Vor 150 Jahren: Frau Holle grüsste im Frühsommer

Winterliches Wetter im Frühsommer: 1867 kam es in Thun Ende Mai nochmals zu Schneefällen.

Ähnlich verschneit wie auf diesem Bild von 1910 könnte die Thuner Innenstadt am 23. Mai 1867 ausgesehen haben.

Ähnlich verschneit wie auf diesem Bild von 1910 könnte die Thuner Innenstadt am 23. Mai 1867 ausgesehen haben.

(Bild: Stadtarchiv Thun, Fotosammlung Gassner)

Über den späten Schneefall berichtete das «Thuner Blatt» am 25. Mai 1867 in aller Knappheit: «Als naturgeschichtliche Merkwürdigkeit melden wir, dass es den 23. Mai schneite, und in Goldiwil beispielsweise gab es Eiszapfen an den Dachrinnen.»

Was vor 150 Jahren sonst noch für Schlagzeilen sorgte:

1. 5. 1867: «Papa» Hänni, der zurücktretende Lehrerveteran, hat 43 Jahre in Thuner Schulen unterrichtet. Als er begann, hatte er über zweihundert Schüler aller Altersklassen im selben Lokal zu unterrichten. Jetzt sind daraus elf verschiedene Klassen hervorgegangen.

1. 5. 1867: Lebensmittelpreise in Thun. Anken in Ballen à 1 Pfd. 90 Cts. Kartoffeln per Zentner 5.50 bis 6 Fr. 13 bis 14 Eier für 60 Cts.

4. 5. 1867: Die concessionierte Hauptagentur für Auswanderung J. F. Baumgart in Bern und Thun, gegründet im Jahr 1853, befördert fortwährend Aus­wanderer zu den günstigsten Bedingungen nach allen über­seeischen Hafenplätzen, auf Wunsch über Havre, Hamburg, Bremen, Liverpool, London, Bordeaux und Antwerpen. J. F. Baumgart in Thun, Rosengarten Nr. 198.

4. 5. 1867: J. Scherrer, Sattler, hat sein schon bisher betriebenes Geschäft in sein neu erbautes Haus an der Allmendstrasse, gegenüber dem Bahnhof, verlegt.

4. 5. 1867: Die Buchbinderwerkstatt des Unterzeichneten be­findet sich von nun an im Schulhaus auf dem Platz. Aufträge bitte in der Buchhandlung daselbst abgeben. Buch und Papierhandlung H. Blom. (Eugen Stämpfli).

8. 5. 1867: Wegen Erneuerung des Strassenpflasters beim Berntor wird vom 20. des Monats hinweg der Verkehr mit Fuhrwerken durch das Berntor hinweg für unbestimmte Zeit gesperrt.

8. 5. 1867: Aufgepasst! 50 Zentner Fische werden heute bei Gerber Hodel bei der inneren Allmendbrücke verkauft, das Pfund zu 15 Cts.

8. 5. 1867: Künftigen Sonntag, 12. Mai, Tanz bei bayrischer Musik und Kreisversammlung der Grütlivereinssektionen Thun, Heimberg und Strättligen am Gwatt. Es ladet höflich ein, E. Bähler, Wirt.

11. 5. 1867: Dem Vernehmen nach soll das Preisgericht für den Schulhausneubau den ersten Preis von 800 Fr. Baumeister Hopf in hier zugesprochen ­haben.

11. 5. 1867: Der Thunermarkt vom 8. Mai war von schönstem Wetter begünstigt und daher ziemlich stark besucht. Auf dem Viehmarkt standen 675 Kühe, 369 Ziegen, 785 Schafe, 37 Kälber und 370 Schweine. Auch der ­Pferdemarkt war stark. Für den Kramhandel fehlte aber das Geld. Dagegen wird behauptet, seit ­langem sei das schöne Geschlecht nicht so schön und so zahlreich auf dem Markt anwesend ge­wesen.

11. 5. 1867: Die geehrten Damen sind freundlichst eingeladen, sich zahlreich an der Liquidation der Modewaren meiner Schwester sel. zu beteiligen. R. Bühlmann-Robert.

15. 5. 1867: Die jungen Männer der Gemeinde, welche in diesem Jahr ihr 20. Altersjahr zurück­legen, werden hiermit aufge­fordert, sich behufs ihrer Ein­teilung ins Löschkorps Montag, 20. Mai, abends um 7 Uhr im Rathause einzufinden.

15. 5. 1867: Schuhmachermeister Lohrer hat sein Geschäft in das Haus des Herrn Spring-Zürcher bei der Allmendbrücke verlegt. Gleichzeitig macht er alle Schuster darauf aufmerksam, dass er alle Schusterartikel wie Holznägel, Werkzeug, schwarzes Wachs, Borsten, Pech, Garn, Wiener­pappe etc. stets auf Lager hat. Auch kann seine Nähmaschine gegen geringe Entschädigung von Schustern zu jeder beliebigen Zeit in Anspruch genommen ­werden.

18. 5. 1867: Die dramatisch-humoristische Vorlesung von Herrn Louis Kühn von letztem Donnerstag im Casino hat wohl bei ­allen Zuhörern vollständige Befriedigung hervorgerufen.

18. 5. 1867: J. Konrad, Hafner, hat seine Wohnung zu Hrn. J. Wüthrich, Milchlieferant auf dem Viehmarkt, verlegt und empfiehlt sich für die Ofen- und Kochherdfabrikation.

18. 5. 1867: Knaben-Corps. Neu Eintretende haben sich bis Mittwoch, 22. Mai, beim Commandant, J. Howald, anschreiben zu lassen. Für die Schüler des Progymnasiums ist der Eintritt obligatorisch.

18. 5. 1867: Mineralwasser. Von den gebräuchlichsten Sorten sind wieder frische Füllungen angelangt, nicht vorrätige werden schnellstens besorgt. Völter, Apotheker.

22. 5. 1867: P. P. Wiedmer, Graveur, hat sich im Hause des Herrn C. Lontschi, Hutmacher, etabliert und empfiehlt sich für alle in sein Fach einschlagenden Arbeiten. Hält auch stets eine schöne Auswahl an Grabmälern und Grab­geländern.

22. 5. 1867: Letzten Montag wurde bei den hiesigen Bäckereien Revision gehalten in Betreff des Brotgewichts. Wo dasselbe zu bedeutend differierte, wurde das Brot confisziert. Es ist zu wünschen, dass derartige Unter­suchungen auch auf andere Gewerbe ausgedehnt werden.

22. 5. 1867: Der Gemeinde Strätligen wird vom Kanton ein Staatsbeitrag von 10 Prozent mit 230 Fr. an eine neue Feuerspritze zuerkannt.

Quelle: Stadtarchiv Thun

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