Schach und Stunts am zweiten Kongresstag

Thun

Ein Pokerface brauche man ab und zu im Leben: Das war der Tenor der Referenten am zweiten Eventum-Kongresstag. Bei den Kongressteilnehmern hingegen herrschte keine solche Einigkeit.

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Pokerface. Unter diesem Motto stand die zweite Ausgabe des Eventum-Kongresses im KKThun. Mit Referaten und Workshops nahm sich die zweitägige Veranstaltung der Frage an, in welchen Situationen man ein Pokerface – eine gefühllose Mimik – aufsetzen muss, und wann man «all in» gehen müsse – in der Pokersprache also auf volles Risiko spielt.

Unter den Kongressteilnehmern waren etliche Pokerfreunde. Zum Beispiel Alain Marti, der auch im Geschäftsleben manchmal ein Pokerface benötigt. Der Eventum-Kongress sei gut gemacht, dünkt es den Thuner Kinobetreiber, das Programm interessant. Gefallen gefunden habe er vor allem am Vortrag von Dr.Stress.

Dr.Stress ist Sabine Schonert-Hirz. Ihr Spezialgebiet ist das Stressmanagement. Den Kongressteilnehmern führte sie vor, wie man mit den An- und Überforderungen des Lebens klarkommt. Unter anderem durch eine Abkehr vom Perfektionismus: «Treten Sie etwas kürzer», rät sie, und als Tipp gegen die Müdigkeit: «Gehen Sie einfach 30 Minuten früher ins Bett.» Gefallen fanden aber vor allem die Anti-Stress-Übungen, die Schonert-Hirz vorführte. Die Kongressteilnehmer machten freudig die vorgezeigten Leibes- und Geistesübungen mit.

Auch Daniel Roth von Global IT Services in Hünibach hat Spass daran gehabt. Die Vielfältigkeit des Programms hat ihn zum Kongressbesuch animiert. «Man sieht in Sachen hinein, die einen auch im Geschäftsleben beschäftigen.» Etwa, dass Schach durchaus Gemeinsamkeiten mit dem Geschäftsleben hat.

Die fünffache Schweizer Meisterin und Schachgrossmeisterin Monika Müller-Seps meinte: Die Strategien sind die gleichen. Ob im Schach oder in Verhandlungen mit dem Chef – es gelte: «Pokerface aufsetzen und souverän auftreten.» Selbstbewusstsein sei im Schach alles: Wer es am Spieltisch nicht ausstrahle, habe schon verloren.

Jeder Schachspieler kenne zudem die Situation: «Mitten im siegesgewissen Angriff macht der Gegner einen überraschenden Zug, und alles ist wieder offen.» Das Schachspiel ist für Müller-Seps denn auch eine Lebensschule. «Durch das Schach habe ich früh gelernt, mit Veränderungen umzugehen.»

Spielfreudige konnten danach im Rahmen der angebotenen Workshops gegen Monika-Seps antreten – und staunen. Die erst 29-Jährige bewegt ihre Figuren, dass man denkt, sie denke nicht. Und dem ist tatsächlich so: Sie habe so viele Stellungen im Kopf, dass sie die Figuren intuitiv führe, sagt sie. Und wurde sie ernsthaft gefordert an diesem Nachmittag? Nicht wirklich. Einer habe vom Spielfeldrand kundige Kommentare abgegeben. «Aber spielen wollte er nicht.»

Ruppiger als im Schach gehts in Bettina Stuckis Beruf zu und her. Die Stuntfrau referiert über ihren Werdegang: «Schon als Kind habe ich wenig Schmerz empfunden.» Das ist gut, denn Verletzungen gehören in ihrem Beruf dazu: «Wenn ich eine Treppe hinunterfalle, dann habe ich blaue Flecken, klar, dank Training kann ich aber Knochenbrüche vermeiden.»

Ein Pokerface braucht sie öfters, seit sie Mutter ist: «Meine Auftraggeber dürfen nicht den Eindruck bekommen, ich könnte einen Stunt kurzfristig absagen, weil ich Kinder habe.»

Ein Pokerface braucht auch Natacha. Die Schweizer Mundartsängerin war lange die Einzige in ihrer Sparte: «Deshalb konnte ich nicht auf die Erfahrungen anderer zurückgreifen.»

Also verliess sie sich auf ihre Intuition, «den schnellsten Computer der Welt: unseren Körper» – und manchmal auch auf das Pokerface. Ihr Tipp an die Besucher: «Reagiere anders, als die Leute es erwarten. Nicht nur das Vis-à-Vis ist stark, sondern auch man selbst.» Braucht also jeder ein Pokerface? Kongressteilnehmer Daniel Ruchti vom Möbelhersteller Bigla AG verneint.

Er hält wenig von der gesichtslosen Mimik: «Ich brauche kein Pokerface, ich zeige meine Emotionen. Das hat für mich mit Authentizität zu tun.» Ruchti ist am Kongress, um Kontakte zu knüpfen. Die Referenten haben ihm gut gefallen. «Ich konnte von allen etwas mitnehmen.»

Ein Pokerface hingegen braucht Iris Zitta, die Geschäftsführerin einer Seniorenbetreuung, manchmal bei der Arbeit mit komplizierten Familienangehörigen. Den Kongress findet sie sehr gelungen: «Toll, wie es organisiert ist: unkompliziert und ansprechend.» Pokern spielen tue sie nicht: «Ich bin zu bescheuert für das Spiel.»

Thuner Tagblatt

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