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Viel Applaus für den Hochstapler

LangenthalEinmal mehr begeisterte im Stadttheater Langenthal ein für das Theater adaptiertes Werk von Thomas Mann. Das Publikum erlag dem Charme des Hochstaplers Krull und feierte ihn am Schluss sogar mit Standing Ovations.

Mit einem lebenden Bild führt Regisseurin Katja Wolff die Zuschauer im Stadttheater Langenthal in die Welt von Felix Krull ein. Wie ein Schuss knallt ein Champagnerkorken, die Figuren bewegen sich. Ein Knall beendet auch das Leben von Krulls Vater, einem verschuldeten Champagnerproduzenten. Er hinterlässt dem verträumten Sohn keinen Heller. Damit beginnt für den jungen Mann der Aufstieg vom Liftboy zum Marquis. Wolff vereint in ihrer am Wochenende aufgeführten Inszenierung der «Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull» diverse Stile: Krull ist zum Greifen nah, die Frauen sind bis zur Karikatur verzerrt wie etwa die kreischende Tingeltangel-Sängerin Zaza. Zwischen Krulls Monologen lockert die Regisseurin das Stück mit Revueszenen, köstlich die militärärztliche Untersuchung, und Chansons auf und beschert dem Publikum einen vergnügten Abend. Wenn einer dasteht und sein Leben erzählt, könnte es leicht langweilig werden. Nicht so bei Felix Krull, im Stück verkörpert durch Friedrich Witte. Mit Charme und Witz führt er durch sein Leben, das mehr auf Schein als Sein beruht. Er lügt und betrügt, ja schreckt nicht einmal vor Diebstahl zurück und wird erst noch dafür beschenkt. Witte verleiht der Figur Charisma und erotische Ausstrahlung. Es ist leicht nachzuvollziehen, warum es alle auf den schönen jungen Mann abgesehen haben und sich ihm blind zu Füssen werfen. Wenig Sympathie ernten in diesem Stück hingegen die Damen (ver-körpert durch Astrid Strassburger und Carmen Betker). Sie entpuppen sich als lächerliche Wesen, die wegen ihrer Begierde jegliche Würde verlieren. Wolfgang Grindemann gibt den um-schwärmten Sänger Müller-Rosé in Unterhosen absolut widerlich, während Michael Nowack als einsamer Lord und verrückter Professor überzeugt. Hannes Ducke und Markus Friedmann überzeugen ebenfalls in der Produktion des Euro-Studios Landgraf. Prisca Rotzler KöhliNächste Vorstellung im Stadt- theater: La Gala, Strohmann-Kauz & Gäste, 28.Oktober, 20 Uhr. >

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