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Was würde das Lisi tun?

Wenn am 15. Juni im Schnittweier das Theater «Vogellisi» Premiere feiert, hat jemand seine persönliche Derniere unmittelbar hinter sich. Und zwar das Vogellisi persönlich. Besser: seine Darstellerin, Désirée Naef.

Désirée Naef spielt auch diesen Sommer das Vogellisi...
Désirée Naef spielt auch diesen Sommer das Vogellisi...
Patric Spahni
...im gleichnamigen Theaterstück in Steffisburg.
...im gleichnamigen Theaterstück in Steffisburg.
Patric Spahni
Tuck prahlt, das Vogellisi staunt.
Tuck prahlt, das Vogellisi staunt.
Ramon Lehmann
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Am Tag der Premiere wird die ­24-jährige Désirée Naef in Zürich die letzte Prüfung schreiben, die sie von ihrem Diplom zur ­Kindergärtnerin und Primarlehrerin trennt. Mathematikdidaktik, kein Lieblingsfach von Naef: «Die Kreativität fehlt mir dort.» Ausleben kann sie diese bei ihrer Leidenschaft, dem Theaterspielen.

17-mal wird sie sich diesen Sommer ins Vogellisi verwandeln, im gleichnamigen Stück der Oberländer Märlibühni. Dasselbe tat sie bereits vor einem Jahr – das Stück ist eine Wiederaufnahme. 10'000 Leute besuchten damals das Theater, viele davon hätten Naef zu ihrer Leistung gelobt.Trotz des Erfolges will Naef nicht alles gleich machen wie damals. Aufführungen, Bachelorarbeit, Pendlerleben.

«Es war ein Stress. Ich war oft krank deswegen.» Als sie für die neue Spielzeit zusagte, stellte sie ihr Leben neu auf: Im letzten März zog sie aus der WG in Zürich nach Thun zu ihren Eltern.

Machte einen Plan, wann sie ihre vier Uniarbeiten schreiben muss, damit diese Pflicht nicht den Proben in den Weg kommt. Auch nahm sie Einfluss auf die Termine von Aufführungen und Proben, damit diese im Einklang sind mit dem SBB-Fahrplan und dem Uni-Stundenplan.

Märlibühni als Disney-Ersatz

Dass Désirée Naef eines Tages ihren Alltag entlang des Theaters organisiert, stand schon früh fest. Fünf Monate alt war sie, als sie mit ihren Eltern von Rubigen nach Kalifornien auswanderte, der Heimat des Disneylands, in dem sie viel Zeit verbrachte. «Ich liebte alle Disney-Filme, dass das Gute über das Böse siegte und natürlich auch die Prinzessinnen. Dort entflammte mein Interesse an Geschichten.»

«Ich liebte alle Disney-Filme, dass das Gute über das Böse siegte und natürlich auch die Prinzessinnen.»

Désirée Naef

Nach fast drei Jahren in den USA zog die Familie nach Köniz, später nach Thun. In Thun vermisste Naef die Disney-Welt, fand aber bald Ersatz in der Oberländer Märlibühni: «Seit der ersten Produktion habe ich jedes Stück gesehen, die Schauspielerinnen waren meine Vorbilder.»

Ihnen eiferte sie im Schultheater nach. Dann stand sie als 8-Jährige zum ersten Mal auf einer grossen Bühne, jener der Thunerseespiele, bei «Evita» und «Anatevka». Bis sie sich bereit fühlte, mit ihren Idolen der Märlibühni gemeine Sache zu machen, vergingen danach dreizehn Jahre.

«Ich schrieb der Märlibühni in einer E-Mail, dass ich gerne bei ihnen mitmachen möchte. Egal, in welcher Funktion.» Es wurde die Zweitbesetzung der Hauptrolle im Stück «Anastasia – die letzte Zarentochter».

Kennt alle Rollen auswendig

Und nun also erneut die Hauptrolle im «Vogellisi». Eine Rolle, die in Naefs Innerstes durchsickert: «Das Lisi ist eine mutige und starke Frau. Anders als ich zweifelt sie nicht an sich selber. Darum frage ich mich oft, was das Lisi in einer Situation machen würde.»

«Das Lisi ist eine mutige und starke Frau. Anders als ich zweifelt sie nicht an sich selber.»

Désirée Naef

Zum Beispiel in Bezug auf Naefs Zukunft: Schauspiel will sie studieren, daneben als Kindergärtnerin arbeiten. Davor gönnt sie sich ein Jahr, in dem sie reisen will, Landschaften malen und einen Fantasyroman für Jugendliche schreiben. Alles Dinge, für die neben Studium und Theater keine Zeit bleibt.

Immerhin muss Naef den Text nicht mehr lernen: «Ich kenne alle Rollen auswendig, so oft führten wir das Stück auf.» Trotzdem will sie sich zur Auffrischung vor den Proben, die in diesen Tagen beginnen, das Video einer Aufführung ansehen.

Wovor ihr graut: «Selbstkritisch, wie ich bin, werde ich mich grausam über meine Fehler aufregen.» Vielleicht sollte Naef die Aufzeichnung mit dem Lisi zusammen schauen. Und sie fragen: «Was denkst du darüber?»

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