«Über die Honegg bläst es wie im Jura»

Eriz

Nach jahrelangem Stillstand bekommt das Windpark­projekt im Eriz wieder Aufwind. Grund dafür ist, dass der Kanton Bern seinen Windrichtplan revidiert. Das Wind­potenzial ist höher als bisher erwartet.

So wie hier im Berner Jura könnten auch auf der Alp Honegg in Eriz die Kühe schon bald neben Windturbinen grasen.

So wie hier im Berner Jura könnten auch auf der Alp Honegg in Eriz die Kühe schon bald neben Windturbinen grasen.

(Bild: zvg/Keleki)

Die Vorzeichen, unter denen sich die IG Windpark Honegg im Eriz am Montagabend zu ihrer Hauptversammlung traf, waren deutlich besser als in vergangenen Jahren. «Was lange währt, wird hoffentlich endlich gut.» Mit diesen Worten leitete Grossrat Samuel Krähenbühl (SVP, Unterlangenegg) den Jahresbericht ein. Er sei froh, dass die von ihm und Ratskollege Samuel Graber (SVP, Horrenbach-Buchen) im Grossen Rat durchgebrachte Motion für die erleichterte Planung von Windparkanlagen nun positive Folgen zeige. Denn der Regierungsrat schlage in der Mitwirkung zum kanto­nalen Richtplan nun vor, die Honegg neu als Wind­energieprüfraum zu bezeichnen. Das sei die alles entscheidende Voraussetzung für sämtliche weiteren Planungsschritte bis zur Verwirklichung eines Windparkes.

Einstimmig für Eingabe pro Windpark

Doch noch seien die Än­derungen nicht rechtskräftig. Die Versammlung unterstützte dann auch einstimmig den Antrag des Vorstands für eine positive Vernehmlassungseingabe. «Die Vernehmlassung dauert bis am 3. Juni. Wir vom Vorstand fordern euch Mitglieder auf, selber möglichst noch Eingaben beim Kanton zu tätigen», schlug Krähenbühl vor.

Windmessung wohl 2017 möglich

Urs Seiffert von der Considerate AG, welche die IG Windpark berät, bestätigte die Fortschritte: «Wir sind zwar nicht am Ziel, aber wir sind auf einem guten Weg.» Nachdem die Honegg nun als Windenergieprüfraum im Entwurf des kantonalen Richtplans enthalten sei, müsse in einem nächsten Schritt der Entwicklungsraum Thun über die definitive Aufnahme in den re­gionalen Richtplan entscheiden. «Das sollte bis in einem Jahr möglich sein», betonte er.

Seit der Windpark im Richtplan sei, könne man richtig loslegen und im Verlauf von 2017 einen Mast für Windmessungen aufstellen. Die Messung brauche es nicht dafür, den Nachweis zu erbringen, dass es Wind habe. Denn der neu herausgekommene Windenergieatlas Schweiz gebe der Honegg sehr gute Noten: «In der Honegg wird das Windaufkommen auf 6,5 bis 7 Meter geschätzt. Wir haben also hier Wind wie im Jura.» Wind sei auf der Honegg also sicher genug vorhanden.

Der Grund für die Messungen sei, dass die richtigen Anlagen ausgewählt werden müssten. Das sei sehr wichtig. Denn der grösste Feind, der das Projekt zum Scheitern bringen könne, sei ein mangelndes Windaufkommen. Denn nur mit ge­nügend Wind könne man wirtschaftlich Energie produzieren. «Die Honegg hat Wind. Wir müssen ihn nur noch einfangen.»

Es dauert trotzdem noch mehrere Jahre

Sobald das Gebiet definitiv im Richtplan aufgenommen sei, dauere es aber noch einmal sechs bis neun Jahre, bis die Anlage ­realisiert sei. Seiffert erinnerte daran, dass der Bund mit der Energiestrategie bis 2050 rund 7 bis 10 Prozent des Strombedarfs mit Windenergie decken wolle. In den letzten Jahren seien aber nur wenige neue Anlagen gebaut worden.

Dies, obschon die Ren­tabilität im Vergleich relativ gut abschneide: «Windenergie ist von den erneuerbaren Energien die günstigste Quelle dazu, Strom zu produzieren.» Die Rentabilität liege heute im Bereich von Wasserkraftwerken. Allerdings seien die Bewilligungsverfahren aufwendig. Nicht zuletzt würden zahlreiche Projekte trotz Zu­stimmung von Kanton und Gemeinden durch Einsprachen verzögert.

pd/tt

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