Zum Jubiläum öffnet das Schloss die Türen

Oberdiessbach

Die Aktivitäten zum 350-Jahr-Jubiläum des Schlosses Obderdiessbach lassen sich viele Interessierte nicht entgehen. Auch diejenigen zum 800-Jahr-Jubiläum der Gemeinde locken viele an.

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Mit Schwung fährt der Wagen auf den Parkplatz, und gleich öffnet sich die Türe. «Bin ich zu spät? Ich hoffe nicht», sagt Sigmund von Wattenwyl und erwähnt, dass soeben die Weinflaschen für den Sponsorenapéro angeliefert worden seien und die Schulklasse noch einen Wunsch gehabt habe. «Die Kinder üben für ihre Vorstellungen im Juni von Mozarts ‹Entführung aus dem Serail› im Schlosspark fast täglich bei uns – und auch die Brassband Oberdiessbach bereitet bereits die Proben für ihr Musiktheater ‹Dr Pfarrer hets gwüsst› im August vor.»

Eilig geht er voran. «Wir sind überrascht, wie gross das ­Interesse am 350-Jahr-Jubiläum unseres Schlosses und an den gemeinsamen Aktivitäten mit dem 800-Jahr-Jubiläum der Gemeinde ist», erwähnt er beim Gehen, weist im Restaurant mit der Hand auf den Tisch und setzt sich hin.

Das ganze Jahr über finden in Oberdiessbach seitens der Gemeinde, der Ortsvereine oder der Schlossfamilie Jubiläumsanlässe statt. «Zwar fliegen meiner Frau Martine und mir die Wochen um die Ohren, und wir rennen von einer Aufgabe zur anderen», sagt er und nestelt aus der Mappe Prospekte hervor, die er vor sich hinlegt, «aber es bereitet uns allen riesige Freude, dieses Doppeljubiläum im Kreise von Familie und Dorf zu begehen.»

Mit Musik aus der Bauzeit

Bei Sigmund und Martine von Wattenwyl, ihren vier Kindern und den zahlreichen Helfenden, die alle aus dem Freundeskreis rekrutiert werden konnten, laufen die Vorbereitungen hinter den Kulissen seit Monaten auf Hochtouren – und derzeit besonders intensiv. Vom 25. bis 27. Mai steht nach den ersten drei von insgesamt fünf Tagen des offenen Schlosses – des Neuen und 1668 erbauten – nun der zweite hauseigene Anlass bevor.

Unter dem Motto «Musique au Château, Versailles – Sanssouci – Oberdiessbach» wartet ein Blumenstrauss klassischer Werke aus den Anfängen des Schlosses auf die Gäste. Doch die vier Jubiläumskonzerte sind restlos ausverkauft, und die Warteliste ist lang. «Wir wurden förmlich überrollt. Innert zwei Wochen waren alle 240 Tickets für die vier Konzerte weg», sagt Sigmund von Wattenwyl. Zusatzvorstellungen seien leider unmöglich, da die Musiker eigene Termine hätten und im Schloss in den kommenden Monaten viele weitere Aktivitäten geplant seien.

Nichts ist heuer zufällig

Nichts in diesem Jubiläumsjahr ist zufällig gewählt oder betitelt. So spannt beispielsweise auch das Motto der Konzerte «Versailles – Sanssouci – Oberdiessbach» ei­nen Bogen zurück in die Bauzeit: Der Erbauer Albrecht von Wattenwyl stand als Söldner im Dienste des Sonnenkönigs Louis XIV, der seinerseits auch komponierte, tanzte und in Versailles die Musik von François Couperin spielen liess. Sogar die tradi­tionellen Open-Air-Jazz- und -Blues­tage vom 21. bis 24. Juni im Schlosspark sind als nächster eigener Jubiläumsanlass dieses Mal spezieller. «Erstmals bieten wir am Donnerstag und Freitag zwei Bluesabende an und lassen eine fünfte Band spielen – dies zudem erstmals in Form von Platzkonzerten im Dorf», kündigt Sigmund von Wattenwyl an.

Diese Auftritte wird die Mac­adam Jazz Band am Samstag bestreiten: um 10.30 Uhr auf dem Postplatz, um 13.30 Uhr beim ­Geschäft Ledermode Neuenschwander und um 15.30 Uhr an der Kirchstrasse (übriges Programm siehe Kasten).

Noch zwei offene Schlosstage

Anfang Mai waren zu den offenen Tagen im Schloss 1200 Personen aus nah und fern nach Oberdiessbach gereist. Sie warfen einen Blick hinter die Kulissen und liessen sich nicht entgehen, die filigranen Details aus alten Zeiten samt den einmaligen Papierfiguren der Künstlerin Isabelle de Borchgrave als höfische Gesellschaft aus nächster Nähe zu betrachten. Noch gibt es zwei weitere Tage des offenen Schlosses: am 28. und 29. Juli je von 10 bis 12 und von 14 bis 16 Uhr.

«Immer wieder ist erstaunlich, wie berührt die Leute von diesen Zeiten sind», sagt Sigmund von Wattenwyl. Die Kontakte seien stets angeregt, und die Menschen würden ihn mit Fragen löchern.

Kunstführer und Lichtbilder

Im Jubiläumsjahr stehen im Schloss noch zwei weitere Ereignisse bevor. Im Herbst erscheint in der Reihe der Kunstführer ein neuer Band: «Schloss Oberdiessbach», unter der Schirmherrschaft der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, in Deutsch und in Französisch sowie als E-Book. «Wir haben der Redaktion die Texte und Bilder für das Alte und das Neue Schloss abgegeben, nun stehen die Gestaltung und die Überarbeitung bevor», sagt Sigmund von Wattenwyl voller Vorfreude.

Den Schlusspunkt im Jubi­läumsjahr setzt schliesslich die Beleuchtung der Hauptfassade des Schlosses am 7. Dezember in Form von Lichtbildern: «Son et Lumières». «Dies ist ein absoluter Höhepunkt für uns alle», sagt von Wattenwyl. Es werde ein imposanter Schlusspunkt des Jubiläumsjahres werden. «Die Lichtbilder werden mit einer Licht­installation von der Dresdener Künstlerin Claudia Reh und weiteren Elementen ergänzt, die vom Lichtfestival Murten zur Verfügung gestellt werden.»

Eigener «Wattenwyl-Taler»

Eigens für das 350-Jahr-Jubi­läum Neues Schloss Oberdiessbach soll auch die Süsse des Lebens zum Zuge kommen: «Meine Frau hatte die perfekte Idee, einen ‹Wattenwyl-Taler› in Form eines Marzipan-Haselnuss-Lebkuchengebäcks herzustellen», sagt Sigmund von Wattenwyl. Auf der Vorderseite ist das Neue Schloss als Relief zu sehen, welches von zwölf Engelsflügeln eingerahmt ist.

«Sie symbolisieren die zwölf Generationen der von Wattenwyls, die seit 1668 das Schloss bewohnen», erklärt er und reicht die Prospekte über den Tisch. Mit einem zwinkernden Auge steht er auf und zückt vor dem Abschied auch einen ‹Wattenwyl-Taler› aus der Tasche: «Ich hoffe, dass er mundet», sagt er und schmunzelt, «jetzt muss ich leider weiter zum nächsten Termin.»

Kulturplatz SRF: In der Sendung von Mittwochabend zur Hochzeit im britischen Königshaus war SRF auch zu Besuch im Schloss Oberdiessbach (Sendung ist aufgeschaltet, srf.ch).

Thuner Tagblatt

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