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War K.s Tod vermeidbar?

ThunDer Tod eines Drogenabhängigen in Thun wirft Fragen auf: Wäre er bei besserer sozialer Kontrolle noch am Leben? Ein Kollege des Verstorbenen erhebt Vorwürfe gegen die Behörden. Der Stadt waren in diesem Fall aber die Hände gebunden.

Der Fall ereignete sich schon vor rund drei Wochen, ist aber erst jetzt publik geworden: Im Spital Thun stirbt der langjährige Drogenabhängige K.* Wie sich später herausstellt, war es keine Überdosis, die das Ableben des 35-Jährigen verursachte. «Der Mann ist eines natürlichen Todes gestorben. Die Polizei hat daher auch keine weiteren Ermittlungen eingeleitet», sagt Nicolas Kessler, Mediensprecher der Kantonspolizei Bern, auf Anfrage. So ist es auch nicht der Tod an und für sich, der Fragen aufwirft, sondern dessen Umstände. In den Augen eines Freundes*, der früher selber abhängig war und den Verstorbenen vor zwölf Jahren kennengelernt hatte, wäre der Tod von K. vermeidbar gewesen. «Mein Kollege lag schon im Sterben, als ich ihn an jenem Montag besuchen wollte», erzählt der Freund. «Die Wohnungstür stand weit offen, aber es kam offenbar niemandem in den Sinn, nach dem Rechten zu sehen oder zu helfen. Ich alarmierte sofort die Rettungsdienste. Vier Tage später starb mein Kollege im Spital.» Stadt sind Hände gebunden Für den Freund von K. liegt das Problem auf der Hand: Im betroffenen Haus an der Hofstettenstrasse in Thun wohnen mehrere Drogenabhängige, die jedoch alle alleine leben. Die Wohnsituation etlicher Abhängiger im Haus sei chaotisch; die soziale Kontrolle untereinander funktioniere nicht. Der Freund kann nicht verstehen, dass niemand eingreift: «In diesem Haus herrschen unhaltbare Zustände. Die Behörden müssen unbedingt etwas dagegen unternehmen.» Der Tod K.s und die Zustände im Haus an der Hofstettenstrasse sind dem Thuner Gemeinderat Peter Siegenthaler (SP), Vorsteher der Direktion Sicherheit und Soziales, bekannt. «Solange keine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit vorliegt, können wir in solchen Fällen jedoch nicht eingreifen. Da sind uns die Hände gebunden», erklärt Siegenthaler. Wenn Suchtbetroffene einen Beistand hätten, sei es möglich, über diesen Verbesserungen zu erwirken. Ausserdem biete die Stadt den Drogenabhängigen mehrere Hilfsangebote in verschiedenen Lebensbereichen (siehe auch Kasten «Suchtproblematik in Thun»). Gespräche auch in HeGeBe Rita Aschwanden, Stellenleiterin der Thuner Heroinabgabestelle HeGeBe, stützt die Aussagen Siegenthalers: «Gemeinsam mit den Beiständen finden wir oft Lösungen für die Wohnsituation der Betroffenen.» Auch sonst werde regelmässig das Gespräch mit den Abhängigen besucht. «Das HeGeBe-Team arbeitet interdisziplinär und besteht aus Ärzten, Pflegepersonal und Sozialarbeitern. Unsere Mitarbeitenden gehen aktiv auf die Patienten zu und bieten ihnen Unterstützung bei somatischen, psychischen und sozialen Themen an», sagt Aschwanden. Zudem würden während den Abgaben regelmässig Gesundheitsveranstaltungen durchgeführt. «Leider wird das Angebot nicht von allen mit derselben Motivation wahrgenommen», so Aschwanden. Der verstorbene K. ging laut der Stellenleiterin bei der HeGeBe nicht ein und aus. Die Möglichkeit für Gespräche gibt es auch beim Sput Infocafé (Spritzenumtausch) vis-à-vis des Thunerhofs. Es handelt sich um ein Angebot der Regionalstelle Thun-Oberland des Contact Netz. «Gespräche sind bei uns freiwillig. Wenn aber eine Pflegefachperson oder eine Sozialarbeiterin merkt, dass ein Abhängiger ein Problem hat, wird er vom Team darauf angesprochen», sagt Rahel Gall, Leiterin der Regionalstelle. Ob dies im Fall des Verstorbenen etwas gebracht hätte, sei spekulativ. «Geht aber von einem Abhängigen ein konkretes Potenzial aus, sich oder andere zu gefährden, können wir oder Anwohner des Betroffenen beim Regierungsstatthalter eine Gefährdungsmeldung einreichen», erläutert Gall.Gabriel Berger* Namen der Redaktion bekannt>

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