«Wohl besser, wenn ich die Einsprache zurückziehe»

Wie landete der Verputz in der Kanalisation? Ein Mann wurde von der Staatsanwaltschaft wegen Vergehen gegen das Unfallversicherungsgesetz und gegen das Gewässerschutzgesetz bestraft.

Hatte der Verurteilte seinen Angestellten angewiesen, den Verputz in eine Ablaufrinne zu schütten? (Symbolbild/iStock)

Hatte der Verurteilte seinen Angestellten angewiesen, den Verputz in eine Ablaufrinne zu schütten? (Symbolbild/iStock)

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Der 64-jährige Unternehmer aus der Region Thun missachtete seine Arbeitgeberpflichten, indem er einem Mitarbeiter den Gabelstapler überliess, obwohl er gewusst haben soll, dass dieser nicht die entsprechende Ausbildung absolviert hatte und keinen Ausweis zum Führen dieser Fahrzeugkategorie besass. Damit machte er sich des Vergehens gegen das Bundesgesetz über die Unfallversicherung schuldig.

Bauabfall in den Bach

Im Weiteren legte ihm die Staatsanwaltschaft des Kantons Bern, Region Oberland, ein Vergehen gegen das Gewässerschutzgesetz zur Last. Er soll im März des vergangenen Jahres den gleichen Mitarbeiter beauftragt haben, einen Teil des zuvor ausgelaufenen Verputzes mit Wasser in die Ablaufrinne auf der Strasse zu spülen. Dadurch wurde ein Bach in der Region Thun verunreinigt, was eine Missachtung der Sorgfaltspflicht und ein Vergehen gegen das Gewässerschutzgesetz bedeutete.

Wegen der zwei Delikte bestrafte die Staatsanwaltschaft den Mann mit einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je 330 Franken bei einer Probezeit von drei Jahren. Ausserdem wurden ihm eine Verbindungsbusse und Gebühren von total 2150 Franken auferlegt. Weil er dagegen Einsprache erhob, kam es am Freitag zur Hauptverhandlung am Regionalgericht in Thun.

«Habe das Richtige gemacht»

Vor Beginn der Verhandlung machte Gerichtspräsidentin Dorothea Züllig von Allmen den Beschuldigten darauf aufmerksam, dass er die Einsprache noch zurückziehen könne, womit Kosten gespart werden könnten. Dieses Angebot lehnte er vorerst ab, sodass es zur Einvernahme kam.

Ein Wohnungsmieter habe ihn telefonisch verständigt, dass Verputz ausgeleert worden sei. «Ein Augenschein auf der Baustelle bestätigte den Sachverhalt», gab der Mann zu Protokoll. Weil er eine Gewässerverschmutzung befürchtet habe, habe er die Feuerwehr alarmiert. «Damit war ich überzeugt, das Richtige gemacht zu haben», sagte der Beschuldigte. Der Angestellte habe den Verputz von sich aus ausgeschüttet und nicht in seinem Auftrag, erklärte der Mann. Gleichermassen sei es mit dem Gabelstapler gewesen, welchen der Mitarbeiter ohne seinen Auftrag benützt habe.

«Wenn ich es mir genau überlege, ist es wohl besser, wenn ich die Einsprache zurückziehe», sagte der Mann, der ohne Verteidiger erschienen war, schliesslich nach einigem Hin und Her. Damit wird der Strafbefehl rechtskräftig und ihm entstehen Mehrkosten von nur 100 Franken. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 09.02.2018, 15:20 Uhr

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