Viel Zeit und wenig Improvisation

Thun

Die Handballer von Wacker spielten am Samstag in der Champions League gegen Ademar León (25:26). Marcel Stauffer sorgte dafür, dass die Spanier immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren.

Marcel Stauffer wartet am Flughafen Zürich auf das Team von Ademar Leon.

Marcel Stauffer wartet am Flughafen Zürich auf das Team von Ademar Leon.

(Bild: Irina Eftimie)

Es ist 7.30 Uhr am Freitagmorgen. Marcel Stauffer steigt mit Busfahrer René Schärz in den Doppeldeckerbus ein. «Wir können losfahren», sagt Stauffer zu Schärz. Bereits zum dritten Mal unternehmen die beiden die gemeinsame Fahrt zum Zürcher Flughafen. Wie auch bei den letzten Malen holen sie einen Champions-League-Gegner von Wacker Thun ab.

«Ich mache das sehr gern», sagt Marcel Stauffer auf der Fahrt. «Das Ganze ist zwar recht zeitaufwendig, aber ich reise gern. Dazu kommt, dass es um die Champions League geht, was sehr spannend ist.» Im Auftrag von Wacker Thun kümmert sich der Berner nämlich um die fünf Handballteams, die für Champions-League-Spiele in die Schweiz reisen. «Ich habe das vorher noch nie gemacht. Als ich die Anfrage aber erhielt, habe ich diese Aufgabe natürlich gern übernommen», sagt Stauffer.

Faire Bedingungen

Angefragt wurde Marcel Stauffer vom OK-Präsidenten Jürg Sieber. «Ich habe früher mit ihm in Belp Handball gespielt und war da auch Trainer. Durch diese Beziehungen bin ich dann zu meiner Rolle als Organisator der Reise und des Aufenthalts gekommen», sagt er.

Auch seine Arbeit in der Kommunikationsabteilung der Post habe ihn auf seine Aufgabe vorbereitet. «Ich gehe viel an Messen oder andere Veranstaltungen und muss organisieren, viel Zeit haben und mich um einen reibungslosen Ablauf kümmern», erklärt Stauffer. «Wichtig ist dabei, dass man immer pünktlich ist und möglichst wenig improvisiert.»

Aus diesem Grund müssen alle ausländischen Teams im Voraus ihre Trainingswünsche mitteilen, sich um ein Hotel kümmern und die Verpflegung organisieren. «Der Vorstand von Wacker Thun hat beschlossen, dass alle Teams ihre Unterkunft selber suchen und bezahlen. Zum Teil haben nämlich Gastgeberteams absichtlich schlechte Hotels gebucht, um das Gästeteam zu sabotieren. Wacker Thun macht deshalb lediglich Vorschläge, und die Teams entscheiden dann, wo sie hingehen», sagt Marcel Stauffer. «Damit alles fair abläuft, organisiert Wacker Thun während des Aufenthalts lediglich eine Trainingshalle und Wasser.»

Doch auch die Suche nach einer passenden Halle kann sich problematisch gestalten. «Das Harz, das die Handballer benutzen, hinterlässt in der Regel eine ziemliche Sauerei», erklärt Stauffer. «Es ist deshalb schwierig, passende Hallen zu finden, die nach dem Training nicht gleich von anderen Sportvereinen genutzt werden.»

Es sei aber auch extrem spannend, zu sehen, wie sich die Teams aus den verschiedensten Kulturen verhielten, sagt Marcel Stauffer. «Letzte Woche, als ich das norwegische Team Elverum abgeholt habe, hatten sie nur sehr wenig Zeit vor dem Training. Trotzdem haben sie die grössten Portionen gegessen, die ich je gesehen habe, und sind dann direkt trainieren gegangen. Ich hätte das niemals gekonnt.»

Gute Leute

Obwohl Marcel Stauffer kein Wacker-Fan ist, hat er am Samstag mitgefiebert. Es half nicht: Wacker verlor 25:26. «Es ist klar, dass mein Herz bei den Schweizern ist», sagt Stauffer. «Ich hoffe, dass sie bald noch einen Sieg holen.» Am Sonntag verabschiedete sich Marcel Stauffer noch von Ademar León und geht schon bald das nächste Team abholen. «Ich mag diese Arbeit», sagt er. «Man trifft nämlich sehr gute Leute, und ich freue mich schon auf das nächste Team.»

Thuner Tagblatt

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt