Zürcher übernehmen die Thunerseespiele

Verwaltungsratspräsidentin Elsbeth Jungi Stucki verkauft das Lebenswerk ihres Mannes an Freddy Burger Management in Zürich, einem der grössten Player in der Schweizer Unterhaltungsindustrie.

Glückliche Gesichter bei der Vertragsunterzeichnung im Grandhotel Giessbach: Freddy Burger (links), Elsbeth Jungi Stucki und Stephan Zuppinger besiegelten am letzten Montagabend mit ihren Unterschriften den Besitzerwechsel der Thunerseespiele.

Glückliche Gesichter bei der Vertragsunterzeichnung im Grandhotel Giessbach: Freddy Burger (links), Elsbeth Jungi Stucki und Stephan Zuppinger besiegelten am letzten Montagabend mit ihren Unterschriften den Besitzerwechsel der Thunerseespiele.

(Bild: zvg)

Die Mitteilung kam am Dienstagabend einigermassen überraschend: «Wir schaffen eine Win-win-Situation, um im umkämpften Veranstaltungsmarkt langfristig zu bestehen», wird darin die Thunerseespiel-Produzentin und Verwaltungsratspräsidentin Elsbeth Jungi Stucki zitiert.

Will heissen: Per 1. Januar 2019 übergibt die aktuelle Besitzerin das Lebenswerk ihres verstorbenen Ehemanns und Seespiel-Mitbegründers Res Stucki an Freddy Burger und seine ­Management-Gruppe, welche bereits seit drei Jahren für die PR-Arbeit des Unternehmens ­zuständig ist: «Ich bin glücklich, den Schweizer Marktleader im Musicalgeschäft als Käufer gefunden zu haben», so Jungi Stucki weiter.

«Ich bin glücklich, den Schweizer Marktleader im Musicalgeschäft als Käufer gefunden zu haben.»Elsbeth Jungi Stucki

Sie sei zuversichtlich, nach dem diesjährigen Erfolg mit Cats und dem bevorstehenden Musical «Mamma Mia!» ein gesundes Unternehmen übergeben zu ­können. Elsbeth Jungi Stucki war am Dienstagabend nicht bereit, weitere Auskünfte zu geben.

Auch der Verkaufspreis der Thunerseespiele wurde nicht kommuniziert. Nur so viel: Sie und Geschäftsführer Stephan Zuppinger wollen auch nach der Übernahme «ihr Know-how als Bindeglied und Berater zur Verfügung stellen».

«Wie eine Adaption»

Weit auskunftsfreudiger war am Dienstagabend Freddy Burger selber: «Stuckis haben dieses Kind geboren», fasste der erfolgreiche Musikmanager seine Gefühlslage zusammen. «Sie haben viel Geld und Herzblut investiert. Und ich darf dieses Kind jetzt adoptieren.»

«Die Thunerseespiele haben die schönste Festspielbühne Europas. Ich habe deshalb mit einem extrem guten Gefühl zugesagt.»Freddy Burger

Die Thunerseespiele hätten die schönste Festspielbühne Europas. Er habe deshalb mit einem extrem guten Gefühl zugesagt, erklärte der 71-Jährige, der mit seiner Gruppe Marktleader im Schweizer Musicalgeschäft ist und mit der Produktion des Musicals «Lion King» über 350 000 Zuschauer nach Basel lockte.

Genau dieses grosse Beziehungsnetz, das ihn mit den grössten internationalen Rechteinhabern und Produzenten verbindet, sowie die entsprechende Marketingorgansation sollen künftig auch den Thunerseespielen zugutekommen, indem Burger «grosse und gute Produktionen nach Thun holen» will.

«Das Thuner Unternehmen passt aber auch sonst perfekt in unser Portfolio, weil unsere Firma im Sommer in Zürich und Basel keine Musicalproduktionen anbietet», ergänzte Burger.

Vielmehr eröffneten sich mit dem neuen Standort im Kanton Bern und dem Einstieg ins ­Open-Air-Geschäft für seine Firma neue Möglichkeiten dazu, ­Synergien zu nutzen und die bestehende Infrastruktur zu optimieren.

«Wir wären ja blöd»

Der Verkauf soll aber keine negativen Auswirkungen auf die zehn Festangestellten der Thunerseespiele oder auf deren Lokalität haben: «Wir werden das bisherige Personal samt dem Thuner Büro im Seespielhaus sowie die vielen freiwilligen Helferinnen und Helfer übernehmen», kündigte Freddy Burger an.

«Das Unternehmen wurde in den vergangenen Jahren sehr professionell geführt. Wir wären ja blöd, wenn wir jetzt alles auf den Kopf stellen würden.»

Das sieht auch der Thuner Stadtpräsident so: «Ich freue mich, dass für die Thunerseespiele eine solch gute Nachfolgeregelung getroffen werden konnte», zeigte sich Raphael Lanz am Dienstag überzeugt.

«Die Freddy-Burger-Gruppe ist eine sehr renommierte Firma mit einer grosser Erfahrung im Musicalbereich.» So gesehen sei der Verkauf auch eine Chance für Thun und die See­spiele.

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