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«Warten, dann hilft die Natur»

Ein Vierteljahrhundert war Traugott Stalder Revierförster für Beatenberg. Besonders Freude macht dem frisch Pensionierten sein einstiges Sorgenkind: eine Fläche im Wytiwald, die sich vom Sturm «Vivian» wunderbar erholt hat.

«Es war ein harter Schlag, als ich ein paar Tage nach dem Sturm im Februar 1990 in diese Fläche kam», erinnert sich Traugott Stalder. Fünf Jahre zuvor hatte er das Revier Beatenberg übernommen. Nach «Vivian» lag der Fichten- und Föhrenwald östlich der Vorsass am Boden. «In den folgenden Jahren wurde das Loch immer grösser – zum Teil durch neuen Windfall, zum Teil, weil wir Käferholz schlagen mussten», berichtet Stalder dort, wo heute nur noch einzelne verwitterte Wurzelstöcke vom Grosseinsatz zeugen, mit dem nach dem Sturm das Chaos aufgeräumt und jahrelang gegen Folgeschäden gekämpft wurde. 20 Hektaren gross war die Schadensfläche rund um den berüchtigten Fitzligraben, in dessen Einzugsgebiet der Wytiwald die Aufgabe hat, möglichst viel Wasser zurückzuhalten. Anpflanzungen junger Bäume waren an dem Hang mit seinem feinen Mosaik aus sauren Moorböden und trockenen, felsigen Stellen schwierig. Doch dann setzte die Naturverjüngung ein. «Es kamen mehr Bergföhren als früher», freut sich Stalder. «Und weil sie genau dort keimten, wo es ihnen passte, machen sie Riesenfortschritte.» Mit kräftigen, 20 Zentimeter langen Trieben schiessen die jungen Bergföhren jeden Sommer in die Höhe. Viele Bäume blühen, und an einigen hängen schon die ersten Zapfen. «Es ist eine Freude, wie nach der Zerstörung jetzt alles gewachsen ist», sagt Stalder. «Im Wald muss man einfach warten können – dann hilft auch die Natur.» Freude an der Natur Die Freude an der Arbeit in und mit der Natur brachte den Obersimmentaler Traugott Stalder 1971/1972 an die Försterschule in Lyss, nachdem er im ersten Beruf als Schmied bei von Roll gearbeitet hatte. Ins östliche Oberland kam er durch eine Stellvertretung. Weil aber damals Leute für die vielen neuen Lawinenverbauungen gesucht wurden, arbeitete Stalder zehn Jahre als Bauführer für die Abteilung Naturgefahren, bevor er 1985 das Forstrevier Beatenberg übernahm – zunächst zusammen mit dem Staatswald im damaligen Kreisforstamt Unterseen. Froh über guten Holzpreis Bei der Neuorganisation der letzten Jahre gab Stalder den Staatsforst ab und übernahm jeweils nach Bedarf verschiedene Aufgaben in der neuen Waldabteilung 1 Oberland Ost, so zum Beispiel in der Weiterbildung des Forstpersonals. Mitte 2006 übernahm er das Gebiet des pensionierten Habker Försters Christian Zenger. So entstand das Forstrevier Beatenberg-Habkern, das mit 3630 Hektaren Wald (meist Schutzwald) eines der grössten im Oberland ist und nun von Stalders Nachfolger Beat Zurbuchen betreut wird. Die grossen Schutzgebiete im Revier bedingen, dass Massnahmen nicht nur mit Waldbesitzern und Unternehmern, sondern auch mit den Naturschutzstellen abgesprochen werden. «Aber da findet man sich schon», meint Stalder. «Auch das Naturschutzinspektorat ist froh, wenn wir bei den guten Holzpreisen derzeit wieder mehr Wald auslichten können, der für Tiere wie das Auerhuhn zu dicht geworden ist.» Gute Erinnerungen Eine Besonderheit des Reviers sind die vielen bäuerlichen Waldbesitzer in Habkern, die selber im Wald arbeiten – so wie bis vor einigen Jahren auch die Beatenberger. «Aber weil die Betriebe immer grösser werden oder die Bauern einen Nebenerwerb ausserhalb suchen müssen, haben sie immer weniger Zeit für den Wald», bedauert Stalder. Er selber habe die Zusammenarbeit gerade mit diesen Waldbesitzern immer sehr geschätzt. Und er erinnert sich gerne an eindrückliche Erlebnisse – etwa mit den Bumbacher Bauern, die in der Bergschaft Habchegg im unerschlossenen Wald an der jungen Emme bis heute mit Pferden Holz rücken. Sibylle Hunziker>

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