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Unia-Personal streikt für seinen geschassten Chef

GewerkschaftEin Unikum: 40 Angestellte der Unia sind im Streik. Sie protestieren so gegen die Absetzung von Roland Herzog, Leiter der Sektion Bern. Heute will die Geschäftsleitung schlichten.

Das hat es bei Schweizer Gewerkschaften noch nie gegeben: einen Streik der eigenen Mitarbeiter. Was sonst eine Kampfmassnahme der Unia in fremden Firmen ist, läuft jetzt in den eigenen Reihen ab. Vor dem Sekretariat der Sektion Bern an der Monbijoustrasse standen gestern Frauen und Männer in roten Unia-Jacken, hinter ihnen ein Transparent: «Das Unia-Personal ist im Streik». Als die Kamera des Schweizer Fernsehens läuft, ertönen gar Sprechchöre. «Wer ist unser Sektionsleiter?», schreit eine Frau. «Roland Herzog» rufen die Umstehenden im Chor. Herzogs Rückkehr gefordert Die Protestaktion richtet sich gegen den Entscheid der Unia-Leitung, den charismatischen Berner Gewerkschafter kurz vor seiner Pensionierung abzusetzen (Ausgabe von gestern). Am Streik beteiligen sich rund 40 Angestellte. Nebst der Sektion Bern sind es die Mitarbeiter der Sektion Oberaargau-Emmental. Diejenigen der Sektion Berner Oberland streiken nicht. An einer Medienkonferenz begründeten die Unia-Angestellten ihren Protest. «Es schwelt schon seit längerem ein Konflikt», erklärte Elise Gerber, Co-Präsidentin der Personalkommission. Die Angestellten goutieren den Führungsstil nicht, wie ihn der Vorstand der Region Bern und die Geschäftsleitung praktizieren. «Es gab immer wieder Angriffe auf Personen, die kritisch sind», stellte der abgesetzte Roland Herzig fest. Die autoritären Tendenzen hätten zugenommen. Man werde nicht in Entscheide miteinbezogen. «Die Gewerkschaft lebt aber vom Einbezug ihrer Mitarbeiter, sonst muss sie zumachen.» Die Absetzung des Sektionsleiters Herzog hat das Fass nun zum Überlaufen gebracht. Die Streikenden fordern, Herzog müsse wieder auf seinen Posten. Und sie verlangen auch, dass die Geschäftsleitung eine Verwarnung des Langenthaler Gewerkschaftssekretärs Nazmi Jakurti rückgängig macht, weil sie gegen Unia-Reglemente verstosse. Chefetage beschwichtigt Ganz andere Töne waren gestern aus der Chefetage zu hören. Bei der anschliessenden Medienkonferenz in der Unia-Zentrale in Bern spielten die Verantwortlichen den Konflikt herunter. «Am Streik ist nur rund ein Drittel der Mitarbeiter aus dem Kanton Bern beteiligt», sagte Pressesprecher Nico Lutz. Der Unia-Betrieb laufe in wesentlichen Teilen «normal weiter». Zum Streik geführt habe wohl eine Kombination des grossen Drucks, der auf den Mitarbeitern laste, und des Personalentscheids, sagte Lutz. Seit ihrer Wahl vor anderthalb Jahren habe es «massive Probleme» mit dem Leiter der Sektion Bern gegeben, sagte Natalie Imboden, Co-Leiterin der kantonalbernischen Unia. Sie habe keine Einsicht in Protokolle erhalten, sei von Sitzungen ausgeschlossen worden, und Entscheide seien nicht angepackt und umgesetzt worden. «Die Zusammenarbeit mit Roland Herzog war massiv gestört.» Es habe verschiedentlich Gespräche gegeben – vergebens. Unia-Co-Präsident Andreas Rieger erklärte, Vorgesetzte hätten nun einmal Weisungsrecht. Wenn dies zum Eklat führe, «kann ein Konflikt manchmal nicht anders gelöst werden – auch wenn es um einen alteingesessenen und verdienten Mann wie Roland Herzog geht». Zum Streik in der Unia sagt Präsident Rieger: «Das schadet unserer Organisation. Doch ich bin zuversichtlich, dass sich die Lage wieder normalisiert.» Heute findet ein Gespräch zwischen der Unia-Leitung und den Streikenden statt.Herbert Rentsch >

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