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Van Gent erklärt den Krieg

LangenthalBrennpunkt Naher und Mittlerer Osten: Journalist Werner van Gent hat am Züpfe-Zmorge die aktuellen Konflikte erläutert.

«Plötzlich war alles ganz anders.» Werner van Gent hat am traditionellen Züpfe-Zmorge der Firma Ammann in Langenthal die Unruhen der letzten Wochen in der arabischen Welt beleuchtet. Zum Beispiel sei aus dem «wunderschönen Land Oman», das lange als «Arabia felix – glückliches Arabien» gegolten habe, auf einmal ein Konfliktherd geworden. Mit Protesten, Schiessereien und Toten. «Für mich war das ein schwerer Schock», erzählte der langjährige Radio-, Fernseh- und Zeitungskorrespondent aus Athen gestern den zahlreich erschienenen Gästen. Stockung und Stillstand In seinem Vortrag mit dem Titel «Brennpunkt – Naher und Mittlerer Osten» hielt Werner van Gent fest, dass Arabien während langer Zeit als politisch stabil galt. Doch eigentlich könne man nicht von Stabilität, sondern müsse von Stockung oder Stillstand sprechen. Für den Grossteil der Bevölkerung dieser Länder sei die Lage jedes Jahr aussichtsloser, verfahrener und blockierter geworden. Die fehlenden Perspektiven hätten die Leute auf die Strasse getrieben und Aufstände ohne Zentren, ohne eigentliche Führungspersonen entstehen lassen. Dabei hätten die modernen Medien eine «gigantische Explosionskraft» entwickelt. «Facebook statt Freitagsgebet hat bei den Massen als Losung gegolten», so Van Gent. «Arabische Welt am Anfang» Können die Konflikte bald beigelegt werden – oder weiten sie sich zu Bürgerkriegen wie in Libyen aus? Für Werner van Gent ist beides möglich. Eine friedliche Umwälzung wie im Jahr 1989 im Ostblock sei denkbar. Aber auch gewaltsame Auseinandersetzungen wie zur Zeit der Französischen Revolution von 1789 könnten die Folge sein. «Wir stehen in der arabischen Welt am Anfang einer Demokratisierung mit vielen Fragen, wie es weitergeht.» Der Referent zeigte sich in Langenthal überzeugt davon, dass Arabien ein Entwicklungsprogramm braucht, um einen Ausweg aus der Misere zu finden. Ein Programm müsse aufgestellt werden, entsprechend dem Marshallplan, der nach dem Zweiten Weltkrieg dem kriegsgeschädigten Westeuropa zugute kam. Dabei müssten die Fördermilliarden nicht nur aus dem Westen kommen. Finanzielle Mittel wären ja auch in der Region vorhanden. Türkei – Ein Land für die EU? Werner van Gent sprach sich am Züpfe-Zmorge allgemein für eine Öffnung Europas gegenüber der arabischen Welt aus. Seiner Meinung nach müsste die Türkei in die Europäische Union aufgenommen werden. Abgerundet wurde sein Vortrag am Ende durch die Fragen der zahlreich erschienenen Gäste. Hans Käser>

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