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Wenn Gewalt die Jugend beherrscht

Wie gehen Jugendliche unterschiedlicher Herkunft miteinander um? Respektieren sie einander? Welche Probleme haben Sie? Diesen und anderen Fragen ist der PFEFFER nachgegangen. Heute publizieren wir den ersten Teil, in zwei Wochen den zweiten.

Seit das Selve-Areal in Thun mehr oder weniger geschlossen hat, sind Veränderungen im Ausgang zu spüren. Früher waren Schweizer und Ausländer mehrheitlich unter sich, heute ist es ein multikultureller Mix aus Schweizern, Deutschen, Türken, Italienern und Jugendlichen aus dem Balkan. Immer öfter steht am Montag in den Zeitungen, dass es zu Schlägereien kam oder dass randaliert wurde. Worte wie «aus dem Balkan stämmige Jugendliche» oder «ausländische Männer» fehlen in solchen Berichten selten. So erstaunt es nicht, dass Ausländer je länger, je mehr in den gleichen Topf geworfen werden.

Die Gewalt nimmt zu. Sehr zum Leid für die Jugendlichen, die einen fröhlichen und ausgelassenen Abend mit ihren Freunden feiern wollen. Nicht selten werden nämlich auch Leute in Schlägereien involviert, die überhaupt nichts mit der Vorgeschichte zu tun haben.

Gründe für Gewalttätigkeit

«Der Ausländer tickt einfach in gewissen Sachen anders als der Schweizer», sagt ein türkischstämmiger 20-jähriger Mann, den der PFEFFER auf der Strasse angesprochen hat. «Wenn die Freundin eines Schweizers im Ausgang angeflirtet wird, dann sagt der höchstens zum Gegenüber, dass er sie doch bitte in Ruhe lassen solle. Ich kann das nicht. Ich sehe rot. Bevor ich meine Gedanken ordnen kann, habe ich den Typen schon an die Wand gedrückt und die Hand erhoben.»

Weitere und ähnliche Gespräche wurden mit Jugendlichen aus allen möglichen Ländern geführt, wobei sich niemand für ein Foto zur Verfügung stellen wollte. Bei jeder Unterhaltung wurde als möglicher Grund für Gewalttätigkeit Frauen genannt. «Das stimmt, meistens geht es um Frauen, und mehrheitlich sind die Jugendlichen alkoholisiert, ansonsten würde ihnen womöglich der Mut fehlen», sagt eine junge Frau.

Ausländer gleich Ausländer?

Natürlich gibt es durchaus sehr anständige ausländische junge Menschen, die sich an den Eska-paden ihresgleichen sehr stören. Sie finden das Verhalten der Schlägertypen nicht nur absurd, sondern auch peinlich. Diese tun sich schwer, Anschluss zu Schweizer Jugendlichen zu finden. Es ist dazu ein immenser Unterschied, ob es Jugendliche sind, die bereits im Babyalter in die Schweiz gekommen sind oder ob es solche sind, die erst seit ein paar Jahren hier wohnen. Die einen sind zwar im Herzen beispielsweise ein Italiener, aber sie kennen nichts anderes als das Leben in der Schweiz.

Anders die Neuzugezogenen, die zum Beispiel in Kroatien oder anderswo aufgewachsen sind und von einem Tag auf den anderen «Schweizer» sein sollen. Oft entstehen Schlägereien von Ausländer zu Schweizer auch durch mangelnde Sprachkenntnis. So meinte ein 28-jähriger Serbe: «Wenn einer nicht verstehen will, was ich ihm sage, dann spürt er Gewalt.» Das Aggressionspotential sei bei ausländischstämmigen Jugendlichen anders als bei Schweizern. «Bei uns ist die Gewalt nicht derart verankert», sagt ein Schweizer Jugendlicher.

Opfer werden zu Tätern

Natürlich gibt es auch die Kehrseite der Geschichte. «Gerade ausländische junge Leute, die bereits seit etlichen Jahren in der Schweiz wohnen, müssen sich immer wieder Sprüche von Schweizern gefallen lassen, die eindeutig unter der Gürtellinie sind», weiss eine junge Frau, die der PFEFFER ebenfalls auf der Strasse angesprochen hat. So sei es nachvollziehbar, wenn der Betroffene sich wehre. Ein Bekannter aus Sri Lanka, den die Autorin kennt und der akzentfrei Berndeutsch spricht, hat sich vor kurzem beklagt, dass er im Ausgang als «schwarzer stinkender Hurensohn» von Schweizern bezeichnet wurde. «Einfach so, grundlos. Dies hat mich sehr verletzt, und ich habe mich gefragt, woher die Wut der Schweizer kommt», sagte er.

Es ist ein Teufelskreis. Beide Seiten, seien es Schweizer oder Ausländer, verhalten sich in vielen Situationen total daneben.

Friedlicher miteinander sein

Doch viele Jugendliche freuen sich, in Thun multikulturelle Freundeskreise anzutreffen. «Gerade weil alle Kulturen unterschiedlich sind, sollten alle voneinander profitieren und nicht versuchen, Gründe für deren andere Art, deren anderes Empfinden gegenüber etlichen Angelegenheiten zu finden», findet der Bekannte. Leider seien solche Bilder selten. Die Gewalttätigkeiten nehmen zu und das Verständnis gegenüber der anderen Kultur ab. «Wenn aber jeder Einzelne zumindest versuchen würde, nicht gleich bei der erstbesten Gelegenheit auszuflippen», findet er, «könnte zumindest ein bisschen Frieden unter den Jugendlichen geschaffen werden.»

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