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Von Ragusas und schlechten Internetverbindungen

Knapp drei Monate vor den eidgenössischen Wahlen rühren Berner Kandidierende die Werbetrommel. Weit hinten im Zulgtal treffen SP-Ständeratskandidat Hans Stöckli und SVP-Nationalratskandidat Samuel Graber den Künstler Heinrich Gartentor am Küchentisch.

Die Strasse ist schmal und kurvenreich. Auf dem Weg zum ehemaligen Schulhaus von Horrenbach-Buchen gilt es neben zahlreichen Kurven ebenso zahlreiche Steigungen zu bewältigen. Mit einigen Ambitionen hat diesen Weg gestern Hans Stöckli auf sich genommen. Der Nationalrat und ehemalige Stadtpräsident von Biel ist als SP-Ständeratskandidat im linken Zulgtal unterwegs. Dort will er im Rahmen einer von ihm lancierten Kunststafette dem Künstler Heinrich Gartentor (Martin Lüthi) seine Aufwartung machen. Das Treffen mit dem ersten Kulturminister der Schweiz und Zentralpräsidenten der Visarte Schweiz zuhinterst in Horrenbach-Buchen ist Teil seines Wahlkampfauftakts. Die vielen Kurven und Steigungen sind für Hans Stöckli dank modernem GPS kein Problem. Ohne GPS in Richtung Künstleratelier unterwegs ist derweil Horrenbachs Gemeindepräsident Samuel Graber. Der SVP-Grossrat bewirbt sich im Herbst zum zweiten Mal um den Einzug in den Nationalrat. Als sich die beiden Kandidierenden im Vorhof von Heinrich Gartentors Domizil herzlich begrüssen, werden alte Erinnerungen wach. «Zu deinem Abschied aus dem Grossen Rat habe ich von dir ein Ragusa erhalten», flachst Samuel Graber. Schokoriegel hat Hans Stöckli in Horrenbach keine dabei. Dafür eine Flasche Weisswein vom Bielersee und einige Wahlprospekte mit dem Aufdruck «Hans mit Dampf ins Stöckli». Einige davon wird er auch gleich los. Zwei Velofahrer machen halt und lassen sich von Heinrich Gartentor den Weg durch Horrenbach erklären. Die beiden leben in der Region Biel und erkennen Hans Stöckli auf Anhieb. Bevor es zum gemeinsamen Spaghettiessen am Küchentisch der Familie Gartentor geht, werfen Künstler und Politiker im Gespräch einen Blick auf die Unterschiede zwischen Stadt und Land. Samuel Graber spricht von Problemen wie Abwanderung und Schulschliessungen, aber auch davon, wie die Gemeinde Horrenbach-Buchen vom kantonalen Finanz- und Lastenausgleich profitieren kann. Heinrich Gartentor fehlt es derweil an Investitionswillen. «Zum Beispiel für ordentliche Internetverbindungen auf dem Land», sagt er. Dass der sogenannte Service public auf dem Land aufgrund politischen Willens gelitten hat, ist für den ehemaligen Bieler Stadtpräsidenten klar: «Die marktwirtschaftlichen Konsequenzen kommen jetzt zum Tragen.» Allerdings sei es nicht möglich, um jeden Preis eine flächendeckende Versorgung zu erreichen. «Wirtschaftliche Aspekte sind eben auch wichtig.» Die Kunst-Stafette von Hans Stöckli dauert übrigens bis am 23.Oktober. Bis dann will er in jeder Berner Verwaltungsregion ein Atelier besuchen. Einer der Höhepunkte der Kampagne dürfte indes der Naturaplan-Bio-Brunch in der Dampfzentrale Bern werden. Zur Finanzierung seines Wahlkampfs werden am Vormittag des 21.August in Bern gegen dreissig von Künstlern gesponserte Werke versteigert. Eines davon wird auch Heinrich Gartentor beisteuern. Stefan Kammermann>

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