Vor 150 Jahren: Die Angst vor der Cholera

Thun

1867 erfasste die Cholera die Schweiz. Die nahende Seuche veranlasste auch den Thuner Gemeinderat im September dazu, präventive Massnahmen zu treffen.

«Der Tod als Würger»: Auf der Zeichnung von Alfred Rethel von 1847 wird die Cholera als mumienhaftes Gespenst dargestellt.<p class='credit'>(Bild: AKG-Images / Erich Lessing)</p>

«Der Tod als Würger»: Auf der Zeichnung von Alfred Rethel von 1847 wird die Cholera als mumienhaftes Gespenst dargestellt.

(Bild: AKG-Images / Erich Lessing)

1867, während der vierten Cho­lerapandemie des 19. Jahrhunderts, erfasste die tödliche Infektionskrankheit auch die Schweiz. Wegen des Umsichgreifens der Cholera in einigen Nachbarkantonen publizierte die Polizeikommission des Thuner Gemeinderates am 14. September umfassende Verhaltensmassregeln. «Zu diesen Massregeln gehört vor allem aus eine häufige, wo möglich tägliche Desinfektion der Jauchebehälter so wie ein fleissiges Entleeren und Reinigen derselben», hiess es. Indes herrschte zu jener Zeit noch Unklarheit über die Krankheitsursache, weshalb in der Bekanntmachung von einem Choleragift die Rede war. Erst 1883 wurde der bakterielle Erreger Vibrio cholerae durch Robert Koch entdeckt.

In der Stadt Zürich, wo die Krankheit besonders heftig wütete, erreichte die Epidemie Mitte September ihren Höhepunkt. Allein zwischen dem 15. und dem 21. September starben 153 Personen an der Cholera.

Am 28. September ordnete der Thuner Gemeinderat zusätzlich die Entleerung und Desinfektion der Abtrittsgruben bis zum 5. Oktober an. Dazu wurden die Sperrzeiten für den Jauchetransport gelindert.

Was vor 150 Jahren sonst noch für Schlagzeilen sorgte:

4. 9. 1867Lebensmittelpreise in Thun. Anken in Ballen à 1 Pfd. Fr. –.90 bis 1.00. Kartoffeln per Zentner 3.00 bis 3.50. 9 bis 10 Eier für 60 Cts.

7. 9. 1867Spar- und Leihkasse in Thun. Ordentliche Hauptversammlung, Montag, den 23. September, nachmittags 2 Uhr, im Gasthof zu Metzgern mit Passa­tion der ersten Jahresrechnung.

7. 9. 1867 Gerl und Mayer, Spengler, haben im Hause des Herrn Bähler am Gwatt eine Spenglerei errichtet und empfehlen sich für alle in ihr Fach einschlagenden Arbeiten.

7. 9. 1867W. Lackemann, Fechtmeister aus Zürich, beabsichtigt, in Thun einen Fechtkurs von 18 bis 20 Stunden zu geben mit Fleuret, Säbel und Bajonett, sobald eine gewisse Anzahl Herren sich beteiligen werden.

11. 9. 1867Bendicht Hasler und Jakob Streit haben sich am Gwatt als Gärtner etabliert und liefern auch jede Sorte Bäume.

14. 9. 1867 Zu bedeutend herabgesetzten Preisen werden garantiert gute Photographien dem freundlichst zusprechenden Publikum angefertigt im Atelier im Bälliz beim Falken und im Atelier bei Siegenthaler bei der neuen Kaserne. Aufnahmen alle Tage 8–4 Uhr. Rud. Bühlmann, Maler.

14. 9. 1867Infolge gütlicher Übereinkunft habe ich das bisher gemeinschaftlich mit meinem Vater besessene Spezerei- und Colonialwaren-Geschäft für alleinige Rechnung übernommen und werde dasselbe unter dem bisherigen Namen R. J. Müller & Sohn fortführen. R. Müller, Geschäftsführer der Bankfiliale.

14. 9. 1867 Infolge erhaltener Weisung der Direktion des Innern wird bezüglich der an einigen Orten ausgebrochenen Maul- und Klauenseuche bekannt gemacht, dass bis auf weiteres in Thun keine Viehmärkte mehr abgehalten werden dürfen.

14. 9. 1867 Es wird hiermit streng untersagt, die Ausgänge der Spritzenmagazine durch Stehenlassen von Fuhrwerken, Ablegen von Material und Anbinden von Vieh zu versperren.

18. 9. 1867 Um sowohl im See als in der Aare einen möglichst gleichmässigen Wasserstand zu erzielen und das in sanitarischer Beziehung so nachteilig wirkende rasche Fallen und Steigen des Grundwassers zu vermeiden, wird von nun an das völlige Öffnen der Äusseren Aare-Schleusen an den dazu bestimmten Wochentagen unterbleiben und die Schiffahrt auf der Aare bis auf weiteres eingestellt.

18. 9. 1867Letzten Samstag wurde ein Quantum unreife Zwetschgen der Aare überliefert.

21. 9. 1867 Die Bäckerei des ­«Aktien-Brodvereins» ist vom 21. Sept. an zu Frau Witwe Graber, Bäckerin beim Berntor, verlegt worden, woselbst stetsfort schmackhaftes halbweisses Brot zu ermässigtem Preis, per Pfund à 19 Cts., zu haben ist.

25. 9. 1867Lokal-Veränderung. Von nun an befindet sich die Lithographie Siegrist und Curta im ehemaligen Commisariatsgebäude im Bälliz.

25. 9. 1867Die Einwohner Thuns werden aufgefordert, einem neu zu gründenden Amtsverein für die Betreuung entlassener Sträflinge beizutreten.

25. 9. 1867Casino in Thun. Hauptversammlung 30. September, 8 Uhr im grossen Saale. ­Traktanden. 1) Beratung über den Fortbestand der Gesellschaft. 2) Eventuelle Wahl eines neuen Gesellschaftslokals.

25. 9. 1867 Die Spar- und Leihkasse in Thun hatte letztes Jahr einen Capital-Umsatz von anderthalb Millionen. Den Aktionären konnte für das erste Jahr 4% Dividende ausbezahlt werden. Es ist dieses Resultat, dank der musterhaften Verwaltung, ein günstiges zu nennen.

25. 9. 1867Verkauf von Eisen­vitriol zum Desinfizieren der Abtritte, fünf- bis zehnpfundweise à 10 Rappen per Pfund bei R. J. Müller & Sohn.

28. 9. 1867Der Markt von letzten Mittwoch fiel durch den Ausfall des Viehmarktes unbefriedigend aus. Man spricht von einem Ersatz-Viehmarkt im Oktober, da sich keine neuen Fälle von Maul- und Klauenseuche gezeigt haben.

28. 9. 1867 Morgen Schauturnen und Fahnenweihe des Turnvereins mit Gastvereinen. Die neue Fahne des Thuner-Vereins, von Herrn Maler Sommer gemalt, ist ein Prachtstück.

28. 9. 1867Ausschiessen der Feldschützengesellschaft Thun künftigen Dienstag, Mittwoch und Donnerstag den 1., 2. und 3. Oktober beim Zollhaus.

Quelle: Stadtarchiv Thun, Historisches Lexikon der Schweiz, NZZ.

mbs

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