Wie sich Jugendliche in Parlamenten einbringen

Thun

Im Berner Oberland und in Bern sind insgesamt 80 Jugendliche in Parlamenten engagiert. Sie bringen sich auf vielfältige Art und Weise ein – wenn auch in unterschiedlicher Form.

Vielfältig und vernetzt: Die Jugendparlamente in Bern und im Oberland.<p class='credit'>(Bild: PD)</p>

Vielfältig und vernetzt: Die Jugendparlamente in Bern und im Oberland.

(Bild: PD)

Wer gehört in den Nationalrat? Ein Drittel aller Stimmberechtigten zwischen 18 und 25 Jahren antworteten bei den Wahlen 2011 auf diese Frage. Viel zu wenig, dachte sich Patricia Mutti (20) aus Bönigen vor drei Jahren und telefonierte darum ihrem Schulkollegen Dimitri Rougy (20).

Beide waren sich einig, dass sie junge Leute für Politik begeistern wollen, und gründeten darum das Jugendparlament (Jupa) Berner Oberland. Drei Personen und Statuten, mehr sei dazu nicht nötig gewesen, erinnert sich Rougy: «Einen Verein zu gründen, ist nicht schwierig, Mitglieder zu finden, schon», lautete die Devise.

20 Mitglieder aus dem ganzen Oberland zählt der Verein aktuell, inklusive der 8 Personen des Vorstandes, alle jünger als 25. Rougy denkt, dass der Zeitgeist für diese kleine Mitgliederzahl verantwortlich sei. Junge Leute wollten sich nicht an ­Organisationen binden und über eine längere Zeit an der gleichen Sache arbeiten.

Junge in den Grossrat

Mutti und Rougy, die sich das Präsidium teilen, passen darum die Vereinsanlässe den Bedürfnissen ihrer Zielgruppe an. So bei der Kampagne für die Berner Grossratswahlen: Ab dem 3. Februar organisiert das Jupa sieben Anlässe im ganzen Oberland. Immer an Orten, an denen sich junge Leute tummeln – Skateparks zum Beispiel.

Mit diesen Events will das Jupa erreichen, dass junge Leute Kandidierende ihrer Generation wählen. «Ein Rat soll die Gesellschaft abbilden. Das geschieht aber im Moment nicht, weil fast alle Mitglieder des Grossrates über 50-jährig sind», klagt Rougy. Der zweite Kanal, auf dem das Jupa Wahlkampf macht, ist das Internet. Auf Instagram, Facebook und Youtube überträgt das Jupa die Anlässe in Echtzeit und teilt Informationen zu den Wahlen.

Wertvolles Netzwerk

Auch Artikel in Medien, in denen über das Jupa berichtet wird, erscheinen auf dessen Social-Media-Kanälen. Etwa die Texte der Gratismedien «20 Minuten» und «Watson» vom April 2017. Damals beschloss der Grosse Gemeinderat von Interlaken, dass auf Anlagen der Kindergärten und Volksschulen niemand mehr Velo oder Skateboard fahren darf.

Das Jupa organisierte dagegen eine Demonstration und lancierte eine Petition. Aus dem Engagement ist eine Gruppe entstanden, in der Gemeindevertreter mit jungen Leuten beraten, wie sie den öffentlichen Raum nutzen wollen. An Debatten teilnehmen können Mitglieder des Jupa auch im Grossen Gemeinderat von Interlaken. Zwei Delegierte üben dort alle parlamentarischen Rechte aus, dürfen aber nicht abstimmen.

Auch pflege das Jupa Kontakte zu Leuten, die Einfluss nehmen könnten auf die Politik, sagt Dimitri Rougy: «Jupa-Mitglieder, die politisch etwas verändern wollen, können ihr Ziel dank diesem Netzwerk erreichen.»Flavia von Gunten (20) studiert in Bern. Sie mag Bücher, Kaffee und Sport.

Thuner Tagblatt

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