Wenn Sonne und Licht Regie führen

Unter dem Titel «Wie Tag und Nacht» eröffnet das Kunstmuseum am Samstag seine 6. Ausstellung im Rahmen der Cantonale Berne Jura. Kunstschaffende aus beiden Kantonen präsentieren sich verteilt auf neun Institutionen. Zu entdecken sind die Werke neu auch auf geführten Touren.

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Wo sonst Schraubkappen in Sicherungskästen die Stromzufuhr sicherstellen, fliesst symbolisch Energie aus Teekannenausgüssen. Statt dass der Maler mit Pinsel und Farben das Zepter führt, verwandelt die Sonne die Plexiglasskulptur in ein sich ständig wandelndes Farbenspiel. Wo üblicherweise in einem Raum das Licht das Sehen ermöglicht, wird das Werk erst in der Dunkelheit sichtbar.

In der neuen Ausstellung im Kunstmuseum ist alles dem Thema «Wie Tag und Nacht» gewidmet. Jede der 21 Kunstpositionen in Thun an der 6. Cantonale Berne Jura, welche insgesamt in neun Institutionen durchgeführt wird, steht im Kontrast von Hell und Dunkel.

Kuratiert haben die Thuner Version der interkantonalen Weihnachtsausstellung Anja Seiler und Katrin Sperry, beides wissenschaftliche Mitarbeiterinnen im Kunstmuseum. Sie waren dieses Mal auch in der lokalen Jury, welche jede Institution jedes Jahr neu zusammengestellt.

Wie Glühwürmchen, die im Dunkeln das Licht suchen

«Wir haben uns eingefühlt in das dominierende Gefühl der meisten Menschen im Winter: die Sehnsucht nach Helligkeit», erzählt Anja Seiler. Sperry ergänzt: «Wie Glühwürmchen in der Nacht suchen auch wir in der nachtdominierten Jahreszeit das Licht.»

Jede Position sei deshalb unter diesem Aspekt ausgewählt worden. «Mich freut besonders», sagt Helen Hirsch, Museumsdirektorin und Mitinitiantin der interkantonalen Ausstellung, «dass Interessierte sich in den neuen ‹Circuits› an zwei Tagen fachlich betreute Bustouren zu allen neun Institutionen führen lassen können.»

Die Cantonale habe sich etabliert, und die Rückmeldungen seien praktisch ausnahmslos positiv. Von den 379 Eingaben seien dieses Jahr 188 Künstlerinnen und Künstler zur Teilnahme ausgewählt worden, und es gebe über 30 Veranstaltungen und Vermittlungsanlässe.

Erst das Tageslicht bringt den Glasstaub zum Glänzen

In Thun zu entdecken sind Filme, Malereien, Fotografien und In­stallationen. Sie stehen im Kontrast von Hell und Dunkel und bieten variantenreiche Lichtformen und Schattenspiele. «Oft arbeiten die Künstlerinnen und Künstler mit Wegwerfartikeln und geben ihnen mit fremden Elementen eine andere Bedeutung und Wirkung», sagt Seiler.

Regelmässig geraten unscheinbare Dinge im Alltag in Vergessenheit – und in dieser Ausstellung würden sie zu neuem Leben erweckt. Maria Tackmann etwa fügte weiterverarbeitete Materialien und natürliche Fundstücke zu einem sinnlichen Weg durch Licht und Farben zusammen, und die Wachs­figuren von Silvia Fuchs laden zum anregenden Dialog.

Die Malerei von Adrian Scheidegger offenbart sogar erst im Tageslicht ihr Gesicht: Er mischt Glasstaub in die Farbe, die sich je nach Lichteinfall auf der Oberfläche in magischen Formen reflektiert.

Wer sich auf das sinnliche Wechselspiel von Licht und Dunkel einlässt und sich von den Farben und Formen berühren lässt, wird belohnt. Je mehr die Betrachtenden das Licht und die Dunkelheit entdecken, desto ­farbiger und intensiver werden Leuchtkraft und Formen.

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