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Vor 80 Jahren wurde die Kirche Merligen eingeweiht

Um nicht jeden Sonntag zu Fuss in die Kirche Sigriswil gehen zu müssen, sammelte die Bevölkerung von Merligen Geld, um ein eigenes Gotteshaus bauen zu können. Heute vor 80 Jahren ­wurde es eingeweiht.

Die Kirche Merligen am Tag ihrer Einweihung vor 80 Jahren.
Die Kirche Merligen am Tag ihrer Einweihung vor 80 Jahren.
zvg

Das kleine Dorf Merligen am rechten Thunerseeufer gehört seit jeher zu der Kirchgemeinde Sigriswil. Dies bedeutete, dass die Dorf­bevölkerung für Gottesdienstbesuche jeden Sonntag einen einstündigen Fussmarsch nach Sigriswil zu bewältigen hatte.

Der Besitzer des Hotels Beatus, Carl Seegers, sammelte schon 1920 Geld zum Bau einer Hauskapelle für die Hotelgäste. Seine Idee wurde aber vom damaligen Kirchgemeinderatspräsidenten Ernst Schiffmann mit folgenden Worten abgetan: «Wenn schon ein Gotteshaus, dann eine Kirche, die für alle zugänglich sein soll.» Dies war auch die Meinung der Leute im Dorf, und 1936 wurde dem Bau einer Filialkirche zugestimmt. Ein mutiger Entscheid, drohte doch noch immer aufgrund der weltweiten Wirtschaftskrise die Abwertung des Schweizer Frankens; zudem gab es damals viele Arbeitslose.

Architektonisches Neuland

Dessen ungeachtet unternahm die Bevölkerung grosse Anstrengungen, sammelte an Konzerten und Basaren Geld, und schon im Herbst 1936 wurde mit dem Bau begonnen. Gegen den anfänglichen Einwand des Synodalrats, das Projekt weiche von den bisherigen Kirchenbautypen ab, wehrten sich der Architekt und die Baukommission erfolgreich, und der Synodalrat gab nach. Als Architekt und Bauleiter zeichnete Jaques Wipf aus Thun verantwortlich, der unter anderem das alte Krematorium in der Schönau Thun oder auch das Hotel Hospiz auf der Grimsel erbaute. Er leitete zu der Zeit die einzige Baustelle in der Gemeinde Sigriswil, und viele der sonst arbeitslosen Bauhandwerker erhielten die Gelegenheit, etwas zu verdienen.

Mit heimischem Material

Um möglichste viele Leute beschäftigen zu können, wurden die meisten Arbeiten von Hand ausgeführt. Damit die Kosten niedrig gehalten werden konnten, wählte man Kieselkalk vom nahen Steinbruch Balmholz. Ebenfalls aus einheimischem Material gestaltete man die Innenausstattung und den Dachstuhl, nämlich aus gemeindeeigenem Fichtenholz. Schon Ende Juni des folgenden Jahres wurden die Glocken aufgezogen, und dank dem Fleiss der Bauleute und dem milden Winter konnte die Kirche am Sonntag, 26. September 1937, bei schönstem Herbstwetter eingeweiht werden.

Notspital im Untergeschoss

Der Merliger Vincenz Oppliger, Alt-Kirchgemeindepräsident, organisierte vor fünf Jahren eine Ausstellung in der Kirche; er ist ­Verfasser der Broschüre zum 75-jährigen Bestehen der Kirche. Darin erwähnt er viele ­Details und zeigt Originaldokumente. Unter anderem ist darin zu lesen, dass während des Zweiten Weltkriegs im Untergeschoss der Kirche sogar ein Notspital eingerichtet war und dass sein Grossvater, der Malermeister Vinzenz Oppliger, Mitglied der damaligen Baukommission war.

Meisterhafte Kirchenfenster

Der Kirchengesang wurde anfänglich aus finanziellen Gründen von einem Harmonium begleitet. 1960 konnte auf Initiative des Harmoniumspielers und Lehrers Heinz Häsler (des späteren Generalstabschefs) eine Orgel angeschafft werden – eine Sammelaktion der Dorfbevölkerung und eine grosszügige Spende eines langjährigen Gasts des Hotels Beatus machten es möglich. Ende der Sechzigerjahre gestaltete Fred Stauffer die kunstvollen Kirchenfenster auf der Südseite. Das Werk, gespendet von Fritz Feller, zeigt die Figuren Noah, Moses, Jesus und Johannes. Äusserlich blieb die Kirche unverändert, und dank ihrem damals gewagten Baustil und vielleicht auch gerade wegen ihrer aussergewöhnlichen ­Lage geben sich darin jährlich bis zu zwanzig Hochzeitspaare das Jawort.

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