Thun

Das bürgerliche Dilemma

ThunTT-Chefredaktor Stefan Geissbühler kommentiert den Rücktritt von Regierungsrat Philippe Perrenoud.

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Nach Andreas Rickenbacher wirft auch Philippe Perrenoud vorzeitig das Handtuch. Ersteren zieht es aus dem Regierungsrat in die Privatwirtschaft, Letzterer sehnt sich nach einer Wende hin zu einem privateren Leben. Die Genossen setzen mit ihren – notabene offenbar intern nicht mal abgesprochenen – Rücktritten ihre eigene Partei unter Zugzwang, wecken Begehrlichkeiten bei den Mitteparteien und stürzen die Bürgerlichen, allen voran die SVP, in ein Dilemma.

Das erklärte Ziel der Bürgerlichen ist es bekanntlich, die seit 2006 herrschende rot-grüne Mehrheit im Regierungsrat zu kippen. Auf dass die Kohabitation à la bernoise – linke Regierung versus bürgerliches Parlament – ein Ende haben möge. Was für klare Verantwortlichkeiten sorgen und suboptimale Blockaden zwischen Parlament und Regierung beseitigen würde.

Doch wie soll der Hosenlupf gelingen? Man erinnere sich an die Wahlen 2006: SVP und FDP gingen mit ihrem Sechserpaket aufs Ganze – und kassierten eine schallende Ohrfeige. Der Machtanspruch mobilisierte nicht die eigene Wählerschaft, sondern die politischen Gegner. Die SVP rateburgert derzeit intern, wie weit sie dieses Mal gehen will – ob sie lediglich einen zweiten Regierungssitz oder gar einen dritten anstreben will.

Bis am Dienstag wurde der Thuner Stadtpräsident Raphael Lanz (SVP) als aussichtsreich(st)er Kandidat für den Rickenbacher-Sitz gehandelt. Mit der Doppelvakanz sieht das aber anders aus. In der Poleposition für Perrenouds Jura-Sitz steht SVP-Grossrat Manfred Bühler, SVP-Regierungsrat Christoph Neuhaus scheint fest im Sattel zu sitzen. Wie gesagt wird es sich die SVP gut überlegen, gleich drei Sitze anzustreben. Und dass gleich zwei neue SVP-Mitglieder den Sprung in die Regierung schaffen werden, ist mehr als fraglich. Ein Regierungsrat Lanz ist seit Dienstag eher unwahrscheinlich.

Eines ist klar: Der Wahlwinter auf kantonaler Ebene – die Ersatzwahl für den Regierungsrat ist auf den 28. Februar angesetzt – verspricht Hochspannung.

Mail: stefan.geissbuehler@thunertagblatt.ch

Erstellt: 08.09.2015, 19:10 Uhr

TT-Chefredaktor Stefan Geissbühler. (Bild: Patric Spahni)

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