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Was passiert mit dem Borregaard-Areal?

Mit der angekündigten Schliessung des Werkes der Borregaard wird auch das grosse Firmengelände frei. Die Innostep Euro-Point soll neue Firmen ansiedeln. Das allerdings wird kein einfaches Unterfangen werden.

Der Schock war bei Angestellten und Anrainergemeinden gleichermassen zu spüren, und die Frage nach der Zukunft beschäftigt ebenfalls beide. Damit hört die Gemeinsamkeit auf: Während sich die in ihrer Existenz bedrohten Mitarbeiter nun auf Stellensuche begeben, müssen die Gemeinden noch untätig bleiben. 30 Tage dauert die Konsultationsfrist, erst dann ist endgültig klar, ob es keine industrielle Zukunft für das Werk mehr gibt. Während die Gewerkschaft Unia ihre Bemühungen auf diese 30 Tage konzentriert, bereiten sich die Standort- und Nachbargemeinden schon auf die Zeit danach vor.

Er hoffe selber auf eine Rettung, aber laut Borregaard sei die Weiterführung unwahrscheinlich, sagt Max Wittwer, früherer Luterbacher Gemeindepräsident und Vertreter des Vereins Innostep Euro-Point. Die regionale Wirtschaftsförderung wurde mit der Leitung einer Arbeitsgruppe beauftragt, die zusammen mit der Borregaard Schweiz AG die Folgen für die Anrainergemeinden analysieren, die Ansiedlung neuer Firmen aufzeigen und angehen soll. Ein Kontakt sei noch nicht zustande gekommen, aber die Borregaard wisse vom Vorschlag der Gemeinden und sei auch einverstanden.

Schwieriges Gelände

«Zuerst machen wir eine Bestandesaufnahme», erklärt Wittwer das Vorgehen. Es gelte dann möglichst rasch wieder Arbeitsplätze anzusiedeln. Kein einfaches Anliegen, dessen sei er sich bewusst. Das Problem: Das Werk sei Stück um Stück gewachsen. Die Arbeitsabläufe und die Gebäude seien auf den Zellulose-Betrieb ausgerichtet. Womit er sagen will, dass eine fremde Firma wohl kaum das gesamte Firmengelände kaufe. Das südliche Areal ist bereits früher an den Holzverarbeitungsbetrieb Schilliger Holz AG verkauft worden. Noch besitzt die Firma Adisca ein kleines Landstück zwischen dem Holzschnitzellager von Borregaard und dem geplanten Firmengebäude von Schilliger. Die Adisca gehört zu Familie Blochers Holding Emesta, welche die Mehrheit an der Vorgängerfirma Atisholz inne hatte. Sowohl Schilliger als auch die Borregaard hätten das Landstück kaufen wollen, sagt Adisca-Geschäftsführer Edwin Schenker. Jetzt verhandle er nur noch mit Schilliger.

Altlasten

Mit Altlasten rechnen sowohl Wittwer als auch Schenker nicht. Beim Kanton sieht man dies allerdings leicht anders: Dort weiss Martin Würsten, Leiter des Amts für Umwelt (AfU), dass der Boden teilweise mit Quecksilber verunreinigt ist. Das bestätigt auch Stefan Meili, Direktor der Borregaard Schweiz AG. «Wies der Name schon sagt, sind das aber Altlasten aus Zeiten vor der Borregaard», bekräftig Meili. Man sei daran, sie zu beseitigen, die Verantwortlichkeiten dafür «seien geklärt», wollte der Borregaard-Direktor dazu lediglich noch sagen. Würsten selber hofft, dass die Beseitigung des Quecksilbers auch weitergeführt werde, wenn die Borregaard eines Tages still stehen sollte. «Da werden wir vom AfU einen Augenmerk drauf halten.»

Ordentliche Stillegung

Ebenfalls begleiten würde das Amt eine allfällige Stilllegung, sollte sich innerhalb des nächsten Monats tatsächlich keine Rettung des Betriebs oder eines Teils davon abzeichnen. Immerhin würde die Borregaard mit Chemikalien arbeiten. «Die müssen ordnungsgemäss entsorgt werden», so Würsten.

Stefan Meili versichert, dass auch der Borregaard eine geordnete Schliessung am Herzen liegt –«sollte es tatsächlich zu einer Schliessung kommen. Dabei stehen die Sicherheit der?Mitarbeiter und die Umwelt an erster Stelle». Nach der 30-tägigen Konsultationsfrist werde so lange weitergearbeitet, bis alle verbliebenen Rohstoffe verarbeitet sind. «Auch die Chemikalien müssten bis dahin verbraucht sein, ansonsten versuchen wir sie auf dem Markt zu verkaufen», erklärt der Direktor. «Hoch interessant»

So lange die Borregaard weiterproduziert, muss sie sich auch an die Auflagen halten, die ihr der Kanton bezüglich der Luft- und Gewässerverschmutzung gemacht hat. «Dieses Jahr hat der Betrieb die Vorgaben eingehalten», bestätigt Martin Würsten. Der Umweltfachmann selber hofft, dass sich eine weitere Nutzung für das Areal finden lässt. «Es ist in unserem Sinne, dass künftige Betriebe auf bestehendem Gelände angesiedelt werden und nicht weitere Grünflächen verbaut werden.» Persönlich bedauere er die Schliessung der Borregaard, obschon sie als Sorgenkind des AfU galt. «Die Prozesse, die dort ablaufen, sind für Ingenieure und Naturwissenschafter wie uns eigentlich hochinteressant – wenn sie funktionieren.»

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