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«Wir müssen jetzt vorwärts schauen»

HaslibergDie finanzielle Notlage der Bergbahnen prägte die Gemeindeversammlung von Hasliberg. Denise Kreutz von der Sachwalterin Transliq AG stand zum Nachlassverfahren der Bahnen Red und Antwort. Gemeindepräsidentin Katrin Nägeli-Lüthi kündigte ihren Rücktritt als Verwaltungsrätin der Bergbahnen an.

Das Wetter auf dem Hasliberg widerspiegelte am Donnerstagabend die Stimmung der Gemeindeversammlung im Kongresssaal: Düster Wolken hüllten die Bergwelt ein, Blitz und Donner gingen nieder, ein kühler Wind blies und es regnete Bindfäden. Doch immer wieder drang die Sonne durch. Schwarz malte Gemeindepräsidentin Katrin Nägeli-Lüthi, was Hasliberg drohe, wenn die Bergbahnen Meiringen-Hasliberg AG (BMH) nicht gerettet werde. Der Tourismus sei ein wichtiges Standbein von Hasliberg und wenn die BMH nicht gerettet werden könne, drohe der Verlust von Arbeitsplätzen und die Abwanderung. «Wir müssen jetzt vorwärts schauen und das Problem gemeinsam lösen», ermunterte die parteilose Gemeindepräsidentin. «Diskussionen darüber, was man früher hätte unternehmen sollen, nützen nichts.» Die Einwohnergemeinde müsse aber davon ausgehen, dass der Rest des Darlehens der BMH (580 000 Franken) fast vollständig verloren gehe. Weitere Einbussen erleidet die Gemeinde, wenn sie den Buchwert ihrer Aktien (215 531 Franken) abschreiben muss. Zudem übernimmt Hasliberg jeweils 35 Prozent des jährlichen Defizits des Parkhauses, das in Hasliberg bei der Talstation der Gondelbahn Wasserwendi-Käserstatt liegt. Im vergangenen Jahr waren es 42 000 Franken. Die Gemeindepräsidentin erklärte, dass das Parkhaus jedoch nicht in die Nachlassverhandlungen einbezogen ist. Finanzplan angepasst Das Eigenkapital von Hasliberg betrug Ende vergangenen Jahres 970 000 Franken (siehe Kasten). «Zum Glück haben wir dieses Polster», sagte Nägeli-Lüthi. Sie betonte, der Rat habe zwei Prioritäten gesetzt: Die Bergbahnen sanieren und das Schulhausprojekt (4 Millionen Franken) planmässig realisieren. Weitere Begehrlichkeiten müssten aber zurückgestellt und der Sparhebel angesetzt werden. Der Gemeinderat hat den Finanzplan 2011 bis 2016 angepasst. Der sieht nun vor, dass das Eigenkapital Ende 2013 voraussichtlich nur noch 76 000 Franken beträgt anstatt wie ursprünglich geplant 1,26 Millionen Franken. Ab 2014 soll es wieder ansteigen. Rücktritt angekündigt Katrin Nägeli-Lüthi nahm Stellung zu ihrer Doppelfunktion als Verwaltungsrätin der BMH und Gemeindepräsidentin: «Das kann zu Misstrauen führen.» Sie sei dafür mehrmals kritisiert worden. Die Präsidentin wies darauf hin, dass Hasliberg bisher einen Anspruch auf eine Vertretung im Verwaltungsrat hatte. Nun habe der Gemeinderat beschlossen, künftig auf dieses Recht zu verzichten. «Ich werde in Absprache mit dem Gemeinderat so lange Verwaltungsrätin sein, bis die Situation geklärt ist und dann austreten», stellte die Haslibergerin klar. Wie lange es dauert, bis die Situation geklärt ist, konnte Denise Kreutz von der Transliq AG nicht sagen. Diese Firma wurde gerichtlich als Sachwalterin für die Nachlassstundung der BMH eingesetzt (wir haben berichtet). «Die Situation ist dann geklärt, wenn der Richter den Nachlassvertrag genehmigt wurde», sagte Denise Kreutz. Komme diese Vereinbarung nicht zu Stande, drohe der Konkurs. Grundsätzlich sei es an der BMH, mit ihren Gläubigern, die ein sogenanntes Quorum bilden, einig zu werden. Das heisst, die Bahn muss klären, unter welchen Umständen eine Mehrheit der Gläubiger bereit ist, in den Nachlassvertrag einzuwilligen. Wie Kreutz gegenüber dieser Zeitung erläuterte, gibt es zwei Möglichkeiten, eine Mehrheit des Quorums zu erreichen: Entweder die Hälfte der Anzahl der Gläubiger plus einer, welche zwei Drittel der geforderten Gesamtsumme vertreten oder ein Viertel der Schuldner, welche drei Viertel der