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Der Borkenkäfer meldet sich zurück

Die Förster in der Region Thun beobachten diesen Herbst die Nadelbäume genauer als sonst. Grund dafür ist der Borkenkäfer, der sich nach dem heissen Sommer zu vermehren droht.

So sieht Baumrinde aus, die vom Borkenkäfer befallen wurde.
So sieht Baumrinde aus, die vom Borkenkäfer befallen wurde.
Hanspeter Maurer

Der Borkenkäfer durchstreift das dichte Unterholz auf der Suche nach seinem nächsten Opfer. Er hat Zeit, denn er weiss: Davonlaufen kann es ihm nicht. Der süsslich herbe Geruch einer kranken Fichte liegt in der Luft. Sein Magen krampft sich zusammen. Und schon erspähen seine schmalen Augen den rötlichen Baum. Zufrieden gleitet sein Blick über den vernarbten Stamm.

Der sichere Tod des Baumes

Geschwächte und kranke Bäume sind das bevorzugte Ziel von Borkenkäfern. Sie produzieren weniger Harz und können sich deswegen schlechter gegen den Eindringling wehren, der sich unter ihrer Rinde (Borke) einzunisten versucht. Der heisse Sommer und der damit verbundene Wassermangel hat viele Bäume im Kanton Bern geschwächt.

Das kantonale Amt für Wald hat einen deutlichen Anstieg von Buchdruckern und Kupferstechern festgestellt – den beiden im Kanton verbreiteten Borkenkäferarten. Das Amt fordert deshalb die Waldbesitzer auf, «ihren Wald gut zu beobachten und befallene Bäume frühzeitig dem Revierförster zu melden». Dieser lege dann die «nötigen Massnahmen» fest, wie es in den Amtsanzeigern heisst.

Findet ein Förster einen Baum, in dem Borkenkäfer hausen oder brüten, wird der Baum gefällt. Anschliessend wird seine Rinde mit einem Entrindungsgerät entfernt, wobei Larven und ausgewachsene Käfer gehäckselt werden (vgl. auch Kasten). «Mit dieser Massnahme wird für nächstes Jahr vorgebeugt», sagt Martin Städeli, Bereichsleiter Waldwirtschaft in der Waldabteilung Voralpen. «Wir möchten, dass möglichst wenig Käfer überwintern.»

Die für den Wald in der Region Thun zuständige Stelle beobachtet den Anstieg der Parasiten aufmerksam, aber nicht alarmiert: «Es ist sicher keine Katastrophe in Gang», sagt Städeli. Von einer Situation wie in den Jahren nach dem Orkan Lothar (1999), als Zehntausende Bäume befallen waren, sei man noch weit entfernt.

Der Borkenkäfer nistet bevorzugt in Fichten. Am innersten Teil der Rinde, am sogenannten Bast, wo der Baum seine Nährstoffe in die Krone und die Äste transportiert, tut er sich gütlich. Auch seine Brut legt der Borkenkäfer hier ab. Die Larven ernähren sich vom frischen Holz des Baumes – und unterbrechen die Transportwege. Für den Baum bedeutet das den sicheren Tod.

Anzeichen früh erkennen

«Der Befall ist örtlich sehr unterschiedlich», sagt Hans-Rudolf Scheuner, Förster im Revier 332. In seinem Wald in Sigriswil, Goldiwil, Heiligenschwendi und Teuffenthal habe sich der Käferbefall «auf einem relativ tiefen Niveau eingependelt». 150 bis 250 Bäume werden pro Jahr wegen der Käfer gefällt. «Wir haben mit einem Anstieg gerechnet, und der ist auch eingetroffen», sagt Scheuner.

Der Anstieg falle jedoch «relativ leicht» aus, sei innerhalb der üblichen Wellenbewegung und nicht alarmierend. Weil sich ab 1200 Meter über Meer die Laubwälder lichten und die Fichten-Tannenwälder das Waldgebiet dominieren, sind die höher gelegenen Waldgebiete anfälliger für den Borkenkäfer.

«Wir haben einen erhöhten Befall», sagt ebenfalls der Förster der Burgergemeinde Thun, Jakob Schneiter. «Im Alarmbereich sind wir aber noch nicht.» 50 befallene Bäume habe man dieses Jahr aus dem Burgerwald entfernt, hauptsächlich aus dem Grüsisbergwald. In den Vorjahren seien es jeweils nur eine Handvoll Bäume gewesen. Damals seien die Bäume jedoch nicht gezielt kontrolliert worden.

«Damit der Befall rechtzeitig bemerkt wird, braucht es eine minutiöse Einzelbeobachtung der Bäume», sagt Schneiter. «Mit der Zeit weiss man, wo die Populationen sind, und kann sie gezielt verfolgen.» Die Anzeichen für einen Befall sind primär die sägemehlähnlichen Spuren, die der Käfer bei seiner Arbeit hinterlässt. Später kommen eine rötliche Färbung der Baumkrone und ein harzvernarbter Stamm hinzu. «Wenn man schon von weitem sieht, dass der Baum nicht in Ordnung ist, ist es meistens zu spät. Die Käfer sind bereits ausgeflogen.»

Wachsamkeit im Oberland

Auch im Berner Oberland wird der Wald aufmerksam beobachtet. «Man ist etwas unsicher», fasst Andreas Lötscher, stellvertretender Abteilungsleiter der Waldabteilung Alpen, die Lage zusammen. «In den letzten Jahren haben die Käferpopulationen zugenommen, deshalb sind wir dieses Jahr besonders aufmerksam. Wir sind der Auffassung, die Lage im Griff zu haben.»

Ob sich der Borkenkäfer weiter vermehrt, wird neben den Massnahmen der Förster der kommende Frühling entscheiden. Die Förster hoffen auf einen nasskalten April und Mai, damit sich die Larven langsamer entwickeln.

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