Veränderungen führen zu einer Gratwanderung

Wattenwil

Der Wandel in der Alterspflege zwingt auch die Betreiber des Alters- und Pflegeheims Wattenwil zu unpopulären Massnahmen. Das Altersheim wird nach und nach zum Pflegeheim umstrukturiert.

Das Haus «Gürbeblick» im Alters- und Pflegeheim Wattenwil ist für Pflegefälle reserviert. Künftig wird sich das ganze Heim auf pflegebedürftige Frauen und Männer ausrichten.

Das Haus «Gürbeblick» im Alters- und Pflegeheim Wattenwil ist für Pflegefälle reserviert. Künftig wird sich das ganze Heim auf pflegebedürftige Frauen und Männer ausrichten.

(Bild: Marc Imboden)

Die Veränderungen bei der Betreuung im Alter führen auch in den Altersinstitutionen zu grundlegenden Veränderungen. Die politischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen im Kanton Bern fördern und verlangen die schrittweise Anpassung von Pflege- und Betreuungskonzepten. Auch im Alters- und Pflegeheim Wattenwil (APHW) muss der Schwerpunkt in der Pflege und Betreuung zunehmend auf mittel und schwer pflegebedürftige Bewohnerinnen und Bewohner ausgerichtet werden.

Nach den neuen Kriterien bedeutet dies, dass keine Bewohner mehr aufgenommen werden können, deren Gesundheitszustand diesen Bedürfnissen nicht entspricht. Das Altersheim, in das Menschen übersiedeln, die kaum oder leicht pflegebedürftig sind, gibt es nicht mehr. Die alten Menschen bleiben in ihren Häusern und Wohnungen und werden von den Mitarbeitenden der Spitex-Organisationen oder von Angehörigen gepflegt und betreut.

Erst wenn die Betreuung einer Person ein hohes Mass an Pflegeleistungen erfordert, erfolgt der Umzug in das Pflegeheim. Menschen mit einem geringen Bedarf an Leistungen, die nach den neuen Bedingungen noch nicht aufgenommen werden können, werden von Mitarbeitenden des APHW bei der Suche nach einer für sie persönlich geeigneten Lösung begleitet und unterstützt.

Unter Vollzugszwang

Im APHW stehen 86 Einzelzimmer und 2 Doppel-Ehepaarzimmer zur Verfügung. Seit dem Bezug des Neubaus waren diese Zimmer fast immer belegt. Derzeit besteht eine Warteliste, die aufzeigt, dass der Bedarf an Plätzen für mittel und schwer Pflegebedürftige in der Region Thun-West vorhanden ist.

Der Schwerpunkt in der Pflege und Betreuung wird zunehmend auf mittel und schwer pflegebedürftige Bewohnerinnen und Bewohner ausgerichtet werden. Bild: zvg/Yves André Vaumacus

Als Zwischenlösung nach Spitalaufenthalten oder zur Entlastung von Angehörigen oder Pflegenden werden Kurzzeitaufenthalte angeboten. Dazu Philipp Stucki, der leitende Geschäftsführer des Alters- und Pflegeheims Wattenwil: «Diese Veränderungen der Bedürfnisse und Anpassungen unserer Angebote sowie die stetig zunehmenden höheren Anforderungen an das Pflegepersonal führen auch in unserem Haus zu einer immer wiederkehrenden Gratwanderung zwischen dem Wünschenswerten und dem Machbaren.»

Kommt dazu, dass die Betreiber von Altersinstitutionen durch die Sparmassnahmen des Kantons und der Krankenkassen unter ständigem Vollzugszwang stehen: «Auch im APHW sind wir diesem unfreiwilligen Wandel ausgesetzt», so Stucki weiter.

Thuner Tagblatt

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt