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Warum die 600. Orgelmatinee ein Zufallsprodukt ist

Thuner Orgelmatinee Nächsten Sonntag steht die 600.Orgelmatinee des Thuner Organisten Markus Aellig an. Für den Missionar der Orgelmusik ist die Erfolgsgeschichte, die auf einem Zufall beruht, noch lange nicht beendet.

Eigentlich sei es ein Zufall gewesen, sagt Markus Aellig noch heute. Der Berufsmusiker ist Organist der Stadtkirche Thun und blickt am kommenden Sonntagmorgen auf eine schier unglaubliche Erfolgsgeschichte zurück: Die 600.Orgelmatinee beginnt ausnahmsweise bereits um 11.15 Uhr und dauert statt der üblichen 30 ganze 45 Minuten. «Es gibt eine Fülle an bekannter und unbekannter Orgelmusik. Das meiste davon wird selten oder nie in Gottesdiensten gespielt», sagt Aellig. So entschloss er sich vor 13 Jahren, im Anschluss an den Sonntagsgottesdienst in der Stadtkirche eine halbstündige Matinee mit reiner Orgelmusik anzubieten. «Zu meiner Überraschung war die erste Ausgabe sehr gut besucht – und die zweite, dritte, vierte», erinnert sich der Stadtorganist an die Anfänge zurück. Beliebte Tradition Daran hat sich bis heute nichts geändert. «Ich kenne ein Ehepaar, das spaziert fast jeden Sonntag von Allmendingen in die Stadt, besucht meine Matinee und gönnt sich dann ein feines Mittagessen», weiss Aellig. Sein Publikum ist so bunt durchmischt wie seine Programme. «Ein Herr beispielsweise besucht grundsätzlich keine meiner Matineen, an denen ich klassische Musik spiele.» Denn so spannend und breit dieses Repertoire auch ist, Markus Aellig überschreitet mühelos Stil- und Genregrenzen. So spielt er Jazz auf der Orgel, transkribiert Volksmusik auf die Orgelregister der Stadtkirche oder widmet eine halbstündige Matinee den Beatles. Auch hinter dieser Werkwahl verbirgt sich eine Anekdote des Organisten: «Ein Brautpaar bat mich vor Jahren, den Beatles-Song ‹I Wanna Hold Your Hand› zu spielen.» Nach anfänglichem Sträuben – «Muss es denn wieder etwas sein, das keine Orgel- und Kirchentradition hat», habe er sich gefragt – hörte sich Aellig den Song an, schrieb eine Fassung für Orgel – und war selber vom Resultat begeistert. Sonntag für Sonntag zaubert Aellig ein neues Programm hervor, mixt mutig Barock mit Moderne, Pop mit Volksmusik und widmet am Muttertag die Matinee den Müttern dieser Erde. «Zugegeben, wenn ich in den Ferien bin und meine Stellvertreter nicht Zeit haben, fällt schon einmal eine Matinee aus», sagt Markus Aellig. Doch an der Regel wird nicht gerüttelt: Pünktlich um 11.30 Uhr beginnt die halbstündige Matinee, die vollkommen der Orgelmusik gewidmet ist. «Die Stadtkirche Thun verfügt über ein wundervolles Instrument», schwärmt ihr Organist. «Ihr samtener Klang macht sie auch für Gastorganisten zu einem beliebten Instrument.» Längst pilgern die Zuhörer auf den Thuner Schlossberg hinauf, ohne zu wissen, wie das Motto des betreffenden Sonntags lautet. Zum bevorstehenden Jubiläum hat der Organist ein kunterbuntes Programm, das vom 16.Jahrhundert bis zur Gegenwart, von Klassik über Jazz bis Volksmusik reicht, zusammengestellt. «Ich denke, meinen treuen Besuchern würde etwas fehlen, wenn ich die Orgelmatinee einstellen würde», sagt Markus Aellig. «Und mir ebenso. Ausserdem: Ich bin auch nach der 600.Matinee noch gerne ein Missionar der Orgelmusik.» HeinerikaEggermann Dummermuth>

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