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Via Schulbank zum Schweizer Pass

LangenthalSie leben seit Jahren in der Schweiz, jetzt dürfen sie auch den Pass beantragen: 12 Ausländer verschiedener Nationalitäten haben den ersten Einbürgerungskurs im Oberaargau absolviert.

«Das hat mich wirklich erstaunt», sagt Ute Schultze. «Dass die Schweiz das Frauenstimmrecht erst 1971 eingeführt hat.» Zwar lebt die 53-jährige Deutsche schon seit 16 Jahren in der Schweiz, der Beruf ihres Ex-Mannes hatte sie damals nach Inkwil geführt. Ihre drei Töchter gingen und gehen hier zur Schule. Und auch die Sprache sei für sie als Deutsche nie ein Hindernis gewesen. Trotzdem habe sie nun viele Informationen gekriegt, «die ich gerne schon vor 16 Jahren gehabt hätte.» Wie das Schweizer Versicherungswesen funktioniert zum Beispiel. Welches die speziellen Eigenheiten des Landes und seiner Menschen sind. Und welche Rechte und Pflichten Ausländer haben in der Schweiz. Fragen, die Ute Schultze heute alle besser beantworten kann. Die Deutsche ist eine von insgesamt 12 Teilnehmerinnen und Teilnehmern des ersten Einbürgerungskurses im Oberaargau, der diese Woche seinen Abschluss fand. Der Ausweis fürs Passbüro Acht Abende lang wurden die Kursbesucher aus allen Teilen des Oberaargaus in der Kaufmännischen Berufsschule Langenthal in Schweizer «Gesellschaft und Politik» unterrichtet. Erst jetzt sind sie berechtigt, bei ihren jeweiligen Wohngemeinden die Einbürgerung zu beantragen. So schreibt es seit Anfang dieses Jahres die kantonale Gesetzgebung vor (siehe Kasten). Adionist Cekaj ist sichtlich stolz. «Nach diesem Kurs wissen wir wahrscheinlich mehr über die Schweiz als viele ‹patriotische› junge Schweizer.» Es sei interessant gewesen, zu erfahren, wie die Schweiz zum Land wurde, das sie heute ist, sagt der 26-Jährige. Auch wenn er nun womöglich bald den Schweizer Pass erhalte, werde sich an seinem Leben aber kaum etwas ändern, sagt er. Integriert habe er sich längst. Affoltern, wo er nach der Flucht aus dem Kososvo die Realschule besuchte und «das Leben kennen lernte», sei die Heimat seines Herzens. Und auch beruflich hat Cekaj in der Schweiz festen Fuss gefasst. Marinka Grgi? (45) betont denn auch: «Die Schweiz ist für uns nichts Neues, wir leben und arbeiten seit 20 Jahren hier.» Schon lange vor der neuen kantonalen Einbürgerungsgesetzgebung, die für den Kursbesuch auch eine Sprachstandanalyse voraussetzt, hat Marinka Grgi? vor vier Jahren einen Deutschkurs besucht. «Ich wollte das machen, für mich und auch für meinen Arbeitsplatz. Jetzt habe ich wieder davon profitiert.» «Sollte obligatorisch sein» Nicht nur im Sprach-, sondern auch im Einbürgerungskurs wird Hochdeutsch gesprochen – obwohl die meisten Teilnehmer den Schweizer Dialekt gut verstehen. «Es ist wichtig, dass Sie Informationen, Abstimmungsmaterial und Warnhinweise lesen können», erklärt Kursleiter Marco Schell seinen Schülern. «Und Schriftsprache ist in der Schweiz nun mal Hochdeutsch.» Die Kursteilnehmer sind sich einig: Weder Sprachstandanalyse noch Einbürgerungskurs seien Schikanen, sondern nützliche Hilfsmittel auf dem Weg zur Einbürgerung. Ute Schultze geht gar noch einen Schritt weiter: Sie fände es gut, wenn solche Kurse auch für Ausländer, die nur in der Schweiz arbeiten wollen, obligatorisch wären. «Man sollte sich ja von Anfang an integrieren.» Ihr Landsmann Matthias Fricke aus Herzogenbuchsee lacht: «Wenn man den Kurs früher machen würde, täte man als Ausländer wohl auch weniger Lehrgeld bezahlen.»Kathrin Holzer>

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