Wo über den Tod gesprochen wird

Thun

Obwohl der Tod zum Leben gehört, gilt er als Tabuthema. Das soll die Vortragsreihe «Über das Sterben sprechen» des Palliative-Care-Netzwerks Thun ändern.

Organisieren die Vortragsreihe (v.l.): Margrit Schwander, Pfarrerin Reformierte Kirchgemeinde Thun-Stadt, Natalie Pedrini, Geschäftsleiterin Palliative-Care-Netzwerk Region Thun und Corinne Caspar, Altersbeauftragte der Stadt Thun.

Organisieren die Vortragsreihe (v.l.): Margrit Schwander, Pfarrerin Reformierte Kirchgemeinde Thun-Stadt, Natalie Pedrini, Geschäftsleiterin Palliative-Care-Netzwerk Region Thun und Corinne Caspar, Altersbeauftragte der Stadt Thun.

(Bild: Patric Spahni)

«Jeder Mensch stirbt, das ist die einzige Sicherheit, die wir im Leben haben», sagt Natalie Pedrini. «Und trotzdem ist der Tod Tabuthema.» Pedrini ist Geschäftsleiterin des Vereins Palliative-Care-Netzwerk Region Thun. Dieser widmet dem Thema Tod die Vortragsreihe «Über das Sterben sprechen».

Ethiker, Theologen, medizinisches Fachpersonal, aber auch ein Komiker und eine Trauerbegleiterin beleuchten das Thema Sterben an sechs Abenden aus verschiedenen Blickwinkeln. Als Organisatoren und Sponsoren mit dabei sind die Stadt Thun und die Reformierte Gesamtkirchgemeinde. Corinne Caspar, Altersbeauftragte der Stadt, und Margrit Schwander, Pfarrerin der Kirchgemeinde Thun-Stadt, sitzen mit Pedrini im Organisationskomitee. Möglich sei die Reihe allerdings nur dank der finanziellen Unterstützung der Krebsstiftung Thun-Berner Oberland, sagt Pedrini.

«Eine sinnvolle Arbeit»

Natalie Pedrini arbeitet seit bald zehn Jahren in der Palliative Care. «Als ich noch ein Mädchen war, blieben die Älteren in unserer Familie jeweils bis zu ihrem Tod bei uns zu Hause. Das war eine schöne Erfahrung für mich.»

Kurz vor dem Tod könne eine angemessene Begleitung, Behandlung und Pflege durch Ärzte, Pflegepersonal, Seelsorger und Freiwillige den Patienten und deren Angehörigen noch viel mitgeben. «Ich empfinde die Palliative Care als eine sehr sinnvolle Arbeit.» Die Palliative Care beginnt zum Zeitpunkt, an dem feststeht, dass ein Mensch nicht mehr von einer Krankheit geheilt werden kann und diese über kurze oder längere Zeit zum Tod führt. Die Begleitung dauert über den Todeszeitpunkt hinaus – in Form der Betreuung der Hinterbliebenen.

«So ist das Sterben zeitlich gesehen ein kleiner, aber wichtiger Teil unserer Arbeit», sagt Pedrini. Oft erlebe sie, dass Menschen, die sich mit dem eigenen Tod auseinandergesetzt haben, ruhiger und entspannter seien. «Einerseits leben sie bewusster, andererseits wissen sie bereits, was sie sich wünschen, wenn es dann wirklich so weit ist.» Das entlaste auch die Angehörigen.

Sicherheit und Hilfe

Die Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit falle trotzdem vielen Menschen schwer. «Manche haben etwa das Bedürfnis, darüber zu sprechen – können das im engsten Familienkreis aber nicht», sagt Pedrini. Andere mögen sich damit überhaupt nicht befassen. Das soll die geplante Vortragsreihe ändern.

«Wir möchten mit der Vortragsreihe die Gäste ermuntern, sich mit ihrem eigenen Tod zu befassen – aber auch aufzeigen, dass man mit anderen darüber sprechen kann», sagt Pedrini. Der Tod soll kein Tabu mehr sein. Dabei nimmt die Palliative Care eine wichtige Rolle ein: «Wir geben Menschen im letzten Lebensabschnitt und deren Umfeld Sicherheit, nehmen sie und ihre Bedürfnisse ernst.»

«Wir möchten die Gäste ermuntern, sich mit ihrem eigenen Tod zu befassen.»Natalie Pedrini

Oft herrsche Überforderung bei Patienten, weil Ärzte und Pflegepersonal heute mehr Selbstbestimmung zulassen würden: «Viele Menschen wissen gar nicht, welche Möglichkeiten sie haben – etwa wenn es darum geht, Lebensqualität und Symptomlinderung zu fördern, bis zum Lebensende zu Hause gepflegt und begleitet zu werden oder Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen», sagt Natalie Pedrini. Dort will die Palliative Care Hand bieten – und bereits früh informieren, so etwa in der Vortragsreihe, die am Donnerstag, 5. September beginnt.

«Uns ist bewusst, dass das Thema eher Menschen in der zweiten Lebenshälfte anspricht. Doch jeder von uns hat schon Angehörige verloren – jeder ist vom Tod betroffen», sagt Natalie Pedrini. Die Veranstaltungen sind für alle offen.

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