geforderten Summe besitzen. Schuldenruf abwarten Wie hoch die Summe der offenen Rechnungen ist, steht laut Denise Kreutz noch nicht fest. Sobald die Nachlassstundung vom Richter bewilligt wurde (die Verhandlung ist am 16. Juni), erfolge ein Schuldenruf. Erst nach Ablauf der Frist diese Aufrufes sei klar, wer welche Forderung stelle. Die Vertreterin der Sachwalterin erklärte der Versammlung, dass die Forderungen in verschiedene Klassen eingeteilt werden. Zu der ersten gehören Forderungen, die pfandgesichert sind, etwa durch Liegenschaften oder Anlagen. Auch die Forderungen der Arbeitnehmer sind in dieser Klasse. In der zweiten Klasse sind die Sozialversicherungen, alle übrigen sind in der dritten Klasse. Also auch Darlehen der Gemeinden. Die Forderungen der ersten und zweiten Klasse müssen bei einem Nachlassvertrag zu 100 Prozent gedeckt sein. Dank der provisorischen Genehmigung könne die Bahn am 11. Juni in die Sommersaison starten. Auf die Frage einer Bürgerin, ob der Betrieb auch dann gewährleistet sei, wenn er nicht Gewinn bringe, antwortete die Fachfrau: «Eigentlich muss während der Stundung mindestens eine schwarze Null aufgewiesen werden. Die Banken wissen aber, dass der Sommer einer Bergbahn nicht so stark ist wie der Winter. Sie haben signalisiert, dass sie da einlenken würden.» Eine Möglichkeit wäre, die Nachlassstundung, die für 6 Monate bewilligt wird, zu verlängern. Sie kann bis zu zwei Jahre dauern. Die Frage, welchen Einfluss die Sachwalterin auf den Betrieb nehmen könne, wurde mehrmals gestellt. «Die Transliq ist die Aufsicht der Geschäftsführung und schützt die Rechte der Gläubiger. Die Probleme auf der betrieblichen und der finanziellen Ebene muss aber die Geschäftsführung lösen», sagte Kreutz. Personalentscheide würden weiterhin von denselben Organen getroffen wie bisher. Es ist nicht die Aufgabe der Sachwalterin ein Konzept zu erstellen, wie das Bergbahnunternehmen in Zukunft besser fährt. Denise Kreuz wurde wiederholt aufgefordert, «dem Verwaltungsrat sehr gut auf die Finger zu schauen». Ein Bürger wollte wissen, warum im vergangenen Oktober noch über die Beschaffung einer Beschneiungsanlage diskutiert wurde und die Bahn ein halbes Jahr später quasi am Ende sei. «Haben die nicht schon damals gesehen, wie schlimm die Situation ist?» Auf die Antwort von Denise Kreutz «wohl kaum, sonst hätten sie gehandelt», rutschte dem Hasliberger die Frage raus, die wohl sehr vielen auf der Zunge lag: «Waren die denn blind?» Kreutz räumte ein. «Das ist eine berechtigte Frage, aber wir machen keine Vergangenheitsbewältigung.» Katrin Nägeli-Lüthi sagte: «Es wurde viel zu positiv kommuniziert. Die finanzielle Sanierung hätte 2007 im Rahmen der Fusion stattfinden sollen. Aber man war überzeugt, die Engpässe überbrücken zu können.» Eine Teilnehmerin wollte wissen, wie schnell sich allenfalls ein Konkursverfahren durchführen liesse. Die Sachwalterin erklärte, das könne je nach Konkursamt «sehr schnell» innerhalb von zwei bis fünf Monaten gehen. GV erneut verschoben Der Gemeinderat Beat Kehrli erkundigte sich, wer denn nun besorgte Gläubiger und Aktionäre über die aktuelle Lage der Bahn informiere. Er erhielt zur Antwort, diese Personen könnten sich an die Geschäftsleitung, den Verwaltungsrat oder auch an die Sachwalterin wenden. Der nächste Termin für die Gläubiger um direkt Informationen über den Stand der Dinge zu erhalten, wäre die Generalversammlung am 25. Juni gewesen. Sie wurde bereits einmal verschoben. Nun informierte Denise Kreutz, dass die Generalversammlung der BMH voraussichtlich erst im dritten Quartal dieses Jahres stattfindet. Ein Bürger ermahnte den Verwaltungsrat: «Er muss dringend Vertrauen in die MBH schaffen.» Der Hasliberger erklärteweiter: «Eine weitere Beteiligung an der Bergbahnen Meiringen-Hasliberg AG darf nicht mehr sein. » Susanna Michel>

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