Wirtschaftlicher Seitenhieb an die Politik

Die regionale Wirtschaft ist auf Kurs. «Doch die Risiken liegen im politischen Bereich» sagt Präsident Reto Heiz an der Hauptversammlung des Verbandes Wirtschaft Thun Oberland.

Martin Strehl (l.) gratuliert Julian von Känel, der ihn im Vorstand des Verbandes Wirtschaft Thun Oberland ersetzt.

Martin Strehl (l.) gratuliert Julian von Känel, der ihn im Vorstand des Verbandes Wirtschaft Thun Oberland ersetzt.

«Statt Lösungen zu finden, ver­harren die Politiker in ihrem Parteidogma», hielt Reto Heiz, Präsident des Verbandes Wirtschaft Thun Oberland, fest. Gleich 70 Mitglieder waren am Mittwochabend ins Hotel Schützen nach Steffisburg zur zweiten Hauptversammlung des aus der Fusion des Handels- und Industrievereins, Sektion Thun, und des Arbeitgeberverbands Wirtschaftsraum Thun und Berner Oberland hervorgegangenen Verbandes gekommen. «Wir sind auf Kurs und konnten uns in der Öffentlichkeit etablieren und uns in einigen Kommissionen des Wirtschaftsraums Thun etablieren», erläuterte der Präsident.

Wie Reto Heiz weiter ausführte, seien die Erwartungen an die wirtschaftliche Entwicklung 2019 durchaus positiv. Dies habe eine im Herbst vom Verband durchgeführte Wirtschaftsumfrage gezeigt. Und der Präsident kam in seinem Jahresbericht eben auf die Politik zu sprechen. «Die Risiken liegen im politischen Bereich», sagte er. Und weiter: «Sowohl auf internationaler wie auch auf nationaler Ebene stelle ich fest, dass die Politik die wachsenden Herausforderungen eher verdrängt, als konkrete Lösungen und gangbare Kompromisse zu erarbeiten.»

Baustellen ein Ärgernis

Reto Heiz ging ebenso auf die Thuner Baustellen ein. «Sie prägten das vergangene Jahr und waren für viele ein Ärgernis», so der Verbandspräsident mit Blick auf die im März auf den Thuner Verkehrsachsen gestartete zweite Bauetappe. «Bevor wir wieder mit dem Finger zeigen, sollten wir aber zuerst selber überlegen, was wir beitragen können, um die Stausituation zu verbessern», betonte Heiz. So etwa überlegen, ob wirklich jede Fahrt notwendig ist, oder zum Beispiel Fahrten auch mal in weniger frequentierte Tageszeiten verschieben.

Politik fehlt Mut

In seinem Gastreferat ging Gian-Luca Lardi, Vizepräsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes und Zentralpräsident des Schweizerischen Baumeisterverbandes, ebenfalls auf die Entwicklung der Schweizer Wirtschaft ein. Als Herausforderungen ortete er die De­mo­grafie und den Mangel an Fachkräften. «Die Demografie ist ein Spannungsfeld zwischen jungen und alten Menschen», sagte Lardi. Weil immer weniger Arbeitstätige für immer mehr AHV-Bezüger aufkommen müssen, drohe ein Generationenkonflikt.

Zumal sich das Vermögen erwiesenermassen zunehmend bei den Rentnern kumuliere. «Sollen junge Leute Rentner finanzieren, wo das meiste Vermögen liegt?», fragte Gian-Luca Lardi in die Runde und fügte gleich an: «Die Politik hat nicht den Mut, dies zu korrigieren.» Herausforderungen ortete der Vizepräsident ebenso in Sachen Fachkräftemangel. «Beim fortlaufenden Bevölkerungswachstum wird in zehn Jahren eine noch grössere Lücke bestehen», meint er.

Neu in den neunköpfigen Vorstand wählte die Versammlung ­schliesslich Julian von Känel, ­Leiter der Generalagentur der Mobiliarversicherung in Thun. Er ersetzt Vizepräsident Martin Strehl, der Präsident des Arbeitgeberverbands Wirtschaftsraum Thun ist. Zudem hiessen die ­Mitglieder einen Antrag des Vorstandes gut, aufgrund der positiven finanziellen Lage die Mitgliederbeiträge um 25 Prozent zu senken.

Thuner Tagblatt

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