Wie entwickelt sich die Stadtentwicklung?

Gleich zweimal steht die Direktion Stadtentwicklung der Stadt Thun auf der politischen Agenda: In einer Interpellation sorgt sich die SVP/FDP-Fraktion um Unruhe in der Direktion, die Grünen wollen wieder einen Stadtbaumeister.

«Wir sind immer bereit für Optimierungen. Es gehört zu unserem Alltag, ein Klima zu schaffen, in dem eine konstruktive Arbeit möglich ist» , sagt Marianne Dumermuth (SP), Vorsteherin der Direktion Stadtentwicklung (Archivbild).<p class='credit'>(Bild: Markus Hubacher)</p>

«Wir sind immer bereit für Optimierungen. Es gehört zu unserem Alltag, ein Klima zu schaffen, in dem eine konstruktive Arbeit möglich ist» , sagt Marianne Dumermuth (SP), Vorsteherin der Direktion Stadtentwicklung (Archivbild).

(Bild: Markus Hubacher)

Es war eine überraschende Meldung: Im Januar teilte die Stadt mit, dass Stadtplanerin Beatrice Aebi gekündigt habe – notabene mitten im laufenden Prozess der für Thun sehr wichtigen Ortsplanungsrevision. Der Gemeinderat entschied damals, dass das Planungsamt bis auf weiteres von einer Co-Leitung geführt wird, bestehend aus der stellvertretenden Stadtplanerin Susanne Szentkuti und Anatol Wuwer, Leiter Support und Controlling. In einer «Interpellation zur ­Direktion Stadtentwicklung» schreibt die SVP/FDP-Fraktion nun, von aussen entstehe der Eindruck, als komme die Direktion nicht zur Ruhe.

Erwähnt wird nebst dem Abgang von Stadt­planerin Aebi etwa auch die Aufsichtsbeschwerde zum Fachausschuss Bau- und Aussenraum­gestaltung . Der Vorwurf: Dem Fachausschuss komme entgegen den gesetzlichen Grundlagen de facto Entscheidungskompetenz zu. Die Beschwerde ist derzeit beim Regierungsstatthalter hängig.

«Schaue sehr genau hin»

Marianne Dumermuth (SP), Vorsteherin der Direktion Stadtentwicklung, betont grundsätzlich: «Wir sind immer bereit für Optimierungen. Es gehört zu unserem Alltag, ein Klima zu schaffen, in dem eine konstruktive Arbeit möglich ist.» Die Gemeinderätin zieht aber sowohl in der Beantwortung der SVP/FDP-Interpellation im Hinblick auf die Stadtratssitzung vom Donnerstag als auch gegenüber dieser Zeitung ein klar positives Fazit des ersten halben Jahres nach der Kündigung von Beatrice Aebi: «Ich bin sehr zufrieden.

Die interne Lösung bewährt sich.» Es werde ruhig und konstruktiv gearbeitet. Und: «Wir stecken nicht in einer Routinephase – es gibt sehr viel zu tun. Da ist es äusserst wichtig, dass intern Kontinuität herrscht.» Beim grossen Arbeitsanfall mit Ortsplanungsrevision und diversen laufenden Arealentwicklungen stellt sich die Frage, wie gross die Gefahr der Überlastung ist. «Da schaue ich wirklich sehr genau hin, das sprechen wir immer wieder an», betont Dumermuth. Sie habe etwa darauf geachtet, dass die Sommerferienzeit, während deren weniger Aufgaben anfallen würden, gut genutzt worden sei – auch für die Erholung. Wichtig sei es, Prioritäten zu setzen. Und der Gemeinderätin ist es ein Anliegen, ein «Missverständnis» nochmals aufzuklären: «Es ist nicht so, dass die Stelle von Frau Aebi einfach eingespart wurde.» Die wegfallenden Stellenprozente seien mit Projektleitern neu besetzt worden.

Der Gemeinderat setzt also auf Kontinuität – und nennt dies auch als Grund, warum die Stadtplanerstelle vorläufig nicht öffentlich ausgeschrieben wird. Die SVP/FDP-Fraktion stellt die Frage, ob – und allenfalls wann – die Stelle doch noch ausgeschrieben werde. «Die heutige Leitung hat ja ebenfalls Qualifikationen für Managementaufgaben», sagt Marianne Dumermuth. Bemängelt werde mitunter mangelndes Know-how in Sachen Architektur – dieses sei aber in der Direktion vorhanden. Die Gemeinderätin nennt die Mitwirkung zur Ortsplanungsrevision als nächsten Meilenstein. «Danach schauen wir weiter.»

Beatrice Aebi neu in Wil

Die SVP/FDP-Fraktion schreibt in ihrer Interpellation weiter, «die für Aussenstehende überhaupt nicht nachvollziehbare Auflösung des Arbeitsverhältnisses mit der ehemaligen Stadt­planerin» habe für grössere Diskussionen gesorgt. Diese halten offenbar auch ein halbes Jahr später an: Es gibt weiterhin Gerüchte, die Trennung sei nicht einvernehmlich erfolgt.

Beatrice Aebi hatte gegenüber dieser Zeitung auf Anfrage lediglich ausgeführt, der Entscheid habe in erster Linie auch einen familiären Hintergrund. «Beatrice Aebi hat die Stadtverwaltung auf eigenen Wunsch aus persönlichen Gründen verlassen», sagt Marianne Dumermuth zu diesem Thema lediglich, «der Gemeinderat bedauert ihren Entscheid.»

Beatrice Aebi hat vor wenigen Tagen eine neue Stelle als Stadtplanerin im sankt-gallischen Wil angetreten.

Thuner Tagblatt

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