Wo der Kanton den Sparhebel ansetzen will

Thun/Oberland

Im Rahmen des kantonalen Entlastungspakets müssten in Thun die Hotelfachschule und das Berner Bildungszentrum Pflege je eine Million Franken einsparen. Zur Diskussion steht auch die Betreibungsamtsdienststelle in Saanen.

Eine Million Franken soll die Hotelfachschule in Thun ab dem Jahr 2021 einsparen, wird das Entlastungspaket in der Novembersession des Grossen Rats gutgeheissen. (Archivbild)

Eine Million Franken soll die Hotelfachschule in Thun ab dem Jahr 2021 einsparen, wird das Entlastungspaket in der Novembersession des Grossen Rats gutgeheissen. (Archivbild)

(Bild: Patric Spahni)

Nathalie Günter@nathalieguenter

Ab 2021 will die Berner Regierung jährlich total 185 Millionen Franken einsparen. Das trifft auch die Region Thun und Oberland. «Die Mitteilung des Kantons ist alles andere als erfreulich», sagt Christoph Rohn, Direktor der Hotelfachschule Thun. Eine Million Franken soll die Institution ab dem Jahr 2021 einsparen, wird das Entlastungspaket in der Novembersession des Grossen Rats gutgeheissen.

So weit soll es laut Rohn allerdings nicht kommen: «Wir erlebten vor vier Jahren eine ähnliche Situation», sagt der Thuner Schuldirektor. «Mit entsprechendem Lobbying konnten wir damals die vorgeschlagenen Sparmassnahmen abwenden». Deshalb zählt Christoph Rohn auch bei den derzeitigen Entlastungsmassnahmen auf die Unterstützung der Grossräte aus dem Oberland. «Schliesslich», so Rohn, «wissen wir, dass die Schule in unserer touristischen Region sehr gut verankert ist.»

Doch auch wenn die Verantwortlichen ihre Kräfte auf die politische Lobbyarbeit fokussieren wollen, überlegen sie sich gleichzeitig auch, wie sie den geforderten Betrag oder auch Teilbeträge einsparen könnten. Dazu gehören laut Rohn Kompensationsmassnahmen wie das Schaffen neuer Geschäftsfelder im Bereich Bildung oder Beratung, die zusätzliche Vermietung von Schulnebenräumen, aber auch die Möglichkeit, die Schulgelder zu erhöhen.

Thun steht zur Diskussion

In einer ähnlichen Situation wie die Hotelfachschule Thun be­findet sich derzeit auch das ­Berner Bildungszentrum Pflege. Die Institution gilt als das schweizweit grösste Zentrum für ­Aus- und Weiterbildung im Pflegebereich auf tertiärer Bildungsstufe und verfügt neben dem Campus und dem Skills-Center in Bern auch einen Standort an der Krankenhausstrasse in Thun.

Bereits vor vier Jahren stand der Standort Thun zur Diskussion, wobei die Schule aufzeigen konnte, dass eine Integration aller Thuner Studierenden in Bern gar nicht machbar wäre und folglich auch keine finanzielle Entlastung des Kantonshaushalts mit sich bringen würde. Der Grosse Rat entschied sich schliesslich gegen eine Schliessung des Standorts Thun. Diesmal allerdings präsentiert sich die Situation anders: «Der Kanton verlangt zwar wieder, dass wir eine Million Franken einsparen», sagt Direktor Peter Marbet. «Allerdings lässt er diesmal offen, wie wir dieses Sparziel er­reichen.»

Zusammen mit dem Verwaltungsrat will die Schulleitung nun bis im Herbst Sparmöglichkeiten prüfen. Ob der Verzicht auf den Standort Thun eine Option ist, kann Marbet zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Bekannt ist aber bereits heute, dass die Zahl der Studierenden in Thun zurückgehen wird, da im September in Visp eine höhere Pflegefachschule ihre Türen öffnen wird.

Für Peter Marbet ist deshalb schon heute klar, dass sich die Schule nicht grundsätzlich gegen die Sparmassnahmen zur Wehr setzen kann.

Dienststelle gefährdet

Dem Sparhammer zum Opfer fallen soll schliesslich die Betreibungsamtdienststelle Obersimmental-Saanen. Die Schliessung der Dienststelle in Saanen bringt eine Kostenersparnis von 800'000 Franken über die Budgetperiode 2018 bis 2021. Damit fällt auch eine Vollzeitstelle weg. Die Verfahren sollen auf andere Dienststellen verteilt werden.

«Für uns ist dieser Sparvorschlag schwierig», sagt Saanens Gemeindepräsident Toni von Grünigen auf Anfrage. Damit verschwinde eine Anlaufstelle für Bürger, die sich in einer schwierigen Situation befinden. Und die Mitarbeiter der Gemeinde müssten nun häufiger zu den Dienststellen nach Thun oder Interlaken reisen. «Da ist gut und gerne für einen Fall ein halber Tag weg», so von Grünigen. Die Gemeinde und die Bergregion hätten sich im Vorfeld zusammen mit dem Sozialdienst gewehrt und sich direkt an den Regierungsrat gewendet. Ohne Erfolg. Von Grünigen: «Jetzt hoffen wir auf die Unterstützung der Grossräte aus der Region.»

Der Regierungsrat will auch beim Schutz vor Naturgefahren sparen: Projekte, bei denen kein offensichtlich dringlicher Handlungsbedarf besteht, sollen nicht mehr realisiert werden. Pro Jahr würden dabei 50'000 Franken an Beiträgen wegfallen – total also 200'000 Franken bis 2021. Bereits projektierte oder bewilligte Vorhaben würden davon nicht tangiert, hiess es am Montag bei der Volkswirtschaftsdirektion auf Anfrage.

Berner Oberländer

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