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Wenn die Seidenstrasse lockt

Marlene Hofer (28) war schon immer fasziniert von der Seidenstrasse – und verliebte sich während eines Aufenthaltes in Usbekistan in Land und Leute. Nun baut sie dort eine Manufaktur für traditionelles Handwerk auf.

Marlene Hofer in der Gräberstadt Shah-i-Zinda in Samarkand.
Marlene Hofer in der Gräberstadt Shah-i-Zinda in Samarkand.
PD/Marlene Hofer

«Dass Usbekistan nicht gerade die Reisedestination schlechthin ist, höre ich oft», sagt Marlene Hofer und lacht. Trotzdem entschied die 28-jährige Steffisburgerin sich vor rund zwei Jahren, im Rahmen ihres Tourismus-Studiums an der Fachhochschule in Siders ein Praktikum in jenem zentralasiatischen Staat zu absolvieren.

«Ich war bereits als kleines Mädchen fasziniert vom Orient und von der antiken Seidenstrasse, den Geschichten rund um Marco Polo», sagt sie. Trotzdem sei das Bereisen der Seidenstrasse für sie lange ein Traum gewesen, der eher in die Kategorie «Irgendwann im Leben» gefallen sei.

«Als ich dann wieder einmal eine Doku über Usbekistan schaute, wurde dort ein Reiseunternehmen für deutschsprachige Touristen in Samarkand vorgestellt, das von einem Usbeken geführt wird», sagt Hofer. Statt ihren Traum noch länger aufzuschieben, entschied sie, Nägel mit Köpfen zu machen: Auf der Website des Unternehmens fand sie die Kontaktdaten des Firmenchefs und bewarb sich bei ihm um eine Stelle. Mit Erfolg: «Er hat sehr rasch zugesagt.»

Praktisch: Marlene Hofer konnte auch gleich im Zuhause seiner Grossfamilie unterkommen. Kurz vor der Abreise teilte die Hochschule ihr mit, dass man ein Praktikum in Usbekistan leider nicht anerkennen könne. «Aber nach all der Zeit, die ich bereits in die Organisation gesteckt hatte, beschloss ich, es doch zu machen – und das war die richtige Entscheidung», sagt Hofer.

Sommer in Samarkand

Wenige Monate später fand sie sich in Samarkand wieder – mitten im Sommer. «Da wird es auch mal 40 Grad heiss. Ausflüge plant man daher am besten gleich am Morgen früh ein.» Drei Monate blieb Hofer 2017 in Zentralasien, reiste für die Firma mit Gruppen herum, kümmerte sich um die Website und übersetzte Texte. Einen Kulturschock habe sie nicht gehabt, sagt Hofer.

«Die Leute sind sehr offen, gastfreundlich und neugierig, aber keineswegs aufdringlich.» An gewisse Dinge habe sie sich dennoch gewöhnen müssen. Etwa, dass jedes fahrende Auto ein potenzielles Taxi sei und der Fahrer je nach gewünschtem Zielort entscheide, ob er die Fahrgäste mitnehmen wolle oder nicht.

Oder, dass sie zu einer Hochzeit eingeladen worden sei, die am selben Tag stattgefunden habe – und wenige Stunden später auch wieder ausgeladen, da doch schon zu viele Gäste anwesend gewesen seien.

Manufaktur für Frauen

Rund ein Jahr später reiste Hofer erneut für knapp drei Monate nach Usbekistan und lebte bei der Familie eines dortigen Arbeitskollegen. Mit dessen kleiner Nichte begann sie dann auch, Usbekisch zu lernen: «Kinderfernsehen schauen hat dabei sehr geholfen», sagt sie.

«Mit der Nichte meines Gastgebers Kinderfernsehen zu schauen, hat mir geholfen, Usbekisch zu lernen.»

Marlene Hofer verbrachte 9 Monate in Usbekistan und baut dort eine Manufaktur auf.

Ihr letzter Besuch in Zentralasien ist erst wenige Wochen her: Für Navruz, den Tag, an dem Usbeken den Beginn des Frühlings feiern, reiste Hofer erneut für drei Monate dorthin. Und kam mit einer neuen Idee im Gepäck zurück: Das von ihr gegründete Projekt «Rahmat» (usbek. «Danke») soll Arbeitsplätze für Frauen in der Nähe von Samarkand schaffen.

«Gerade in ländlicheren Gebieten ist es für Frauen in Usbekistan schwierig, eine Arbeit zu finden. Rollenbilder sind dort noch sehr strikt: Die Frau hat den Haushalt zu führen und braucht meist die Einwilligung von Eltern oder Ehemann, um einen Beruf zu ergreifen.» Hofer will eine Manufaktur aufbauen, in der das traditionelle Handwerk gefördert wird.

Dazu zählen Teppichknüpfen, Weben und Seidenstickerei. «Ich möchte damit auch meine Dankbarkeit für die Gastfreundschaft, die ich in diesem Land erlebe, ausdrücken.» Ein befreundeter Usbeke hilft Marlene Hofer, ein Grundstück besitzen die beiden bereits.

Nun geht es darum, einen Verein zu gründen, Sponsoren zu finden, um den Bau der Manufaktur zu finanzieren und ein kleines Polster anzulegen, von dem erste Löhne bezahlt werden können. Die Produkte sollen später sowohl in einem Geschäft vor Ort als auch in der Schweiz verkauft werden.

Zukunft in Zentralasien?

Marlene Hofer hat unterdessen ihre Ausbildung beendet und ist auf Jobsuche. Momentan arbeitet sie im Gastgewerbe und kümmert sich um den Aufbau von Rahmat. Zieht sie irgendwann ganz nach Usbekistan? «Aktuell plane ich das nicht. Doch wenn das Projekt gut läuft, fände ich es toll, wenn ich dafür noch oft nach Usbekistan reisen darf.»

Ihre Erlebnisse aus Usbekistan teilt Marlene Hofer auf ihrem Blog www.sariq-qiz.com. Am Samstag, 10. August, ist sie ab 12 Uhr vor dem Restaurant Seven am Bahnhof Thun an ihrem Marktstand mit Produkten aus Usbekistan anzutreffen. Am Sonntag, 18. August, ab 14 Uhr wird sie am Flohmarkt in der Kulturgarage in Interlaken sein.

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