Wenn volle Betten Glücksgefühle auslösen

Hilterfingen

Er arbeitet dort, wo andere Ferien machen und den Sommer am Wasser geniessen: Felix Milt hat gegenwärtig als Pächter des Hotels Bellevue au Lac in Hilterfingen viel zu tun. Trotz starkem Franken kann er sich dank des schönen Wetters über volle Hotelbetten freuen.

Blauer Himmel und ein Hotel mit Restaurant direkt am See: Felix Milt, Direktor des Bellevue au Lac in Hilterfingen, kann sich derzeit über ein volles Haus freuen.<p class='credit'>(Bild: Patric Spahni)</p>

Blauer Himmel und ein Hotel mit Restaurant direkt am See: Felix Milt, Direktor des Bellevue au Lac in Hilterfingen, kann sich derzeit über ein volles Haus freuen.

(Bild: Patric Spahni)

«Zimmer frei» steht auf dem Schild vor dem Eingang zum Hotel Bellevue au Lac. Auf der Gartenterrasse direkt am Thunersee sind noch die letzten Gäste am Frühstücken. «Gestern um diese Zeit war die Terrasse voll, da hatten wir eine Gruppe mit 55 Personen», erzählt Hoteldirektor Felix Milt.

Heute seien noch mehrere Zimmer frei. Doch klagen will Milt nicht, im Gegenteil. «Das warme und schöne Sommerwetter ist für uns Gold wert», betont er. Zum Beweis führt er den Vergleich zum verregneten Sommer 2014 an. «Wir haben bisher glatt doppelt so viel Umsatz wie im Vorjahr», freut sich der Hotelier.

Vor einem Jahr umgebaut

Schlüssige Vergleichszahlen über eine längere Zeit hat er allerdings noch nicht, weil das Hotel nach einem längeren Umbau erst vor gut einem Jahr wiedereröffnet wurde (vgl. Kasten). «Aber die Bilanz nach dem ersten Jahr fällt sehr positiv aus», meint Milt. So konnte der Betrieb diesen Frühling auch vermehrt von Hochzeiten und Konfirmationsessen profitieren.

Die beiden Bereiche Hotellerie und Restauration tragen etwa gleich viel zum Gesamtumsatz bei. Allerdings seien die Margen in der Hotellerie deutlich höher. Nicht umsonst gelte im Gastgewerbe folgender Spruch: «Das Geld kommt die Treppe runter», erzählt Milt. Genaue Zahlen will er nicht nennen. «Aber die Gewinnmargen sind im Vergleich mit anderen Branchen bei uns nicht sehr hoch.»

Sorgen wegen Frankenkurs

Allerdings lässt auch Milt der starke Franken nicht kalt. Die Buchungen aus dem Euroraum seien zurückgegangen. «Wir versuchen, den Gästen mit Preisrabatten oder Upgrades in bessere Zimmer entgegenzukommen», betont Milt. Je nach Auslastung schwanke der Preis, da könne es durchaus Schnäppchen geben.

Geschätzt werde auch die regionale Gästekarte, welche zu Gratisbusfahrten berechtigt und Rabatte auf Schiffen und Bergbahnen ermöglicht. «Ein solches Angebot gibt es nicht überall», meint Milt. Doch die Folgen des starken Frankens seien noch nicht absehbar.

Vor allem Betriebe an weniger guten Standorten würden leiden. Das Bellevue profitiere auch vom Restaurantbetrieb, der auch viele einheimische Gäste anziehe. «Bei diesem Wetter läuft das natürlich sehr gut», betont Milt.

Kurzfristige Buchungen

Nicht nur mit Wechselkursen haben die Hoteliers zu kämpfen, auch mit dem Buchungsverhalten der Gäste. «Diese sind heute über die diversen Buchungsplattformen genau im Bild über die Preise und wollen als Direktbucher einen Rabatt aushandeln», erzählt Milt.

Zudem nehmen kurzfristige Buchungen immer mehr zu. Da würden Gäste am Bahnhof Thun via Smartphone oder Tablet reservieren und wenig später vor der Tür stehen. «Inzwischen machen Onlinebuchungen über 50 Prozent aller Reservationen aus», sagt Milt. Diese Entwicklung werde weiter zunehmen.

Das Verhalten der Gäste habe sich in den letzten Jahren stark verändert. Eine gute Website mit einfacher Buchungsmöglichkeit sei heute sehr wichtig. Der Rest der Reservationen komme durch direkte Anfragen rein, zum Beispiel von grösseren Firmen aus der Region.

Viele arabische Gäste

Auch die Durchmischung der Gäste habe sich geändert. Vor allem seit Interlaken Tourismus das Marketing übernommen habe, habe man eine viel internationalere Kundschaft. «Dieser Wechsel im Marketing hat sich ausgezahlt», so Milt. Gerade bei Gästen aus dem arabischen Raum spüre man dies.

«In den nächsten Wochen, nach Ende des Ramadans, werden wir viele arabische Gäste haben», erzählt Milt. Er schätzt die neue Kundschaft, die inzwischen 15 Prozent der Gäste ausmacht. Denn bei ihr spiele der starke Franken eine weniger zentrale Rolle.

Doch die Betreuung bringe deutlich mehr Aufwand. Die Leute wollen Tipps, die Réception muss für sie oft ein ganzes Tagesprogramm zusammenstellen. «Aber sonst haben wir keine Probleme. Man muss einfach sehr freundlich sein und auch mal ein kleines Geschenk überreichen», sagt Milt.

Mehrere Faktoren zählen

Um heute als Hotelbetrieb Erfolg zu haben, müssten laut Milt mehrere Faktoren erfüllt sein. Wichtig seien vor allem der Standort, moderne Zimmer, ein einfaches System für schnelle und direkte Buchungen. «Sehr wichtig ist wie eh und je die Freundlichkeit der Angestellten», gibt Milt zu verstehen. Dies schlage sich dann auch in den Bewertungen der Gäste nieder.

«Diese Noten sind sehr wichtig», betont Milt. Allerdings gebe es auch Leute, die falsche Angaben machten. «Da müssen wir dann sofort eine passende Antwort geben», so Milt. Aber insgesamt seien die Noten in letzter Zeit sehr positiv ausgefallen. So wird das Bellevue von den Kunden des Portals Booking.com mit 8,7 von 10 möglichen Punkten als «fabelhaft» bewertet.

Trotz dieser Bewertungen haben die offiziellen Sternekategorien ihre Bedeutung nach Ansicht Milts nicht verloren. Das Bellevue ist als 3-Stern-Superior-Hotel klassifiziert. «Da weiss der Gast, welche Leistungen er zu welchem Preis erwarten kann», sagt Milt.

Verzicht auf längere Ferien

Auch wenn es momentan im Hotel viel zu tun gibt, kann Milt den Sommer am Wasser selber auch geniessen und ab und zu einen freien Tagen einschieben. Am nächsten Wochenende gönnt er sich zudem einen Kurztrip nach Berlin. Auf längere Ferien verzichte er jedoch – nicht wegen des Hotelbetriebs, sondern wegen seiner beiden Hauskatzen.

Auf dem Rundgang durch das Hotel erkundigt sich Milt an der Réception nach dem aktuellen Buchungsstand. Innerhalb der letzten beiden Stunden sind gleich mehrere Reservationen eingetroffen. Somit sind heute nur noch 2 der 34 Zimmer frei. «Die verkaufen wir sicher auch noch», ist Felix Milt überzeugt.

Berner Zeitung

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