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«Wir müssen uns der Kritik stellen»

Am Samstag findet in Thun der 83. Pelz- und Fellmarkt statt. Mit der aktuellen Ausgabe endet das Engagement des OK-Präsidents Fred Bohren nach 17 Jahren. Im Interview spricht er über Werte in der Jagd und Gegner der Hatz.

«Wir haben die Kritiker immer ernst genommen», sagt Fred Bohren. Er tritt als OK-Präsident des Pelz- und Fellmärit in Thun ab.
«Wir haben die Kritiker immer ernst genommen», sagt Fred Bohren. Er tritt als OK-Präsident des Pelz- und Fellmärit in Thun ab.
Stefan Kammermann

Fred Bohren, 17 Jahre standen Sie dem OK des Pelz- und Fellmarkts vor. Jetzt ist Schluss. Warum jetzt?Fred Bohren: Ein solcher Anlass lebt auch von neuen Ideen. Mittlerweile ist viel zur Routine geworden, deshalb ist es an der Zeit, dass nun jemand Neues kommt, mit neuen Ideen. Die Voraussetzungen für eine Nachfolge stehen gut.

Sie haben also genug von der Jagd?Nein. Von der Jagd bestimmt nicht und auch nicht vom Pelz- und Fellmarkt. Wenn einen das entsprechende Fieber einmal erfasst hat, ist man immer dabei. Ich werde weiter aktiv an der Jagd teilnehmen. Darauf freue ich mich.

Wie manchen Fuchs haben Sie in der laufenden Jagdsaison erlegt?Aufgrund des Wetters herrsch­ten schwierige Bedingungen. Ich werde heuer zwei Fuchsbälge an den Markt bringen. Waidmannsglück hatte ich zudem auf der Hirschjagd.

Inwiefern?Ich konnte zwei Hirschstiere erlegen.

Der Pelz- und Fellmarkt in Thun ist der grösste Jägeranlass im Kanton Bern. Was hat sich in den letzten Jahren verändert?Als der Anlass einst jeweils am Mittwoch, als Vatertag der Jäger, stattfand, sank die Zahl der Teilnehmer. Mit dem Verlegen auf den Samstag und der Naturausstellung zu aktuellen Jagdthemen wie auch dem Jägertreff auf dem Mühleplatz konnten wir eine positive Entwicklung ein­leiten.

Es ist Ihnen also gelungen, mit dem Markt mehr Aufmerksamkeit für die Jagd zu wecken?Zum Teil, es gibt nach wie vor Leute, die nicht in die Stadt kommen, wenn in Thun der Fellmarkt ist. Es gibt aber auch Interessierte, die gerade deswegen kommen und auch das Gespräch mit der Jägerschaft suchen. Die Trophäenausstellung wie auch der eigentliche Fellhandel werden indes kaum von der nicht jagenden Bevölkerung besucht.

Der Markt wurde ja immer wieder kritisiert. Gerade in den letzten Jahren gab es regelmässig Demonstrationen.Wir haben die Kritiker immer ernst genommen und nicht zuletzt dank der guten Zusammenarbeit mit der Stadt Thun und der Polizei immer gute Lösungen gefunden. Es geht ja auch um Demokratie. Wir müssen uns der Kritik stellen. Allerdings gilt es auch, klar zu unterscheiden. Die Jägerschaft steht nicht hinter Pelzen, die in Wildtierfarmen gezüchtet werden. Das geht nicht. Wenn wir als Jäger ein Tier im Sinne von Regulierungsarbeit erlegen, ist es doch wichtig, dass dieses auch sinnvoll genutzt wird. Ich habe Mühe, wenn wir alle in den gleichen Topf geworfen ­werden.

Aber waren die Demonstrationen nicht zermürbend?Sie waren belastend. Ich war immer froh, wenn alles friedlich abgelaufen war.

Haben die Jäger denn das Gespräch mit den Demonstrierenden gesucht?Mit dem Markt selber versuchen wir aufzuzeigen, dass es die Jäger gibt. Der Anlass hat das Ziel, mit der Bevölkerung ins Gespräch zu kommen und aufzu­zeigen, welche Arbeit die Jagd beinhaltet und welcher Sinn dahintersteckt.

Ist der Markt überhaupt noch zeitgemäss, wenn der Fuchsbalg seit Jahren nichts mehr gilt?Die Existenz des Marktes darf nicht vom Fellpreis abhängig werden. Er wird bestimmt weiter bestehen und auch in Zukunft der Stolz der Jäger sein. Weil sie Trophäen und Felle zeigen und an den Markt bringen können. Zumal es im Kanton Bern keinen einzigen Anlass gibt, wo die Jäger auf sich aufmerksam machen können.

Dennoch, die Wirtschaftlichkeit muss doch letztendlich gegeben sein?Das ist so. Wir können auf langjährige Sponsoren zählen und werden diesbezüglich weitere Anstrengungen unternehmen. Wie gesagt, wir dürfen nicht von reinen Zahlen ausgehen. Weil ein solcher Anlass praktisch die einzige Möglichkeit ist, der Bevölkerung aufzuzeigen, was die Jagd bedeutet. Deshalb lohnt es sich, auch wenn die Fellpreise im Keller sind. Zudem wurde der Markt im Jahr 2012 in die Unesco-Liste für lebendige Traditionen aufgenommen. Dies ist eine grosse Anerkennung.

Und das bedeutet?Dass wir bei Bedarf auf öffentliche Gelder zurückgreifen könnten. Dies war aber bislang noch nie der Fall. Unsere Rechnung geht noch auf.

Sie geben dem Markt also gute Chancen für die Zukunft?Ja, wenn wir als Jäger in Zukunft mit denselben Steinen bauen, die wir haben, wird es den Markt noch lange geben.

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