War es Veruntreuung in Millionenhöhe?

Einer Frau werden Veruntreuung, Urkundenfälschung und Geldwäscherei zur Last gelegt. Die Deliktsumme soll 4,15 Millionen Franken betragen.

Veruntreuung, Urkundenfälschung und Geldwäscherei werden der Frau vorgeworfen. Die amtlichen Akten sind sieben Bundesordner dick.

Veruntreuung, Urkundenfälschung und Geldwäscherei werden der Frau vorgeworfen. Die amtlichen Akten sind sieben Bundesordner dick.

(Bild: iStock/Symbolbild)

Die 39-jährige Schweizerin aus dem Berner Oberland, die aufgrund des Arbeitsvertrags und den damit zusammenhängenden Vollmachten Zugriff auf die Bankkonti von drei Firmen hatte, soll anvertraute Vermögenswerte von insgesamt 4,15 Millionen Franken für private Zwecke verwendet haben. Aufgrund unzähliger dubioser Begründungen übergab sie einen grossen Teil der Gelder ihrem Freund aus dem nahen Osten.

Im Verlauf der Verhandlungen kristallisierte sich heraus, dass die Frau diesem völlig hörig war und erst später merkte, dass sie einem Betrüger auf den Leim gekrochen war. Die Delikte wurden während sieben Monaten im Jahr 2016 begangen. Die amtlichen Akten bestehen aus sieben Bundesordnern. Gestern hatte sich die Beschuldigte vor dem Regionalgericht Oberland in Thun zu verantworten. Ihr werden Veruntreuung, Urkundenfälschung und Geldwäscherei vorgeworfen.

Hauptvorwurf bestritten

Den grössten Teil der Delikte bestreitet die Beschuldigte. So lässt sie den Hauptvorwurf, von einem Bankkonto einer Firma bei insgesamt 32 Bezügen 3,81 Millionen Franken für private Zwecke verwendet zu haben, nicht gelten: Auch andere Mitarbeitende der Firmen könnten die Möglichkeit zu deliktischen Handlungen gehabt haben. Zugegeben hat sie, insgesamt 335'800 Franken von verschiedenen Banken auf ihre privaten Kreditkartenkonti überwiesen zu haben.

Diese Gelder verwendete sie für private Zwecke für sich oder ihren Freund. Insbesondere bezahlte sie damit Flüge, Ferienreisen, Hotelübernachtungen, Kleider und anderes mehr für sich und ihren Freund. Mit der Veruntreuung einher gingen Urkundenfälschung und Geldwäscherei. Die Beschuldigte soll veruntreutes Bargeld von mindestens mehreren hunderttausend Franken aus der Schweiz ausgeführt oder ihrem Freund übergeben haben, welcher seinerseits das Geld ausführte.

«Wie im Märchen»

«Anfänglich hört sich die Geschichte an wie ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht», begann Staatsanwalt Matthias Wiedmer sein Plädoyer. Nur gebe es kein Happy End. Die Angabe der Beschuldigten, das Geld habe ihrem Freund gehört, betrachtete er als Schutzbehauptung. Wiedmer erachtete sie in allen Anklagepunkten als schuldig und beantragte eine Freiheitsstrafe von 5 Jahren unter Anrechnung der Untersuchungshaft von 279 Tagen.

Diese ist inzwischen durch eine Schriftensperre (Sicherstellung von Pass und ID) ersetzt worden. Ein teilbedingter Vollzug komme angesichts der Höhe der Deliktsumme nicht infrage. Demgegenüber forderte die amtliche Verteidigerin Schuldsprüche lediglich für die eingestandenen Delikte. Sie beantragte eine bedingte Freiheitsstrafe von 16 Monaten bei einer Probezeit von zwei Jahren.

Der Anwalt der Privatklägerschaft forderte eine Entschädigung in Höhe der gesamten Deliktsumme. Bis zur heutigen Urteilseröffnung gilt die Unschuldsvermutung.

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