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Trauerfamilie stösst auf Beamtenmentalität

wabernAlfred Jenni starb vor einem Monat. Seine pflichtbewussten Angehörigen wollten für die Trauerfeier bei der Gemeinde Parkkarten besorgen. Am Schalter stiessen sie als «Auswärtige» aber auf viel Unverständnis.

Der 96-jährige Könizer Alfred Jenni starb am 14.Januar. Er wohnte im Alters- und Pflegeheim Weyergut in Wabern. In der dortigen Kapelle fand auch die Trauerfeier statt. Als die Familie die Feier vorbereitete, dachte sie an alles. Auch daran, dass zahlreiche Besucherinnen und Besucher von auswärts mit dem Auto anreisen würden. Die Parkplätze rund ums Altersheim liegen in der blauen Zone, und die Familie wusste nicht genau, wie lange die Feier dauern würde. «Eine teure Parkbusse wollten wir nicht riskieren», sagt Alfred Jennis Schwiegertochter Susanne, die mit ihrem Mann Kurt im emmentalischen Rüdtligen wohnt. Also nahmen Jennis, obwohl die Trauerzeit belastend war und sie noch viel anderes zu organisieren hatten, den Weg nach Köniz auf sich. «Schon vor dem Tod kaufen?» Auf dem dortigen Polizeiinspektorat wollten sie zehn Besucherparkkarten für einen Tag kaufen, 6 Franken kostet das Stück. Am Schalter erklärten Jennis, dass sie die Karten für die Trauerfeier brauchten. Trotzdem erlebte das Ehepaar eine böse Überraschung. «Wir wurden von der Beamtin brüsk zurechtgewiesen», sagt Susanne Jenni. An Auswärtige verkaufe die Gemeinde keine Parkkarten, nur an Einheimische, wurden sie belehrt. Auf dem Papier steht das tatsächlich so: Besucherparkkarten werden nur an Anwohner der berechtigten Zone abgegeben. Doch der Verstorbene lebte seit fast vier Jahrzehnten in der Gemeinde. «Hätten wir die Parkkarten für die Trauerfeier also noch zu Lebzeiten meines Schwiegervaters kaufen müssen?», ärgert sich Jenni über die Beamtenmentalität. Kulant bei Beerdigungen Nach langem Hin und Her liess sich die Beamtin am Schalter des Könizer Polizeiinspektorats doch noch dazu bewegen, dem pflichtbewussten Ehepaar aus dem Emmental die Karten zu verkaufen. «In dieser sonst schon schwierigen Lage hätten wir eine solche Situation nicht noch nötig gehabt», sagt Susanne Jenni. Am 20.Januar konnte dann die Feier im Weyergut, die tatsächlich von vielen Auswärtigen besucht wurde, ohne Parkplatzprobleme würdig über die Bühne gehen. Von dieser Zeitung mit dem «Absteller» konfrontiert, entschuldigt sich die Gemeinde Köniz bei Jennis. Die Parkplatzproblematik bei Beerdigungen und Trauergottesdiensten sei bekannt, sagt Direktionsvorsteher Urs Wilk (FDP). Daher habe Köniz mit den Kirchen eine «relativ pragmatische Lösung getroffen». Diese besagt, dass man das Polizeiinspektorat auf Trauerfeiern hinweisen kann und dieses dann keine Kontrollen durchführt. Auch dies hatte das Ehepaar am Schalter in Köniz vorgeschlagen – «vergeblich», sagt Jenni. Karten in der Schublade Jennis handelten richtig, als sie sich nach Möglichkeiten erkundigten, sagt Urs Wilk. «Dass sich die Familie unfreundlich und vielleicht sogar inkompetent behandelt fühlte, bedauern wir sehr.» Jennis zeigen sich erfreut über Wilks Reaktion. Sie hoffen, dass künftig alle Trauerfamilien freundlich behandelt werden. Eine konfliktfreie Lösung hat das Altersheim Weyergut parat. Seit längerem hat Heimleiter Rolf Bayer immer etwa zwanzig Gemeindeparkkarten vorrätig, die er an Besucher verkauft. Das wussten Jennis nicht. Katharina Merkle>

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