverpackungen – geworben. Das heisst, dass die Leute das Käthchen kannten und es als Werbemodell funktionierte. Welche Hindernisse muss ein Kleist-Sammler überwinden? Da gibt es mehrere. Einerseits ist da das Problem, dass es nirgends Verzeichnisse gibt. Weder über die verschiedenen Dinge, die über Kleist geschrieben wurden, noch über die Art, wie er sonst rezipiert wurde. Zweitens stellt sich auch immer wieder das Problem der Konservation der Objekte. Wie sammelt man eine Kleist-Schnitte oder die Kleist-Schokolade der Thuner Bäckerei Steinmann? In solchen Fällen arbeite ich jeweils mit einer Künstlerin zusammen, die mir Kopien aus Gips von den Süssigkeiten herstellt. Wie war aus Ihrer Sicht der Bezug des Dichters zur Stadt Thun? Das Problem ist, dass Kleists Geschichte immer vom Schluss und von seinem tragischen Tod her betrachtet wird. Er wird als armer, kaputter Typ angesehen. Dabei hatte Kleist auch eine sehr humorvolle, lebenslustige Seite, und das nicht nur in seinen Büchern. Er verlebte in Thun eine sehr glückliche und vor allem literarisch fruchtbare Zeit. Für Ihre Sammelleidenschaft nehmen Sie einiges auf sich. Warum das? Vielleicht, weil unsere Kenntnisse zum Leben und Wirken von Kleist bescheiden sind. Ich bin aber auch nicht bereit, die negative und einseitige Sicht vieler Menschen auf Kleist hinzunehmen. Viele sehen in ihm nur den kranken, adeligen Dichter, der sich das Leben genommen hat. Dem möchte ich mit neuen Erkenntnissen entgegentreten. Kleist hat sehr edel gehandelt. Er hat einer todkranken Frau das Leiden erspart. Für ihn selber gab es dann in dieser Zeit nur den Ausweg, ihr in den Tod zu folgen. Dann leisten Sie damit auch einen Forschungsbeitrag? Es ist einfach so, dass es andere Zugänge gibt, die in der Forschung bis jetzt nicht so beachtet wurden. Über das Sammeln bekommt man eine andere Sichtweise. Und man findet Dinge heraus, die man vorher noch nicht wusste.Therese Krähenbühl«Ich will ein Bauer werden»: Die Sonderausstellung im Schlossmuseum dauert noch bis 4.September. Danach wird die Ausstellung in Zürich und in Kleists Geburtsstadt Frankfurt an der Oder gezeigt. www.schlossthun.ch >

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