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Von null auf hundert

Die Burgdorferin Nadja Pieren (31) hat einen Blitzstart hingelegt: Die Stationen von der Lokalmatadorin zur frisch gewählten Nationalrätin legte die Kleinkinderzieherin und Unternehmerin in Riesenschritten zurück. Eine andere Partei als die SVP sei für sie nie infrage gekommen, sagt sie.

Wenn das Prädikat «politische Senkrechtstarterin» auf jemanden zutrifft, dann auf sie: Innert bloss dreier Jahre schaffte es die Anfang 2008 noch völlig unbekannte Jungpolitikerin Nadja Pieren von einem lokalen SVP-Vorstandsmandat ins nationale Parlament. Die Zwischenstationen meisterte sie im Handumdrehen. Nachdem sie Mitte 2008 das Präsidium der Burgdorfer SVP übernommen hatte, hielt sie wenige Monate später Einzug in das Stadtparlament. 2010 folgten der Schritt in den bernischen Grossen Rat und in den Vorstand der SVP Schweiz, ins Zentrum der bürgerlichen Macht also. Vorgestern Sonntag wurde diese Blitzkarriere nun gekrönt mit der Wahl in den Nationalrat. «Ich habe keine Lobby» «Ich war am Wahlsonntag extrem nervös, denn seit August habe ich sehr viel Energie, Herzblut und Zeit in den Wahlkampf investiert; an einen normalen Arbeitstag hängte ich noch gleich sechs Stunden an», sagt sie. An ihre Wahl glaubte sie dennoch eher nicht, denn die SVP-Liste sei mit «sehr starken und gut vernetzten Persönlichkeiten» bestückt gewesen. «Ich hingegen habe ausserhalb der Partei keine Lobby.» Deshalb hätten sich ihre Hoffnungen vor allem auf einen «guten Ersatzplatz» gerichtet. Dass sie zu ihrer Überraschung und Freude dann doch zur Nationalrätin erkoren wurde, führt sie unter anderem darauf zurück, dass sie in den letzten Jahren verschiedentlich in den Medien präsent gewesen sei. Und vor allem darauf, dass sie eine klar fassbare Position habe. «Ich stehe hinter unserem Parteiprogramm; wer dieses kennt, weiss auch, wofür ich mich einsetze.» Speziell am Herzen lägen ihr die Themenbereiche Familie, Gesellschaft, Bildung und Religion – nicht zuletzt, weil sie sich mit diesen Fragen auch beruflich beschäftige. Nadja Pieren ist diplomierte Kleinkinderzieherin und Führungsfachfrau und leitet eine von ihr gegründete private Kindertagesstätte in Bern. Von Mitgliedern anderer Parteien im Burgdorfer Stadtrat wird Nadja Pieren zuweilen als bürgerliche Hardlinerin apostrophiert, und auch in einem Wikipedia-Eintrag heisst es: «Ihre Stellungnahmen anlässlich der Berner Grossratswahlen 2010 verorten Pieren im rechtskonservativen Lager.» Sie habe keine Probleme damit, hinzustehen und Farbe zu bekennen, sagt sie. So habe sie in den Komitees gegen die Harmos-Bildungsreform und für die Minarettverbotsinitiative mitgewirkt. Auch die eidgenössische Initiative gegen die Masseneinwanderung trage sie mit, zudem sei sie gegen einen EU-Beitritt der Schweiz – «auch gegen einen schleichenden Beitritt». Dass sie in sicherheitspolitischen Fragen ebenfalls eine klar bürgerliche Linie vertrete, hänge wohl damit zusammen, dass ihr Vater Polizist gewesen sei und sie dabei so manches vernommen habe, das ihr die Augen geöffnet habe. Das Steuer ergriffen An den politischen Drücker kam Nadja Pieren Mitte 2008, als viele örtliche Mandatsträger von der Burgdorfer SVP in die neu gegründete BDP wechselten und dabei auch das Präsidium der SVP-Sektion frei wurde. Nadja Pieren bekam das verwaiste Amt angetragen – und sagte zu. «Ich war bereit, die Verantwortung zu übernehmen und die Sektion, die mir am Herzen liegt, weiterhin auf Kurs zu halten», sagt sie. Wenig Verständnis bringt sie für «gewisse Politiker» auf, «die sich von der SVP gross machen liessen, dann absprangen und ihre einstige Partei nun auch noch schlechtmachen». Trotz ihrer Wahl ins nationale wird sie im lokalen Parlament verbleiben; aus dem Grossen Rat jedoch scheidet sie aus, denn wegen der gleichzeitigen Sessionen wäre es ihr gar nicht möglich, kantonal und national zu politisieren.Hans Herrmann >

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