Zum Hauptinhalt springen

Warum Gstaad in Karlsruhe um Gäste buhlt

Eine tolle Show mit Film, Tanzchoreographie und attraktiven Interviewpartnern: Gstaad Saanenland wirbt in Karlsruhe und Stuttgart – zusammen mit Davos und Engelberg, die ebenfalls das Merkmal Swiss Premium (also Topqualität) tragen. Obs

«Wir haben im Saanenland rund 7000 Einwohner – davon 150 landwirtschaftliche Betriebe oder 80 bewirtschaftete Alpbetriebe – und 7000 Kühe. Bei uns in Gstaad finden Sie eine heile Welt – trotz der vielen Prominenten. Diese bewegen sich dort ohne Bodyguards. Gstaad leidet manchmal unter dieser Reputation.» Reto Tschannen hat sich in Fahrt geredet. Der Marketingleiter von Gstaad Saanenland Tourismus weiss genau, welche Informationen und Pointen wo zu platzieren sind. «Wir sind bekannt für unseren Chaletbaustil. Unser Motto lautet ‹Come up slow down›. Man kann alles machen, aber man muss nichts machen. Einfach die Seele baumeln lassen. Gleichzeitig sind wir so etwas wie eine alpine Event-Hauptstadt, bieten hochkarätiges Tennis, Beach-Volleyball und Klassikprogramme.» Reto Tschannen kann das Mikrofon wieder aus der Hand geben. Beat Antenen, bekannter Fernsehmoderator (siehe Kasten unten links), wendet sich dem nächsten Showteil zu. Klischees und Neues zeigen Wir sind im Schloss Karlsburg im Karlsruher Stadtteil Durlach. Rund 80 Personen haben in einem Raum mit historischem Ambiente und schönen Leuchtern Platz genommmen. Auf der Leinwand vorne werden Clips von Gstaad, Engelberg und Davos-Klosters eingespielt. Junge Frauen bestreiten eine Tanz-Choreographie zu heissen Sounds oder bekannten klanglichen Markenzeichen – etwa zu Pepe Lienhards «Sie ist meine Swiss Lady». Katja Zimmermann nimmt den Song mit ihrem Schwyzer Örgeli auf. Musicstar-Finalistin Caroline Breitler singt von der Sehnsucht nach Bergen und Schoggi. Beat Antenen begrüsst weitere Gäste zum Live-Interview, die spannende Geschichten zu bieten haben: Iglu-Bauer Adi Günther, New York-Korrespondentin Denise Langenegger und Swiss-Olympic-Designer Oliver Fuchs erhalten Gelegenheit, auf verbal witzig zugespielte Bälle von Moderator Antenen originell zu antworten. Swissness und Swiss Premium werden zelebriert – in einer professionell gestalteten und kurzweiligen Stunde. Es sind Ferienorte mit höchsten Qualitätsstandards, die sich hier zeigen. Und so versuchen die Filmeinspielungen ebenso die Klischees aufzunehmen wie einen Blick auf eher Unbekanntes der jeweiligen Region zu werfen. Auf dass die eingeladenen Gäste aus Karlsruhe und Umgebung –Opinion Leaders und Multiplikatoren wie Medien, Reiseveranstalter, Tourismus- und Reisbürofachkräfte – «anbeissen» mögen. Die ersten Rückmeldungen sind mit Abstrichen (siehe Kasten «Viel Begeisterung») vielversprechend. Dass Gstaad Saanenland Tourismus (GST) ganz Deutschland mit Schwerpunkt Süden bewirbt, ist nicht aus der Luft gegriffen. Die Deutschen sind mit rund 10 Prozent nach den Schweizern (rund 60 Prozent) das zweitwichtigste Gästesegment, das es zu pflegen, halten und nach Möglichkeit auszubauen gilt. Zusammen mit Engelberg und Davos-Klosters bildet GST die Trägerschaft. Die eingegangene Kooperation sieht bis 2013 rund zehn Präsentationen in den Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg (total 23 Millionen Einwohner) vor. Dazu gehören Show-Auftritte in den jeweiligen deutschen Städten mit Empfangsaperitiv und nachfolgenden Fachgesprächen an den so genannten «Meeting-Points». Ein kulinarisches Buffet mit regionalen Spezialitäten rundet den Promotionsanlass ab. Im nächsten Jahr werden München und Nürnberg angepeilt. Übernächstes Jahr solls weiter nördlich nach Frankfurt und Hamburg gehen. «Der direkt messbare Erfolg ist schwierig zu eruieren», sagt Reto Tschannen. Er weiss nur soviel, dass der letztjährige Auftritt in Stuttgart zu einem grossen Erfolg mit über 120 Teilnehmern wurde, der vorgestern abend wiederholt wurde – wieder mit grossem Andrang. «2010 schauten zusätzliche Übernachtungen für den letzten Sommer heraus. Ausschlaggebend war ein Übernachtungspackage mit einigen Konzerten des Menuhin Festivals Gstaad.» Reto Tschannen beabsichtigt, diesen Sommer konkret bei den Hoteliers nachzufragen, ob sich die Marketingstrategie konkret mit zusätzlichen Buchungen ausgewirkt habe. Und wie grosse ist der (Kosten)-Aufwand für die Präsentationen in Deutschland? Ein Vertreter von Schweiz Tourismus schätzte den Wert eines solchen Abends mitsamt den Übernachtungen auf rund 100000 Franken – als Gesamtsumme, die auf die drei Destinationen aufzuteilen wäre. Offiziell werden aber keine Zahlen genannt. Beat Antenen, Initiant, Produzent und Moderator, gibt zu verstehen, dass dank viel Zusatz- und Goodwill-Einsatz aller an den Präsentationen Beteiligten, die überall noch helfen und Hand anlegen, bei weitem nicht oben genannte Summe erreicht wird. Daraus kann geschlossen werden, dass die drei Destinationen Gstaad, Engelberg und Davos-Klosters, die selber einen grossen Effort beisteuern, nicht zu tief in die Taschen greifen müssen. Argument Nachhaltigkeit Kerstin Sonnekalb, Medienverantwortliche bei GST, bringt es auf den Punkt: «Wir wollen unbedingt die Marketing-Mittel bündeln, um uns nicht zu verzetteln. Die Werbeaktionen in diesem Jahr in Karlsruhe und Stuttgart erachten wir als sinnvoll, um bei den Leuten vor Ort im Gespräch zu bleiben. Im Falle von Stuttgart können wir auch nachfassen.» Für Reto Tschannen ist die Nachhaltigkeit ein wichtiges Argument – gerade auch beim schwachen Euro: «Wir dürfen nicht auf Trends reagieren. Das heisst, wir dürfen uns nicht dazu verleiten lassen, Billigstrategien zu fahren und blinden Aktionismus zu betreiben. Wir wollen von Qualität reden und was die Region bieten kann. Die Hoteliers und Ferienwohnungsbesitzer entscheiden, wie sie die Preise festlegen.» «Nicht runterfahren» Hat Tschannen wirklich keine Angst, dass der starke Franken die Deutschen von Ferien in der Schweiz und im Saanenland abhält? «Natürlich haben die Hoteliers Respekt vor dem Sommer. Aber wir vermuten, dass sich der Eurokurs nicht erholt. Es wäre falsch, Konzessionen zu machen und runterzufahren. Unsere Stärke ist die Qualität. Die Leute, die mal kommen, sind von unserem Produkt überzeugt. Unser Ziel ist es, diese Leute zu Stammgästen zu machen.» Svend Peternell>

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch