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Wenn Meerestiere ein Selfie knipsen

Mit Filzstiften, Spraydosen, Schablonen und Pinseln waren sie am Werk. An der achten Ausgabe der Propart Urban Art Session gaben sich in der Konzepthalle 6 vierzig Schweizer Künstlerinnen und Künstler die Ehre.

Tiere, Gesichter, Schriftzüge, ein Tag am Meer oder das Matterhorn: Die Motive auf den Leinwänden der Propart-Teilnehmenden könnten unterschiedlicher nicht sein.
Tiere, Gesichter, Schriftzüge, ein Tag am Meer oder das Matterhorn: Die Motive auf den Leinwänden der Propart-Teilnehmenden könnten unterschiedlicher nicht sein.
Patric Spahni
Zwei Tage lang bevölkerten Kunstschaffende und Kunstinteressierte die Konzepthalle 6 in Thun: Zum achten Mal fand am Wochenende die Propart Urban Art Session statt. 40 Künstlerinnen und Künstler aus der ganzen Schweiz gingen mit Pinseln und Spraydosen ans Werk.
Zwei Tage lang bevölkerten Kunstschaffende und Kunstinteressierte die Konzepthalle 6 in Thun: Zum achten Mal fand am Wochenende die Propart Urban Art Session statt. 40 Künstlerinnen und Künstler aus der ganzen Schweiz gingen mit Pinseln und Spraydosen ans Werk.
Patric Spahni
Ein Lokaler am Werk: Juan Rivera verfeinert sein Bild.
Ein Lokaler am Werk: Juan Rivera verfeinert sein Bild.
Patric Spahni
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Auf Tainas Bild schmiegt sich ein kleines, elfenartiges Wunderwesen schlafend an den Rücken eines bunten Fantasietieres, das durch einen nächtlichen Sternenhimmel fliegt. Bei Rips1 – die meisten Artisten wollen nur ihren Künstlernamen nennen – rankt sich dichtes, grünes Gewächs vor dunklem Hintergrund.

Inso Mundo malt schwarze Linien ­– ein Gesicht? – auf weissen Hintergrund, und bei Tony Weiss tummeln sich Badegäste auf der Leinwand, schwimmen im Meer und sonnen sich am Strand.

Es ist Samstagnachmittag, 15 Uhr. In der Konzepthalle 6 in Thun herrscht reger Betrieb. Den vierzig Künstlerinnen und Künstlern bleiben noch vier Stunden dafür, ihre Bilder zu vollenden. Aus Langnau und Lausanne, aus Basel und Biel sind sie an den zweitägigen Anlass Prop­art Urban Art Session gereist. Nun stehen sie vor Leinwänden und bemalen sie mit Filzstiften oder Pinseln, besprühen sie mit Spraydosen oder Airbrush.

Der DJ spielt mal Hip-Hop, mal Reggae, die Besucher wippen mit.Manche Künstlerinnen malen lieber zum selbst gewählten Sound aus Kopfhörern. Keiner lässt sich aus der Ruhe bringen, trotz neugierigen Blicken und herumwuselnden Kindern. Grillduft zieht durch die Halle, wem die Propart-Currywurst nicht zusagt, der greift auf Ciabatta oder Donut zurück.

Hier wird mit Bier angestossen, dort gibts Cappuccino. Zwischenzeitlich bricht die Sonne durch die Wolken, die Leute sitzen draussen an der Aare, beobachten die Malenden und schwatzen. Unter einem Tisch, nahe bei ihren Besitzern Pase und Dr. Drax, fläzen sich die Hunde Brownie und

Daisy. «Der Anlass ist einfach top», schwärmt Dr. Drax. Er selbst sitzt an einer Figur mit riesiger Baseballmütze auf dem Kopf. Sein Bruder Pase malt verschnörkelte Schriftzeichen auf schwarzen Hintergrund.

Einen Raum weiter zeigt die jüngste Generation, zahlreich vertreten, ihr Können: Der New Generation Corner stellt Kindern Farben und Papier zur Verfügung. Mutigere wagen sich mit Stencil, einer Schablone also, und einer Spraydose bewaffnet an die grosse Leinwand, um dort erste Graffiti­gehversuche zu unternehmen.

Im Foyer hat sich eine Schlange gebildet.Die Halle füllt sich, Leute stehen in kleinen Grüppchen vor den Leinwänden und diskutieren: «Das gseht Hammer us», sagt eine junge Besucherin. Die Dame daneben berät mit ihrem Partner, welches Bild wohl am besten ins Wohnzimmer passen würde.

Um halb neun ist es so weit: Der Sieger wird gekürt. Den ersten Platz und damit «1000 Franken bar auf die Kralle», wie Tom Buschor vom OK mitteilt, sichert sich der aus der Romandie stammende Boris. Seit vier Jahren wohnt er in Rubigen, seit drei ist er am Propart anzutreffen. Seine Selfie knipsenden Meerestiere haben Publikum, OK und die anderen Propart-Teilnehmenden überzeugt.

«Darüber freue ich mich enorm», strahlt Boris. Wichtiger als gewinnen sei aber die tolle Atmosphäre und die Begegnungen mit den anderen Kunstschaffenden. Auf der Bühne versorgen jetzt die Berner Rap-Urgesteine Kaiser und Dimitri die Schau- und Hörlustigen mit fetten Beats und cleveren Rhymes.

An der Silent Auction vom Sonntagnachmittag wurden die Kunstwerke versteigert. Die von den Künstlerinnen und Künstlern selber bestimmten Mindestpreise schwanken zwischen 20 und 1000 Franken. Interessierte tragen ihr Angebot für ein Werk selber auf einer Liste ein. Boris’ Unterwasserwelt wollen einige Leute ersteigern, auch das drittplatzierte Matterhorn von Künstler Past ist beim Publikum beliebt.

Im Restaurant Halle 6 sitzen Besucherinnen und Künstler beim Brunch. Manche schlendern über den Marktplatz, wo die Artisten ihre mitgebrachten Werke verkaufen. «Siebdruck», erklärt CRBZ aus Lausanne die vor ihm liegenden Bilder. «Den Preis dürfen Sie selber bestimmen.» Dann verabschiedet er sich von einem anderen Teilnehmer: «Bis nächstes Jahr.»

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